10.12.2019 - 15:27 Uhr
MitterteichOberpfalz

Offene Fragen rund um Mitterteicher Ortsdurchfahrt

Mit der Übernahme der Staatsstraße 2176 zum Jahresbeginn ist allein die Stadt Mitterteich für Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung zuständig. Unterschiedliche Meinungen gibt es darüber, was genau zu welchem Zeitpunkt geschehen soll.

Die Staatsstraße 2176, die über die Waldsassener Straße, den Oberen Markt (Bild) und den Unteren Markt sowie durch die Vorstadt führt, ist ab 1. Januar 2020 eine Ortsstraße. Damit kann die Stadt selbst über Beschränkungen entscheiden.
von Udo Lanz Kontakt Profil

In der Stadtratssitzung am Montagabend verwies Bürgermeister Roland Grillmeier auf die kürzlich erteilte Genehmigung der Abstufung der Staatsstraße zur Ortsstraße (wir berichteten). Ab 1. Januar 2020 fällt der gesamte Bereich von der Abzweigung nach Konnersreuth bis zur Ampelkreuzung in die Verantwortung der Stadt. Dazu zählen die Waldsassener Straße, der Obere und der Untere Marktplatz sowie die Vorstadt.

„Der Schwerlastverkehr muss raus. Die Verwaltung sollte sich Gedanken über die Beschilderung machen“, sagte CSU-Sprecher Josef Schwägerl. So schnell wie möglich sollten Lkw, die nur durchfahren, ausgesperrt werden. Weiter forderte Schwägerl eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h.

Bürgermeister Grillmeier bestätigte, dass man sich im Gremium schon immer für die Aussperrung des Schwerlastverkehrs sowie Tempo 30 auf dem Marktplatz ausgesprochen habe. Von einer „unsäglichen Raserei“ sprach er speziell in Bezug auf den Unteren Markt. Der Anteil des Schwerverkehrs auf der Staatsstraße durch den Ort liege noch bei rund 6 Prozent. Etwa die Hälfte dieser Fahrzeuge – darunter auch Busse – steuere aber Ziele in der Stadt an. „Alle werden wir nicht rausbringen.“

Verkehrsschau und Abstimmung

Zu klären sei, ob Tempo 30 nur in der Innenstadt gelten solle oder schon ab der Ortseinfahrt, so Grillmeier. Der Bürgermeister kündigte eine Verkehrsschau und die Abstimmung mit der Polizei an. Letzteres sah Josef Schwägerl skeptisch: „Die Polizei war damals auch nicht begeistert von der Beschränkung in der Martin-Zehendner-Straße.“

SPD-Sprecher Johann Brandl gab zu bedenken, dass Maßnahmen vor dem geplanten Umbau des Oberen Marktplatzes „allenfalls ein Provisorium“ sein würden. „Wir sollten nicht vorpreschen und uns etwas in Geduld üben.“ Brandl erinnerte an das von der Regierung geforderte Verkehrskonzept, das im Zuge eines Marktplatzumbaus erstellt werden müsse. Möglicherweise werde es dadurch gar nicht mehr notwendig sein, zusätzlich Tempo 30 anzuordnen. Josef Schwägerl reagierte mit Unverständnis: „Der Umbau kommt doch erst in ein paar Jahren. Und was wäre ein Provisorium?“

Johann Brandl warf zudem die Frage auf, ob die Stadtverwaltung personell in der Lage sei, die erwähnten Maßnahmen zu planen. „Wir sollten keinen Schnellschuss machen“, warnte Brandl. Freie-Wähler-Sprecher Bernhard Thoma teilte Brandls Meinung. „Wir sollten erstmal schauen, wie das alles anläuft.“ Den Schwerlastverkehr sollte man sofort aussperren, aber bei weiteren Schritten sah Thoma es wegen einer möglichen Überforderung der Verwaltung als sinnvoll an, eine Fachbehörde einzubinden. Vielleicht wäre es auch besser, den neuen Stadtrat entscheiden zu lassen.

„Welche Fachbehörde?“, fragte Josef Schwägerl und ergänzte in Bezug auf ein Verkehrskonzept: „Warum sollten wir so lange warten?“ Roland Grillmeier war der Meinung, dass ein großangelegtes Verkehrskonzept ohnehin nicht kommen werde. Dafür seien die räumlichen Möglichkeiten zu begrenzt.

Nicht zeitlich begrenzen

Gerhard Greim (SPD) forderte, dass eine Beschränkung auf Tempo 30 rund um die Uhr gelten sollte. „Gerade wenn ich früh um 5.30 Uhr unterwegs bin, knallen die Lastwagen durch“, beklagte Greim. Bürgermeister Grillmeier sagte dazu, dass es sich etwa in Waldsassen um eine spezielle Situation handele.

Ernst Bayer (Freie Wähler) regte an, dass im Falle weiterer Beschränkungen für den Schwerverkehr auch jene Stellen informiert werden sollten, die Daten für Navigationssysteme liefern. Immer wieder komme es vor, dass ortsunkundige Lastwagenfahrer mitten in der Stadt nicht mehr weiter wüssten.

Die Stadtverwaltung wird nun einen Ortstermin anberaumen und Vorschläge zur Umsetzung von Beschränkungen ausarbeiten. Zur Beratung sollen die Polizei und die Verkehrsbehörde des Landratsamts hinzugezogen werden.

Kommentar:

Tempo 30? Aber schnell!

Seit Jahren wünschen sich viele Bürger eine Verkehrsberuhigung in der Mitterteicher Innenstadt, auch im Stadtrat wurde dieses Ziel immer wieder betont. Mit der Übernahme der Staatsstraße 2176 darf die Stadt endlich selbst Beschränkungen festlegen. Tempo-30-Schilder könnten schon in wenigen Wochen stehen. Die Frage, die nun im Stadtrat aufkam, ist absolut berechtigt: Warum länger warten als nötig?
Dass noch nicht klar ist, wann und wie der Obere Markt umgebaut wird, ist kein Grund, nicht schon jetzt für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen. Erneute Änderungen kann die Stadt jederzeit vornehmen - wobei es unwahrscheinlich ist, dass nach einem Umbau jemals wieder schneller als 30 km/h in dem Bereich gefahren werden darf.
Am Oberen und am Unteren Markt überqueren ständig Fußgänger die Fahrbahn, nicht nur an den Überwegen. Aber selbst an diesen Stellen kommt es häufiger vor, dass Wartende einfach übersehen werden, wohl auch tempobedingt. Zu bedenken sind auch die Bushaltestellen, die vor allem von Schülern frequentiert werden. Eine Temporeduzierung wäre auch im Sinne der Barrierefreiheit und würde sich zudem positiv auf die Aufenthaltsqualität auswirken, vor allem am Unteren Markt.
Ernsthaft geprüft werden sollte auch, ob der Beginn einer Tempo-30-Zone sogar schon in der Waldsassener Straße sinnvoll wäre. Durch Seniorenheim, Friedhof und Supermarkt sind auch dort häufig viele Fußgänger unterwegs, deren Sicherheit erhöht werden könnte.
Natürlich reicht das Aufstellen von Schildern allein nicht aus. Nach der Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung muss auch konsequent geblitzt werden. Denn bei all jenen, die nicht auf Verkehrsregeln achten, hilft letztlich nur der Griff ins Portemonnaie.

Von Udo Lanz

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