01.10.2021 - 17:28 Uhr
MoosbachOberpfalz

Moosbacher Marktrat erlässt Photovoltaik-Kriterien

Zwei große Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind südlich von Moosbach bereits in Betrieb. Weitere kündigen sich an. Die Gemeinderäte reagieren.

Zwei Freiflächen-Photovoltaikanlagen beeinträchtigen jetzt schon das Ortsbild von Moosbach. Das wollen die Gemeinderäte künftig mit einem Leitfaden verhindern.
von Peter GarreissProfil

Die zu erwartende Flut von Anträgen auf Errichtung von Freiflächenanlagen veranlasste den Gemeinderat in seiner letzten Sitzung einen Leitfaden zu beschließen. Dieser soll die Kriterien für die Zulässigkeit weiterer Anlagen regeln. In der Marktgemeinde gibt es bereits zwei große Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Für eine weitere Anlage läuft derzeit das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes. Außerdem liegen noch für zwei Anlagen die Anträge im Rathaus. Weitere Anträge von Betreibern sollen in Vorbereitung sein.

Landschaftsbild wichtigster Aspekt

Oberstes Kriterium für neue Anlagen sind die Sichtbarkeit und das Landschaftsbild. Hier handelt es sich um ein absolutes Ausschlusskriterium. Nicht erlauben wollen die Räte Photovoltaikanlagen in der Nähe von denkmalgeschützten oder besonders positiv prägenden Gebäuden oder bei erheblicher Störung des Orts-, Kultur- und Landschaftsbilder. Der Bau solcher Anlagen soll auch nicht zu einer Verknappung qualitativ besonders hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen führen.

Für wünschenswert halten es die Gemeinderäte, dass von Photovoltaik-Projekten nicht nur Einzelne einen finanziellen Nutzen haben, sondern dass allen Bürgern zu einem gewissen Ausmaß eine Beteiligung an den Anlagen ermöglicht wird. Positiv bewerten es die Räte, wenn soziale Einrichtungen unterstützt würden. Einen hohen Stellenwert haben auch die Natur- und Artenschutz-Verträglichkeit sowie die Biodiversität. Auch hier handelt es sich um Pflichtkriterien. So ist die Versiegelung auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Vorhandene Brut- und Nistplätze müssen erhalten werden. Auch bei der Anordnung der Module, der Querung des Geländes durch kleine, mittelgroße und große Säugetiere gelte besondere Vorschriften.

Detaillierte Vorgaben

Sogar die Wiedereinsaat ist geregelt. Dünger- und Pflanzenschutzmittel sind nicht erlaubt, Wege sind mit wassergebundenen Decken zu versehen. Steinhaufen müssen als Biotoptrittsteine eingelegt werden. Pro Hektar müssen drei Totholzstellen eingerichtet werden. Projektentwickler müssen dies alles schon bei der Vorplanung beachten. Die Anbindung der Anlage an das Stromnetz soll per Erdverkabelung erfolgen und der Strom-Einspeispunkt in der näheren Umgebung liegen. Im Außenbereich des Gemeindegebietes können je Kalenderjahr nur Solarparks mit einer Gesamtfläche von drei Hektar errichtet werden. Diese Vorgabe soll der Verträglichkeit mit dem Landschaftsbild und einer gewissen Balance zu den landwirtschaftlichen Betrieben dienen. Solaranlagen, die der Markt Moosbach selbst errichtet unterliegen aber nicht der Drei-Hektar-Obergrenze.

Stichtag für die Berücksichtigung von Anträgen zur Errichtung eines Solarsparks ist jeweils der 1. Oktober. Einzelfallentscheidungen behält sich der Markt Moosbach jedoch vor. Auch dann, wenn ein Gewerbebetrieb zur Abdeckung seines Eigenstrombedarfs Solarstrom benötigt. "Trotz des Leitfadens hat man immer noch Möglichkeiten für Einzelfallregelungen", wies Bürgermeister Armin Bulenda auf einen wichtigen Punkt hin. Dies gelte dann besonders, wenn im Ort Strom gebraucht werde. Marktrat Erhard Scheuerer sprach die Finanzierung und Sicherung des Rückbaues solcher Anlagen an. Marktrat Hermann Ach befürchtete, dass der Leitfaden die Situation nicht ändere. Viele Kriterien werfen Fragen der Definition auf. Ulrike Guttenberger hielt die drei Hektar Fläche pro Jahr für zu wenig. Ein Solarpark mit dieser Fläche rechne sich nicht. Mit einer Gegenstimme (Hermann Ach) nahm das Gremium den Leitfaden schließlich an.

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Moosbach

 

 

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