Vier Hallen für Backwaren-Produktion und Versand: Investor prüft Optionen in Steinmühle

Mitterteich
03.02.2023 - 13:30 Uhr
OnetzPlus

Mit einer Voranfrage für die Errichtung von vier Hallen für Backwaren-Produktion und Versand in Steinmühle hat sich der Mitterteicher Bauausschuss befasst. Dabei sind jedoch einige Fragen offen geblieben. Wir haben nachgehakt.

Hier auf der freien Fläche unterhalb des bestehenden Produktionsgebäudes (links) in Steinmühle würden drei weitere Hallenbauten entstehen, sofern eine Bebauung zulässig wäre und der Bedarf gegeben wäre. Rechts neben dem früheren Wichtelladen (am Bildrand rechts) ist noch eine Versandhalle angedacht.

Aufhorchen ließ eine Bauvoranfrage in der jüngsten Mitterteicher Bauausschusssitzung: "Errichtung von Produktionshallen für industrielle Backwaren und Versand, Steinmühle 30", hieß es unter Punkt 1. Bei der Adresse handelt es sich um das frühere Schulhaus, das die Naturkostbackstube Männl zu einem Bäckerei-Produktionsgebäude umgebaut und bis zur Insolvenz 2018 genutzt hat, bis zuletzt gemeinsam mit der einstigen Firma Zoiglbauer. Später zog ins Obergeschoss die Firma Pausenwerk ein.

Wer die Voranfrage gestellt hat, ist wie üblich aus Datenschutzgründen in der Sitzung nicht genannt worden. "Schön, dass sich hier wieder was tut", zeigte sich Bürgermeister Stefan Grillmeier erfreut. Würde das Projekt umgesetzt, so würden auch neue Arbeitsplätze entstehen, so Grillmeier.

Laut Bürgermeister sind drei Produktionshallen mit einer Gesamtgrundfläche von 5400 Quadratmetern und ein Versandgebäude mit einer Grundfläche von 1000 Quadratmetern vorgesehen. Einer Skizze zufolge würden die Produktionshallen hinter dem bestehenden Gebäude (Grundfläche rund 1200 Quadratmeter) platziert, wobei die äußerste Halle neben der Bundesstraße 299 stehen würde. Die Versandhalle würde im Bereich zwischen dem früheren Wichtelladen und der Kirche entstehen und mit dem restlichen Bäckerei-Areal verbunden. Die maximale Hallendachhöhe würde bei 12 Metern liegen.

Positive Reaktionen

Wie Stefan Grillmeier weiter informierte, ist der Grund im Flächennutzungsplan als Fläche für Landwirtschaft und Wald eingetragen. Ein großer Teil davon sei eine Biotopfläche. "Geprüft wird nun, ob dort überhaupt gebaut werden kann", sagte Grillmeier mit Verweis auf das Landratsamt und die Untere Naturschutzbehörde. Vom Ergebnis hänge ab, ob ein Grunderwerb infrage kommt. Nach Ansicht des Bürgermeisters gebe es Möglichkeiten, das Biotop zu verlegen.

Positive Reaktionen kamen aus allen vier Fraktionen. Josef Schwägerl (CSU) zeigte sich überzeugt, dass Anwohner-Beschwerden wie vor Jahren wegen der Rauchbelastung durch den einstigen Holzofen der früheren Bäckerei wohl nicht zu erwarten seien. Denn zum Einsatz kommen würden laut Schwägerl Pellets. Bernhard Thoma (Freie Wähler) sah es ähnlich: "Da sollte es keine Probleme geben." Am Ende gab es einstimmig grünes Licht, jetzt ist das Landratsamt am Zug.

Hinweis durch Werbebanner

Aber wer steckt nun dahinter? Hat das Ganze mit dem Neustart der Bäckerei Männl zu tun, den Anna-Lena Männl (Firma Pausenwerk) vor rund einem Jahr angedeutet hatte? Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, ob es sich um einen Investor aus der Region oder von außerhalb handelt, teilte Bürgermeister Grillmeier jedoch mit, dass Letzteres der Fall sei.

Den entscheidenden Hinweis lieferte letztlich ein Werbebanner, das unweit des Produktionsgebäudes in Steinmühle neben der B299 hängt: "Bäcker und Backhelfer gesucht", heißt es dort. In kleinerer Schrift darunter ist www.maennl-urbackstube.de zu lesen. Die Adresse führt zur modern gestalteten Website der Männl Urbackstube GmbH mit Sitz in Steinmühle 30. Diese Firma gibt es laut Handelsregister seit Oktober 2021, in der Region ist sie aber bisher nicht in Erscheinung getreten.

