29.07.2020 - 15:27 Uhr
MitterteichOberpfalz

Naturfreundehaus Mitterteich: Stadtrat dringt auf Einigung

Nach wie vor gibt es keine Einigung über die Übernahme des Naturfreundehauses durch die Stadt Mitterteich. Nun soll der Bürgermeister erneut mit den Naturfreunden verhandeln. Vonseiten des Vereins kommt es bereits ein positives Signal.

Über die Ablösung des Naturfreundehauses soll der Bürgermeister erneut mit dem Verein verhandeln – das hat der Mitterteicher Stadtrat am Montag mit großer Mehrheit entschieden.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Fast ein halbes Jahr ist vergangen, seit das Naturfreundehaus zuletzt Gegenstand einer öffentlichen Stadtratssitzung war. Damals lag das Ergebnis eines von der Stadt beauftragten Gutachters noch nicht vor. Wie Bürgermeister Stefan Grillmeier nun am Montag informierte, traf dieses Gutachten Mitte April ein. Darin wird der Wert des Gebäudes auf 40 000 Euro beziffert - 54 000 Euro weniger als im Gutachten, das der Verein in Auftrag gegeben hatte.

Zuletzt war das Naturfreundehaus im Februar ein Thema im Stadtrat

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Der Bürgermeister ging kurz auf die Vorgeschichte ein (siehe Infobox unten) und erinnerte auch daran, dass der Verein das Naturfreundehaus bestens gepflegt und auch Renovierungsmaßnahmen vorgenommen habe. Nach einem entsprechenden Stadtrats-Beschluss habe er Anfang Mai das Gespräch mit dem Verein gesucht und die Summe von 40 000 Euro angeboten, so Grillmeier. Dabei habe er auch Meinungen aus dem Gremium weitergegeben. Bei einem weiteren Termin Anfang Juli, bei dem auch Vertreter des Landesverbandes anwesend waren, hätten die Naturfreunde das Angebot der Stadt abgelehnt. Auf die Frage Grillmeiers nach ihrer Schmerzgrenze sei ein Betrag von 60 000 Euro genannt worden.

Dritter Schätzer

Stefan Grillmeier machte deutlich, dass die Stadt das Gebäude vertragsgemäß ablösen müsse. In Fällen, in denen eine Einigung scheitert, müsse als letzter Schritt der Kreisbaumeister beziehungsweise der Gutachterausschuss des Landkreises eingeschaltet werden. Den Stadträten lag daher ein Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, wonach die Zahlung von 60 000 Euro abgelehnt und der besagte dritte Schätzer bestellt wird. "Aber die Naturfreunde haben erneut erklärt, dass sie eine gütliche Einigung bevorzugen", betonte Grillmeier.

Josef Schwägerl (CSU) erklärte, dass im Gutachten des Vereins auch der Wert des Grundstücks eingerechnet sei, welches sich aber im Eigentum der Stadt befinde. Zudem bestehe ein erheblicher Sanierungsbedarf. Schwägerl sprach sich dafür aus, den Gutachterausschuss einzuschalten - und die ermittelte Summe sollte dann gezahlt werden.

Nicht weiter in die Länge ziehen

Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich) war der Meinung, dass die Sache nicht noch weiter in die Länge gezogen werden sollte. Er schlug vor, den Kauf für 60 000 Euro zu tätigen und auf ein weiteres Gutachten zu verzichten. "Wir haben für so viele Dinge so viel Geld ausgegeben, die wohl nicht so sinnvoll waren", bemerkte Hegen.

Gerhard Greim (SPD) wusste aus Gesprächen mit den Naturfreunden, dass diese nicht auf 60 000 Euro beharrten. Sollten durch das dritte Gutachten weitere Kosten entstehen, wäre es sinnvoller, lieber noch einmal mit dem Verein zu verhandeln, so Greim. Bernhard Thoma (Freie Wähler) sah dies genauso und warb für die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung. Auf Nachfrage von Stefan Grillmeier bestätigte Klaus Schüßler (Stadtverwaltung), dass erneut Gutachter-Kosten anfallen würden. Wie später auf Anfrage von Oberpfalz-Medien zu erfahren war, kosteten die bisherigen Gutachten 1500 Euro (Naturfreunde) und 3300 Euro (Stadt).

Angebot über 50 000 Euro

Stefan Grillmeier betonte, dass er zu erneuten Verhandlungen bereit sei: "Aber ich brauche dafür eine konkrete Summe." Bernhard Thoma brachte einen Betrag von 50 000 Euro ins Gespräch. Heribert Hegen regte an, dem im Zuhörer-Bereich anwesenden Zweiten Vorsitzenden der Naturfreunde, Erich Tilp, das Wort zu erteilen. Stefan Grillmeier wollte die Diskussion nicht ausweiten. Aber er schlug vor, einen Beschluss zu fassen, dass er mit einem Angebot über 50 000 Euro auf den Verein zugehen kann.

Josef Schwägerl erklärte sich bereit zu diesem Kompromiss, allerdings müssten auch die Gutachterkosten der Stadt abgedeckt werden. Stefan Grillmeier wollte diesem Einwand nicht folgen: „Beide Seiten hatten ein Gutachten zu bezahlen. Machen wir einen Deckel drauf und versuchen, einen Schlussstrich zu ziehen.“ Auch Zweiter Bürgermeister Johann Brandl sprach sich gegen eine „Pfennigfuchserei“ aus.

Die Mehrheit des Gremiums stimmte letztlich für das angedachte Vorgehen, nur Josef Schwägerl und Christoph Hampel (CSU) votierten dagegen. Entschuldigt hatte sich für die Sitzung Achim Nemsow (CSU).

Ein Thema im Stadtrat war auch der Neubau eines Feuerwehrhauses in Pleußen

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Erich Tilp erklärte im Nachhinein auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, dass er den Mitgliedern empfehlen werde, das Angebot anzunehmen. Ein Entgegenkommen hätte er sich schon deutlich früher gewünscht. "Dann hätten wir uns viel Ärger und Lauferei sparen können." Lobende Worte fand er für Bürgermeister Stefan Grillmeier - dieser sei gleich nach seinem Amtsantritt auf die Naturfreunde zugegangen und man habe konstruktiv und in angenehmer Atmosphäre miteinander gesprochen.

Hintergrund:

Erbpachtvertrag aus dem Jahr 1953

Im Februar 2019 beschlossen die Naturfreunde Mitterteich, den Erbpachtvertrag über das Naturfreundehaus mit der Stadt aus dem Jahr 1953 nicht mehr zu verlängern. Als Gründe wurden der Mangel an ehrenamtlichen Helfern sowie sinkende Übernachtungszahlen und hohe Betriebskosten genannt. Zum 1. April 2019 fiel das Gebäude an die Stadt zurück, die Bezahlung der Ablösesumme ist aber noch nicht erfolgt, weil Uneinigkeit über deren Höhe herrscht. Die Naturfreunde hatten über ihren Landesverband ein Gutachten erstellen lassen, das im Juli 2019 vorlag. Der darin festgestellte Gebäudewert von 94 000 Euro erschien dem Stadtrat als zu hoch, geboten wurden lediglich 25 000 Euro. Nach der Ablehnung dieses Angebots durch den Verein stimmte der Stadtrat im September 2019 für die Beauftragung eines Gegengutachtens. Wegen eines zwischenzeitlichen Gutachter-Wechsels und der laut Stadt hohen Auslastung der Fachbüros fand die Bewertung des Hauses erst im Januar 2020 statt. Wegen dieser Verzögerung war mehrfach Kritik geübt worden.

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