22.09.2020 - 15:39 Uhr
MitterteichOberpfalz

Warnung vor radioaktiver Strahlung in Pilzen

Gerhard Wehner aus Mitterteich mag Schwammerl eigentlich sehr gern. Doch der Genuss ist nicht immer ungetrübt. Das hängt mit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 zusammen.

Gerhard Wehner führt seit 1988 genaue Aufzeichnungen über die gemessene Radioaktivität in Lebensmittel. Seine Messergebnisse hält der 78-jährige in seinem Ordner fest.
von Josef RosnerProfil

Gerhard Wehner ermittelt die Werte der radioaktiven Strahlung in Lebensmitteln im Auftrag der Bürgerinitiative „Gegen Atommüll im Grenzland“. Im Dachgeschoss seines Wohnhauses betreibt er seine eigene Messstation. Wehner ist noch immer Vorsitzender der Bürgerinitiative und bedauert, dass das Interesse daran immer mehr nachlässt.

Regelmäßig ermittelt Wehner die Werte, mindestens aber dreimal im Jahr. Seit der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl ist er auf diesem Gebiet ehrenamtlich aktiv. Nach seinen Worten hat Cäsium eine Halbwertzeit von 30 Jahren, sprich sich die Strahlung jeweils um die Hälfte verringert.

Steigende Werte bei Regen

Immer wieder stellt Wehner fest, dass gerade bei Regen die Werte steigen. Die letzte Messung führte er jetzt am 13. September durch. Gemessen hat er die Pilzart Maronen und dort einen Wert von 403 Becquerel je Kilo festgestellt – also nach offizieller Darstellung nicht gesundheitsschädigend. Denn der Grenzwert liegt bei 600 Becquerel.

Anders verhält es sich beim Semmelpilz (Sandröhrlinge): Mit 845 Bq/kg liegt das Ergebnis eindeutig über dem Grenzwert. "Auf diese Pilzart sollte ganz verzichtet werden", erklärt Wehner. Dagegen sind der Steinpilz mit 254 Bq/kg und die Rotkappe mit 277 Bq/kg erheblich weniger belastet und verzehrbar.

Cäcium im Pilzgeflecht

Dass der Semmelpilz eine so hohe Belastung hat, begründet Wehner mit dem vorhandenen Pilzgeflecht. Doch Wehner betont ausdrücklich: "Jede Radioaktivität, und sei sie noch so gering, ist gefährlich.“

Seiner Meinung nach gehen die Menschen hierzulande immer sorgloser mit Radioaktivität um. Vor allem jetzt in der Hochsaison der Pilzernte müssten die Menschen aufpassen. "Tschernobyl ist noch lange nicht vorbei."

Risiko schon bei kleinster Dosis

Bei seinem Rat verlässt sich der Experte auf Kernphysiker Dr. Ludwig Trautmann, „Kinder, Stillende und Schwangere sollten strahlenarme Nahrungsmittel unter 10 Bq/kg zu sich nehmen. Denn das Gesundheitsrisiko beginnt bei kleinsten Strahlendosen.“

Wehner warnt deshalb diese Personengruppe ausdrücklich vor dem Verzehr von Schwammerln, auch wenn diese noch so verlockend aussehen. Wehner unterstreicht, dass die Strahlenbelastung regional verschieden ist.

46.000 Becquerel pro Kilo

1988, als er mit seinen Messungen begann, lag die Strahlenbelastung noch bei 46.000 Becquerel pro Kilogramm Pilzen. „Das wurde in den vergangenen Jahren immer weniger, aber sie ist halt immer noch da“, bilanziert Wehner.

Gleichfalls appelliert er an den gesunden Menschenverstand eines jeden Einzelnen, ob er Pilze zu sich nehmen will oder nicht. "Die Gesundheit gehe vor. Wehner will aber keinesfalls den Menschen die Freude an selbst gesammelten Pilzen nehmen." Denn auch er isst die Schwammerl sehr gern.

Im Dachgeschoss seines Wohnhauses hat Gerhard Wehner eine kleine Messstation eingerichtet, wo er die Messungen vor Ort durchführt. Die Messungen führt er immer noch für die Bürgerinitiative „Gegen Atommüll im Grenzland“ durch.
Hintergrund:

Strahlenbelastung von Pilzen und Wildbret

Das Messen von Pilzen auf Strahlenbelastung ist Gerhard Wehner ein besonderes Anliegen. Aber auch Wildbret – etwa Reh und Wildschwein – untersucht der Mitterteicher. Wer wissen will, ob seine Lebensmittel radioaktiv belastet sind, kann sich gerne mit Gerhard Wehner unter Telefon 09633/2246 in Verbindung setzen.

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