Ins Auge fällt auf der Startseite eine Botschaft von Herbert Männl, die folgendermaßen beginnt: "Seit über 100 Jahren steht der Name Männl für genussvolle und einzigartige Backspezialitäten. Mit diesem Anspruch und einer über Generationen gewachsenen Leidenschaft gehen wir in unserer traditionellen Urbackstube zu Werke." Weiter heißt es unter anderem: "Tag für Tag backen wir für Sie frisch mit viel Liebe zum Backwerk." Als Produkte werden "Original Bio-Holzofenbrot" (laut Text erhältlich ab Frühjahr 2023), "glutenfreies Bio-Brot" und "Bio-Butterstollen" herausgestellt. Unter "Standorte" findet sich diese Aussage: "Unsere Bezugsmöglichkeiten erstrecken sich über den Großraum München und es werden immer mehr!"

Als Geschäftsführer ist Thomas Slottke im Impressum genannt. Eine Internetsuche führt zu den Firmen Männl Handels GmbH (Sitz Mitterteich), Slottke Backwarenvertrieb GmbH und Slottke Verwaltungs GmbH (Sitz jeweils Hohenbrunn bei München), bei denen ebenfalls Thomas Slottke als Geschäftsführer angegeben ist. Ein Anruf unter der auf der Website der Männl Urbackstube GmbH gelisteten Telefonnummer führte ins Leere, daher ging eine schriftliche Anfrage von Oberpfalz-Medien an die angegebene E-Mail-Adresse.

Knappe Antwort

Eine Antwort von Thomas Slottke traf zwar zwei Tage später ein. Doch alle Fragen, unter anderem zum aktuellen Bäckereibetrieb, zu Verkaufsstellen und zur Zahl der Mitarbeiter, blieben unbeantwortet. Auch die Frage, ob diese Firma hinter der Voranfrage steht oder als Partner eines anderen Investors mit im Boot ist, ließ Slottke offen. Stattdessen teilte er mit: "Aktuell befinden wir uns noch in der Planungs- und Aufbauphase der Männl Urbackstube GmbH." In dieser von stetigen Änderungen geprägten Phase sei es nicht möglich, verbindliche Auskunft zu geben. Sobald die Fragen zuverlässig und sinnvoll zu beantworten seien, würde man sich wieder melden.

Auf Nachhaken von Oberpfalz-Medien mit erneutem Verweis auf die Aussagen im Bauausschuss und Recherchen dazu lieferte Slottke doch noch einige Informationen nach. Eingereicht habe die Voranfrage die Slottke Verwaltungs GmbH, die auch Gesellschafterin der Männl Urbackstube GmbH sei. Man habe die Anfrage für den Fall gestellt, „dass die Männl Urbackstube GmbH sich besonders gut entwickeln wird und eine Erweiterung der Bäckerei irgendwann in Zukunft in Betracht kommen sollte“. Und weiter: „Als Investor möchten wir schon vorab anfragen, ob eine Erweiterung grundsätzlich möglich und bis zu welchem Umfang diese darstellbar wäre.“

Keine konkrete Aussage möglich

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zu den genannten Biotopflächen beim Landratsamt teilte Pressesprecher Walter Brucker mit, dass die Untere Naturschutzbehörde über diese Sache bisher noch nicht informiert sei. Daher könnten Fragen nur sehr allgemein beantwortet werden. Zur betreffenden Fläche schreibt Brucker: "Dort sind keine amtlich kartierten Biotope vorhanden, aber Hecken und Gehölzgruppen, die dem gesetzlichen Schutz für Lebensstätten nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz unterliegen. Solange jedoch nicht bekannt ist, was weg muss, kann die Untere Naturschutzbehörde auch keine konkrete Aussage treffen."

Fakt sei aber, dass solche Vorhaben als "naturschutzfachliche Eingriffe" nach der Bayerischen Kompensationsverordnung zu beurteilen seien, so Brucker. "Meistens läuft es auf einen Ausgleich oder einen Ersatz hinaus."

OnetzPlus
Steinmühle bei Mitterteich20.02.2022
Hintergrund:

Anwesen Steinmühle 30

  • Früher Nutzung als Schule und Porzellanmanufaktur, später rund zehn Jahre lang Leerstand
  • Erwerb, Sanierung und Umbau durch Naturkostbackstube Männl, Umzug der Backproduktion von Tirschenreuth nach Steinmühle und Eröffnung eines Ladengeschäfts, Start vor Ort im Oktober 2008
  • 2009 Gründung der Firma Zoiglbauer, Mitnutzung des Gebäudes in Steinmühle, unter anderem Einbau von Zoigl-Lagertanks
  • 2017 Einstellung der Produktion, Anfang 2018 Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Naturkostbackstube Männl
  • In der Folgezeit vorübergehende Nutzung durch Betrieb zur Früchtetrockung und -verarbeitung; später Einzug der 2018 gegründeten und in Tirschenreuth ansässigen Firma Pausenwerk ins Obergeschoss, dort bis heute Herstellung von Mittagessen für Schulen und andere Einrichtungen
 
 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.