27.11.2020 - 16:24 Uhr
NabburgOberpfalz

Campingplatz Perschen in "abenteuerlichem" Zustand

Die Sicherheits- und Hygienemängel sind gravierend. Der Campingplatz in Perschen bei Nabburg kann so nicht mehr weiter betrieben werden. Der zuständige Zweckverband muss handeln.

Die Standplätze liegen dicht nebeneinander. Dazwischen fehlen vorgeschriebene Brandabschnitte. Darauf wies ein Gutachter den Zweckverband hin.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Die Sitzung der Zweckverbands für das Freizeit- und Erholungszentrum Perschen, dem die Städte Nabburg und Pfreimd sowie der Landkreis Schwandorf angehören, sollte der schonungslosen Bestandsaufnahme dienen. Sie öffnete den Verbandsräten die Augen für die tatsächliche Situation auf dem über drei Hektar großen Camping-Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Perschener Freibades.

Es ging zunächst um den Brandschutz. Bau-Ingenieur Johannes Schießl aus der Bauabteilung des Nabburger Rathauses stellte ein Gutachten vor, das der Zweckverband bei einem Sachverständigen in Hersbruck in Auftrag gegeben hatte. In der Expertise wurde aufgedeckt, woran es hapert: Es fehlt eine zweite Zufahrt für die Feuerwehr, und die Kurven der Wege sind zum Teil so eng, dass die Anfahrt mit Feuerwehrautos nicht zu allen Plätzen möglich ist. Die Löschwasserversorgung über einen Hydranten ist in schlechtem Zustand. Viele Anbauten an Camping-Fahrzeuge sind überdimensioniert und somit nicht zulässig. Eine der Bauordnung vorgeschriebene Anlegung von Brandabschnitten gibt es nicht, alle 40 Meter erforderliche und fünf Meter breite Grünstreifen fehlen. Diese gravierenden Sicherheitsmängel bewogen den Gutachter zu der Einschätzung, dass die Gefahr einer unkontrolliert schnellen Brandausbreitung bestehen und zugleich die Brandbekämpfung stark beeinträchtigt sein könnte.

Aus baufachlicher Sicht richtete Ingenieur Schießl das Augenmerk auf den Campingplatz, der in den siebziger Jahren angelegt und seither zweimal erweitert worden war. Er verfügt über 180 Stellplätze, die zu 95 Prozent von Dauercampern - überwiegend aus dem Großraum Nürnberg - belegt sind. Die Wasser- und Abwasserleitungen stammen alle noch aus der Bauzeit, sind somit veraltet. Zum Teil existiert nur ein Regenwasserkanal, eine geordnete Schmutzwasserbeseitigung ist daher nicht in allen Sektoren möglich. Die Wasserentnahmestellen stehen nicht im Einklang mit der Trinkwasserverordnung. Mehrfach fielen Schießl privat angebaute Leitungsanschlüsse ans öffentliche Netz des Zweckverbands auf, die nicht regelkonform sind. Die Installation vieler Leitungen befinde sich in marodem Zustand. Während der Hauptverteiler noch einigermaßen in Ordnung sei, mangle es einigen der 14 Einzelentnahmepunkte an der Standfestigkeit, sei dort auch Korrosion weit fortgeschritten.

Als "abenteuerlich" stufte Johannes Schießl unter dem Strich ein, was er in Perschen gesehen und auf Fotos festgehalten hatte. Allein schon aus Hygienegründen müsse man eigentlich den ganzen Platz sperren, meinte er. Der Verbandsvorsitzende und Nabburger Bürgermeister Frank Zeitler fragte ihn, ob die Bestandsaufnahme auch etwas Positives ergeben habe. "Ich kann leider nicht damit dienen", so Schießl.

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Plößberg

Aus dem Gesehenen und Gehörten leitete Zeitler ab: "Die Infrastruktur des Platzes ist mehr als verbraucht." Es stelle sich tatsächlich die Frage, ob der Campingplatz vor dem Hintergrund von Sicherheitsaspekten überhaupt noch weiterbetrieben werden darf. Auch dazu bezog Ingenieur Schießl eine eindeutige Position: Man müsse ihn bald sperren, so wie jetzt könne es auf keinen Fall weitergehen.

Nachfragen aus den Reihen der Verbandsräte erübrigten sich da, Wortmeldungen zu den festgestellten Mängeln gab es zunächst nicht. Sitzungsleiter Frank Zeitler verwies darauf, dass das Thema im nichtöffentlichen Teil diskutiert und dabei das weitere Verfahren abgeklärt werden müsse.

Kreisrat Johann Wilhelm (CSU) erkundigte sich nach der Auslastung des Geländes. Er erfuhr vom Vorsitzenden, dass sie kein Problem darstelle. Die Plätze seien sehr begehrt, was zum Beispiel auch ein schwunghafter Handel auf einer Kleinanzeigenbörse belege. Über die Jahrzehnte hinweg habe sich hier so etwas wie eine Schrebergarten-Siedlung auf Rädern entwickelt. Insgesamt stehe man vor einer "schwierigen Situation", zumal die Nutzer großteils schon seit vielen Jahren Abschnitte ihres Lebens in Perschen verbringen und somit eng mit der Region verbunden sind.

"Wir haben einen Beschluss gefasst", erklärte Verbandsvorsitzender Frank Zeitler am nächsten Tag auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Im nichtöffentlichen Sitzungsteil sei man zu einer Entscheidung gekommen, weshalb die Platzmieter in den nächsten Tagen Post aus Nabburg erhalten werden. Erst danach wolle man die getroffene Entscheidung öffentlich kommunizieren.

Rund 180 Stellflächen bietet der Campingplatz in der Umgebung des Freibades in Perschen. Zu 95 Prozent sind sie von Dauercampern belegt.
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