07.07.2020 - 18:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Stadtbücherei Mitterteich wird erneut zum Zankapfel

In die nächste Runde ging die Diskussion um den Umzug der Stadtbücherei. Nach der Debatte im Juni gab es im Stadtrat diesmal zunächst Klarstellungen und eine Entschuldigung. Dann drehte es sich wieder um Zahlen und der Ton wurde rauer.

Vollzählig versammelt war der Mitterteicher Stadtrat am Montagabend im Saal des Feuerwehrhauses.
von Udo Lanz Kontakt Profil

In der Sitzung Mitte Juni hatte Bürgermeister Stefan Grillmeier Details zu den Kosten für den Umzug der Bücherei in die Räume der ehemaligen Schlecker-Filiale bekanntgegeben. Daraufhin hatte Wolfgang Karbstein (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich) eine Gratulation an Holger Paschedag (CSU) und dessen Familie zur Vermietung des Objekts gerichtet. Weiter hatte Karbstein angemerkt, dass er als Vermieter "auch gern mal so einen Dummen gefunden" hätte. In der jüngsten Sitzung am Montagabend kam Karbstein unter "Wünsche und Anregungen" nochmals auf das Thema zu sprechen.

Die Diskussion über den Bücherei-Umzug in der Juni-Sitzung:

Mitterteich

Zunächst stellte Karbstein klar, dass die Wählergemeinschaft keinesfalls generell etwas gegen die Stadtbücherei habe, wie es in sozialen Medien dargestellt worden sei. Zu einigen Worten, die in der Sitzung gefallen waren, erklärte Karbstein, dass er sich noch im Anschluss kurz mit Holger Paschedag ausgesprochen habe. "Lieber Holger, sollte ich deine Familie angegriffen oder was Falsches gesagt haben, stehe ich für ein weiteres Gespräch jederzeit zur Verfügung", so Karbstein. "Ich würde das gerne aus der Welt schaffen."

"Fehlgriff meiner Worte"

Als "Fehlgriff meiner Worte" bezeichnete Wolfgang Karbstein die andere oben erwähnte Äußerung. "Davon möchte ich mich klar distanzieren." Er habe mit "dem Dummen" nicht den Stadtrat gemeint. Laut seiner Informationen, so Karbstein, habe die Wahl der Räume der damalige Bürgermeister getroffen und dann die Beschlussvorlage eingebracht. "Aber auch hier möchte ich mich entschuldigen für die Worte." Das sollte auch nicht mehr vorkommen, so Karbstein.

Persönliches heraushalten

Holger Paschedag äußerte sich diesmal selbst, reagierte aber knapp: "Ich nehme es zur Kenntnis." Bürgermeister Grillmeier ergänzte, dass man stets darauf achten sollte, nur in der Sache zu diskutieren und das Persönliche herauszuhalten. Er gab zu bedenken, dass die Stadträte in ihrer Freizeit tätig seien, um das Beste für die Stadt zu erreichen.

"Alles gut?", fragte Grillmeier anschließend - und es meldete sich erneut Wolfgang Karbstein zu Wort. Er berichtete von einem konstruktiven Gespräch mit Kämmerin Ursula Ockl, bei dem auch noch einmal die von ihm kritisierten Kosten von 17 000 Euro für die Elektroinstallation thematisiert worden seien. Dabei habe sich gezeigt, dass nur 8000 Euro förderfähig waren, so Karbstein. Dies sei aus der Aufstellung aber nicht hervorgegangen. Selbst bezahlen müssen habe die Stadt 9000 Euro für die Leuchtmittel - diese könnten aber bei einem späteren Umzug in die neue Bücherei wiederverwendet werden. "Damit ist diese Sache geklärt."

Nein, Wolfgang. Jetzt ist Schluss mit dem Thema. Ende!

Bürgermeister Stefan Grillmeier zu Wolfgang Karbstein (WG Zukunft)

Nicht nachvollziehen konnte Karbstein allerdings eine Aussage der Kämmerin, wonach man in Sachen Bücherei-Umzug schnell habe handeln müssen. "Sobald man weiß, dass man ein Bauwerk verändern muss, weiß man auch, dass man handeln muss und einen neuen Platz braucht." Hier wünschte er sich bei künftigen Projekten ein rechtzeitiges Handeln.

Zuletzt sprach Karbstein noch einmal die Mietzahlungen für die Bücherei an - dies habe er schon beim letzten Mal tun wollen, aber dann wegen der Diskussion um die Elektroinstallation vergessen. "Ist euch da nichts aufgefallen?", fragte er in die Runde. Die in der Kostenauflistung (siehe Infobox) angegebene monatliche Summe von 236,89 Euro als Eigenanteil der Stadt könne nämlich nicht stimmen. Denn das seien eben nicht 20 Prozent der genannten Kaltmiete in Höhe von 1634,40 Euro. Kämmerin Ursula Ockl erwiderte, dass Letzteres die Warmmiete sei und ein Schreibfehler passiert sei. Karbstein gab sich mit der Erklärung nicht zufrieden und fragte nach, was denn nun die Kaltmiete und was die Warmmiete sei.

Bürgermeister beendet Diskussion

Nun schaltete sich Bürgermeister Grillmeier ein: "Ich bin schon etwas verwundert, Wolfgang. Du warst bei der Kämmerin und hast dich informiert, aber trotzdem sind noch irgendwelche Lücken da." Karbstein erwiderte, dass es ein langes Gespräch gewesen sei und schoss zurück: Er sei vielmehr verwundert, dass eine inkorrekte Prozent-Rechnung nicht auffalle. Und dies obwohl Stefan Grillmeier ja Banker sei und Zweiter Bürgermeister Johann Brandl lange Prüfberichte zu Finanzfragen verfasse. "Jetzt kommen wir wieder wo rein", warnte Stefan Grillmeier. Karbstein redete weiter, aber Grillmeier schnitt ihm das Wort ab: "Nein, Wolfgang. Jetzt ist Schluss mit dem Thema. Ende!"

Einwand berechtigt

Wolfgang Karbstein zeigte sich nach der Sitzung verärgert. Denn wie er gegenüber Oberpfalz-Medien betonte, habe er mit seinem Einwand zur Miete richtig gelegen - das habe ihm die Kämmerin bei einem kurzen Gespräch nach der Sitzung bestätigt. Bei den 1634,40 Euro handele es sich definitiv um die Kaltmiete, und davon zahle die Stadt 20 Prozent - also 326,88 Euro.

Ursula Ockl erklärte am Dienstagmorgen auf Nachfrage, dass bei der Erstellung der Auflistung ein Zahlendreher und in der Sitzung eine Verwechslung passiert sei. Die Entscheidung zum Bücherei-Umzug habe der Stadtrat im vergangenen Jahr natürlich auf Basis der korrekten Zahlen getroffen.

In der Sitzung am Montag hakte Wolfgang Karbstein erneut zum Thema Stadtbücherei nach.
Im Blickpunkt:

Eigenanteil 326,88 Euro statt 236,89 Euro

Für die Unterlagen der Juni-Sitzung des Stadtrats hatte Kämmerin Ursula Ockl eine Kostenaufstellung zum Umzug der Stadtbücherei angefertigt. Darin war unter anderem aufgelistet, dass 80 Prozent der monatlichen Kaltmiete von insgesamt 1634,40 Euro mit Fördermitteln abgedeckt werden. Die Stadt trägt die restlichen 20 Prozent, was einem Betrag von 326,88 Euro entspricht. Fälschlicherweise waren in der Vorlage aber stattdessen 236,89 Euro angegeben.

Info:
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.