17.10.2019 - 13:44 Uhr
Muckenthal bei WiesauOberpfalz

In der Muckenthaler Zauberwelt hausen Unholde

Tatsächlich soll es Leute geben, die immer noch nichts von den Muckenthaler Geistern gehört haben. Kennenlernen dürfe man die merkwürdigen Gestalten an einem ganz bestimmten Oktoberabend, verrät eine Geisterfachfrau aus Friedenfels.

von Werner RoblProfil

Ängstlich sollte man nicht gerade sein, wenn man sich Lisa Rauh anschließen möchte. Ihr Ziel - wenn es dunkel wird - ist der Wald bei Muckenthal, wo viele Unholde leben und die Rauh längst auch beim Namen kennt. Alle Jahre lädt sie ein, die Gestalten zu besuchen. Ungefährlich ist es aber nur, wenn man die Regeln befolgt und - wie Rauh zudem empfiehlt - "flüsternd am Weg bleibt." Mahnend hebt sie dabei den Zeigefinger.

Es ist wieder soweit, die Geisterstunde, die einmal im Jahr hereinbricht, steht bevor. Für wenige Augenblicke soll die Sagenwelt Wirklichkeit werden, um den Wald unweit der Karpfen- und Forellenteiche in ein merkwürdiges Licht zu tauchen. In der Regel unsichtbar, nehmen die Unholde sichtbare Gestalt an und lassen sich dazu hinreißen, die abendlichen Spaziergänger zu ärgern. Die alljährliche Veranstaltung hat sich längst herumgesprochen. Gut 130 kleine und große Leute möchten auf die Reise mitgenommen werden.

„Das lichtscheue Gesindel verträgt aber nur Fackelschein“, empfiehlt die Geisterführerin, die Taschenlampen rasch auszuschalten. "Erst wenn das Volk verschwindet, dürft ihr sie wieder anmachen." Den Weg erklärt Teichnixe Sophia Bächer. Ihr Papa Klaus, der stets auch dabei ist, beschäftigt sich derweil mit dem Braten der Fischburger am Holzkohlengrill.

Seit Jahren widmet sich Lisa Rauh all den merkwürdigen Gestalten, die im Wald bei Muckenthal hausen. Sie kennt sie alle. „Zu sehen bekommt man sie aber nur ganz selten. Eigentlich nur an einem ganz bestimmten Tag und zu einer ganz bestimmten Stunde“, flüstert die Friedenfelserin und fügt hinzu, dass das genau heute und in gut einer halben Stunde geschehen wird.

Am Lagerfeuer werden noch einige Stockbrote gebacken, langsam im Fackelschein, steuert man danach auf den Waldrand zu. Irrlichter funkeln in den Lichtungen. Zudem vernehmen die Teilnehmer ein Geräusch. Der bärtige Mann, den Lisa Rauh als unfreundlichen Hoimoa vorstellt, ist noch der harmloseste von all den Gestalten, die wenige Augenblicke später aus den Behausungen hervorkriechen.

Der Kopflose klagt vor Schmerzen und bettelt am Weg um Hilfe. An den Grabsteinen flackern Kerzen, die von Geisterhand entzündet, für leichtes Magengrummeln unter den Wanderern sorgen. Mit dem Wassermann an der Weggabelung und den drei Hexen ist alles andere als gut Kirschen essen. Von den gereichten Süßigkeiten dürfe man sich gerne bedienen, versucht das Trio mit viel List die Leute heranzulocken. Merkwürdig ist nur, dass einem die Gesichter sehr bekannt vorkommen.

Veranstaltet wird die Geisterwanderung seit vielen Jahren bereits von der Teichbauernfamilie Bächer. Gedacht – ursprünglich für die Buben und Mädchen – findet der Gespensterabend auch bei Erwachsenen zunehmend Freunde. Die Muckenthaler Landwirte werden dabei von Lisa Rauh unterstützt, die danach am Feuer auch gruselige Geschichten erzählt. Dazu gesellen sich auch die nächtlichen Gestalten, die von Rauhs Freunden und Familienmitgliedern dargestellt werden. Nicht fehlen dürfen ein prasselndes Feuer und herumschwirrende Fledermäuse, die aber rasch das Weite suchen.

Die Muckenthaler Geisterwanderung ist jedes Jahr: Die Gespenster, Wasserbewohner und Hexen, sind nämlich sehr neugierig. Jeweils am Freitagabend vor der Karpfenkirchweih werden sie für alle sichtbar und erkundigen sich, was so alles in den Genussorten Kornthan und Muckenthal während der Karpfenkirchweih geboten sei.

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