19.10.2020 - 10:21 Uhr
MitterteichOberpfalz

Der Tag, an dem Mitterteich aufatmen konnte: Freigabe der Umgehung vor 20 Jahren

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Autos rollen mit Tempo 30 durch die Innenstadt, Lkws sind nur noch für den Lieferverkehr zugelassen: All das ist seit kurzem Realität in Mitterteich. Den Grundstein dafür legte vor genau 20 Jahren die Freigabe der Umgehung. Ein Rückblick.

Für den Festakt mit zahlreichen Gästen und Schaulustigen am 19. Oktober 2000 war ein schwarz-rot-goldenes Band über die neue Trasse der Bundesstraße 299 gespannt worden.
von Udo Lanz Kontakt Profil

"Endlich: In der Stadt wird's wieder ruhiger" lautete der Titel im "Neuen Tag" am 20. Oktober 2000. Auf einer ganzen Zeitungsseite berichtete Redakteur Armin Eger über die Freigabe der Mitterteicher Ortsumgehung. Mit dieser Maßnahme war am Tag zuvor, am 19. Oktober 2000, ein langersehnter Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung gegangen.

"Das ist ein Tag, auf den sich fast alle Mitterteicher gefreut haben", betonte der damalige Bürgermeister Erich Dickert beim Festakt am 19. Oktober 2000 mit zahlreichen Politikern, Behörden- und Wirtschaftsvertretern, Stadtbediensteten und Schaulustigen. Rund 300 Leute waren es, die sich auf der neuen Trasse der Bundesstraße 299 etwas unterhalb der Ab- und Auffahrt nahe Pechofen versammelt hatten. "Unsere Stadt wird von den fast unerträglichen Verkehrsströmen befreit", erklärte Dickert in seiner Rede. Die Freude habe man ihm richtig ansehen können, wie Armin Eger schrieb.

Jede Gelegenheit genutzt

Hermann Weigl, damals der leitende Baudirektor des einstigen Straßenbauamts Weiden (heute Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach), zeigte sich überzeugt, dass die Mitterteicher aufatmen würden, "wenn ab heute der Durchgangsverkehr an der Stadt vorbeifließt". Der damalige Landrat und frühere Mitterteicher Bürgermeister Karl Haberkorn habe laut Weigl die Umgehung frühzeitig in den Flächennutzungsplan aufnehmen lassen. Und Bürgermeister Erich Dickert habe später "jede Gelegenheit genutzt", das Projekt Wirklichkeit werden zu lassen.

Nach Mitterteich gekommen waren neben dem langjährigen Bundestagsabgeordneten Ludwig Stiegler auch die damaligen Staatssekretäre Siegfried Scheffler (Bundesverkehrsministerium) und Hermann Regensburger (Bayerisches Innenministerium). Letzterer zeigte am Beispiel der Mitterteicher Ortsumgehung auf, wie lange solche Projekte dauern können: Nach der Idee in den 1950er Jahren und der Intensivierung der Überlegungen in den 1970er Jahren sei im Jahr 1991 der Stadtratsbeschluss gefallen. Wie aus dem Artikel weiter hervorgeht, habe Landrat Karl Haberkorn beim Festakt auch die Gelegenheit genutzt, um Staatssekretär Siegfried Scheffler in Sachen Ortsumgehung Waldsassen um Unterstützung zu bitten.

Unsere Stadt wird von den fast unerträglichen Verkehrsströmen befreit.

Der damalige Mitterteicher Bürgermeister Erich Dickert

Der damalige Mitterteicher Bürgermeister Erich Dickert

Die Segnung der Umgehungsstraße nahmen der damalige katholische Stadtpfarrer Siegfried Richter und sein evangelischer Amtskollege Thomas Berthold vor. Fröhliche Klänge zur Umrahmung des Festakts steuerte die Stadtkapelle Mitterteich bei. Auf humorvolle Art und Weise erinnerten Mitterteicher Grundschüler an die Entstehung der Umgehung. Und dann war es so weit: Die Ehrengäste durchschnitten ein schwarz-rot-goldenes Band und gaben die Umgehung für den Verkehr frei. Viele der versammelten Gäste nutzten die Gelegenheit, als Erste auf der neuen Trasse zu fahren. Angeführt wurde der Konvoi von den Mitterteicher Oldtimer-Freunden mit ihren Fahrzeugen.

