Michareither Fosnatbladl: Zahlen sind relativ – die Münchenreuther Relativitätstheorie

Zum Abschluss der Serie mit Beiträgen aus dem Michareither Fosnatbladl wird es nachdenklich: Betrachtet man die täglichen Nachrichten, so dreht sich inzwischen alles um Zahlen und Daten. In erster Linie geht es um die 50 oder die 30.

Eine Aufnahme vom Faschingsdienstag 2014, in der Mitte Büttenredner Martin Hecht.
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Zahlen und Daten stehen im abschließenden Beitrag des Schlüsselclubs Münchenreuth im Mittelpunkt: Soll es nun ab einer Inzidenz von 50 Lockerung geben oder doch erst ab 30? Oder wartet man, bis man bei der Faschingszahl 11 ankommt?

Dieses Jahr hätte es in Münchenreuth den 50. Faschingszug gegeben, wenn man den inoffiziellen Zug dazuzählt, der 1991 wegen des Golfkrieges nur im kleinen Rahmen stattfand. Der Schreiber dieses Textes hat davon ungefähr 30 Faschingszüge nicht nüchtern erlebt. Das Prinzenpaar benötigt meist 50 Schnaps in der Bar, trinkt davon aber maximal 30 selbst. Hier ist auch festzustellen, dass man erste Lockerungen schon nach 11 Schnaps merkt, bis 30 oder 50 kommt da selten einer.

Wenn einer es dann doch schafft, dann ist er der Prinz Karneval, der um 5 vor 12 zum Hauptdarsteller beim mitternächtlichen Begräbnis wird. Dabei ist klar, bei einer Schnapsinzidenz von 50 muss Prinz Karneval dann auch ohne PCR-Test in eine 30-tägige Quarantäne. Ohne Rachenabstrich aber mit Häme – als Prinz Karneval musst ab Aschermittwoch in Quarantäne.

30 Gardemädels hätten wieder auf dem Dorfplatz getanzt. Mindestens 50 Musikanten hätten mit ihren Instrumenten für Stimmung gesorgt. 50 Politiker hätten sich für 30 Orden in der Büttenrede beworben. Die Ziegler-Brauerei hätte 50 Liter Freibier spendiert, die Friedl Metzgerei hätte 11 mal 30 Wiener verteilt und die Rosner Bäckerei 30 mal 11 Krapfen zur Verfügung gestellt. Aber ein Virus mit einem Durchmesser von weniger als 0,30 Mikrometer verhinderte, dass am Faschingsdienstag der sonst übliche Alkoholpegel von über 0,50 Promille gehalten wurde. Ja, das alles soll nicht sein – Fasching ging dieses Jahr nur daheim.

Vorreiterrolle für Waldsassen

Heuer wäre die Anreise zum Zug sowieso eine langwierige Reise geworden. Waldsassen spielte die Vorreiterrolle und senkte das maximale Tempo für die Ortsdurchfahrt von 50 auf 30 km/h. Mitterteich zog nach und man zuckelt nun mit 30 durch die Stadt. Wiesau wollte da nicht länger zuschauen und verordnete auch die Langsamkeit mit 30 km/h durch die Gemeinde. Nur in Konnersreuth rast man weiter fleißig, auf den Hauptstraßen gilt noch nicht Tempo dreißig.

Zu der Geschichte mit Tempo 30 machte sich auch der altbekannte Michareither Büttenredner Martin Hecht seine Gedanken, der auch in ein paar Jahren seinen 50-sten feiert:

Als 50er hat man jetzt mehr Schwung. Man hält sich heutzutage jung. Ob Yoga oder Harley fahren oder sich wie Teenies paaren. Wer 50 ist, der hat gut lachen, kann alles noch wie damals mit 30 machen. Da wünschen sich auch immer mehr, noch mal mit 30 den Verkehr.

Unsere Politiker haben auch erkannt. Verkehr mit 30 läuft nicht so angespannt, da hatte man sein Gerät noch gut in Griff, wenn man damit um die Ecke pfiff. Beachtet man auch den Umweltschutz, wird der Gummi nicht so abgenutzt. Und ist es feucht – Yippie und Juchhe, mit 30 ist Aquaplaning auch passé.

Drum lautet in jeder Gemeinde der Beschluss: mit Tempo 50 ist bald Schluss. Denn wer 30 in den Ortschaften beschließt, das Wohl der Anwohner und Wähler genießt. Außer man sagt ihnen, sie fahren selber zu schnell,

dann verwünschen sie dich in die Höll‘! Micharath Helau.

Fosnatbladl-Rückblick

Die 50 und die 30 waren am Ende auch entscheidend, was ins Fosnatbladl kam und was nicht. Im Fosnatbladl musste Stefan Grillmeier erfahren, dass man mit Tempo 30 nicht gleich 50-mal in die Zeitung kommt. In Mitterteich haben sie aber vermutlich die Tempobeschränkung noch gar nicht gemerkt, denn erst wurde die Stadt abgesperrt und keiner geht mehr raus, da der Zoigl eh geschlossen hat.

In Waldsassen kann man bei Tempo 30 den Klosterstadt-Bambi des Kunsthauses vom Auto aus im Vorbeifahren anschauen. Das wäre bei 50 nicht gegangen. Der Mitterhof hat nur 30 Genussscheine verteilt, dabei gab es Nachfrage nach mindestens 50 Genussschweinen, so dass der Schlüsselclub hier eingesprungen ist. In Konnersreuth ist der Maibaum nur noch 30 Meter Metall statt 50 Meter Holz.

Die Radonbelastung ist bei 50 und weit über dem Grenzwert von 30. Und der Neue-Tag-Reporter wird auch trotz 30 Anrufen und 50-mal Klopfen an der Tür nicht zur öffentlichen Sitzung des Marktrates zugelassen. Nur in Bad Neualbenreuth schwimmen sie gegen den Trend. Da kostet ein Grab nun 50 statt 30 Euro. Dafür gibt es für die Zahnradbahn auf eine 10er-Karte 30 Prozent Rabatt, weil bei 50 Prozent hätten sie sonst die Grabgebühren nochmal um 30 Euro erhöht.

Im Sibyllenbad dürfen dafür irgendwann mal wieder 50 Personen in eine 30 Kubikmeter große Sauna. Tja, und wir Münchenreuther, wir haben uns schon vor Jahren aufgeregt, als im Kapplwald nur noch 30+30=60 km/h möglich waren und setzten uns für 50+30=80km/h ein.

Wir haben uns dieses Jahr gefragt, wer den 30 Meter hohen Maibaum heimlich aufgestellt hat, ob denn 30 Effatha-Uralt Dosen wirklich gegen den Faschingsvirus helfen und wann die Kontaktbeschränkung endlich auf 11 Personen ausgeweitet wird. Da kannst doch narrisch wern. Für 2021 is Fosnat nun z‘spath, zum Glick gibt’s nächstes Joahr wieder Fosnat in Micharath.

Der zehnte Teil der Fosnatbladl-Serie

Konnersreuth
Info:

Fosnatbladl-Geschichten

  • In Zusammenarbeit mit Oberpfalz-Medien hat der Schlüsselclub Münchenreuth in den vergangenen Tagen eine Serie von 11 Berichten über Faschingsthemen und Narreteien veröffentlicht. Mit diesem Beitrag endet die Reihe.
  • Alles darf in diesen Berichten, so wie in diesem Beitrag auch, aber nicht bierernst genommen werden.
Die Büttenreden vorm Schulhaus waren in der Vergangenheit der abschließende Höhepunkt des Fosnatzugs in Micharath.

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