Zehn Jahre nach der Freigabe der Ortsumgehung folgte mit der Verlegung der innerörtlichen Bundesstraße 15, die einst über das sogenannte "Hufeisen" führte, und der Neugestaltung der Stadteinfahrt aus Richtung Tirschenreuth ein weiteres großes Verkehrsprojekt. Im Mai 2012 wurde die bis dahin durch Mitterteich führende B15 schließlich zu einer Ortsstraße abgestuft und der damalige Bürgermeister Roland Grillmeier und der Stadtrat konnten dadurch mehrere innerstädtische Bereiche für den Schwerverkehr sperren: die Bachstraße, den Johannisplatz, die Dr.-Karl-Stingl-Straße und die Martin-Zehendner-Straße. Roland Grillmeier sprach in diesem Zusammenhang von einem "Meilenstein für die Stadt".

Durchbruch im Jahr 2019

Das nächste Ziel war die Abstufung der durch die Innenstadt führenden Staatsstraße 2176, auf der bis zum Oktober 2000 ein Teil der B299 verlaufen war. Nachdem die Stadt unter Federführung von Roland Grillmeier jahrelang mit dem Straßenbauamt verhandelt hatte, gelang 2019 der Durchbruch. Zum 1. Januar 2020 übernahm die Stadt Mitterteich diesen Abschnitt, der von der Waldsassener Straße über den Oberen und Unteren Markt sowie die Vorstadt bis zur Kreuzung Wiesauer Straße/Marktredwitzer Straße reicht. Damit war auch endlich der Weg frei für umfassende Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Der im Frühjahr 2020 neu gewählte Stadtrat beschloss im Juli die Herabsetzung auf Tempo 30 km/h und die Verbannung des Schwerlastverkehrs - ausgenommen ist nur noch der Lieferverkehr.

Umgehung ein "absoluter Glücksfall"

Der jetzige Bürgermeister Stefan Grillmeier bezeichnet den Bau der Umgehung vor 20 Jahren als "absoluten Glücksfall für Mitterteich". "Nur durch die vorausschauende Politik der damaligen Bürgermeister Karl Haberkorn und Erich Dickert konnte diese optimale Lösung geschaffen werden", betont Grillmeier gegenüber Oberpfalz-Medien. Durch die kürzlich neu angeordnete Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h in der Innenstadt und die Aussperrung des Schwerlastverkehrs sei ein langersehnter Wunsch des Stadtrats in Erfüllung gegangen. Erreicht wurden laut Grillmeier eine weitere Verkehrsberuhigung und dadurch noch mehr Sicherheit für die Bürger.

Seit Anfang September gilt Tempo 30 im Ortskern von Mitterteich

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Zufahrt für Lastwagen nur noch im Lieferverkehr oder mit Sonderausweis

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Information:

Ortsumgehung Mitterteich - Zahlen und Fakten

  • Nach der Genehmigung des Vorentwurfs im September 1996 folgte im Februar 1997 der Planfeststellungsbeschluss. Im September 1997 begannen die Bauarbeiten, am 19. Oktober 2000 rollte erstmals der Verkehr auf der neuen Trasse der B299. Beendet waren alle Arbeiten im Frühjahr 2001.
  • Die Gesamtlänge der Trasse beträgt 4,8 Kilometer, hinzu kamen Anpassungsmaßnahmen auf einer Länge von 3,1 Kilometern und Wirtschaftswege mit einer Länge von 6,8 Kilometern. Geschaffen wurden auch sieben Brückenbauwerke und der Kreisverkehr nahe der Autobahn.
  • Gebaut wurde auf einer Gesamtfläche von 21,7 Hektar, wofür Ausgleichsflächen mit einer Gesamtgröße von 11,8 Hektar geschaffen wurden.
  • Die Baukosten betrugen 16,2 Millionen D-Mark, für den Grundstückserwerb wurden 3,6 Millionen D-Mark ausgegeben. Dadurch ergaben sich Gesamtkosten in Höhe von 19,8 Millionen D-Mark (10,12 Millionen Euro).

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