21.09.2020 - 16:20 Uhr
MitterteichOberpfalz

Naturfreunde Mitterteich stimmen dem Kaufangebot zu

Der mehrjährige Zwist um das Naturfreundehaus ist Geschichte: Am Freitag votierten 18 Naturfreunde-Mitglieder für einen Verkauf an die Stadt Mitterteich – für die als Kompromiss gebotenen 50.000 Euro. Es gab lediglich eine Gegenstimme.

19 der noch 46 Mitglieder der Naturfreunde Mitterteich waren zu der außerordentlichen Mitgliederversammlung ins Feuerwehrhaus gekommen.
von Konrad RosnerProfil

Hans Lugert sprach sich als einziger in der außerordentlichen Mitgliederversammlung gegen den Verkauf des Naturfreundehauses zu diesem Preis aus: "Die Stadt hätte sicherlich auch mehr bezahlt“, so Lugert.

Was die Stadt nun mit diesem Haus mache, wisse man noch nicht, so Bürgermeister Stefan Grillmeier. Jedoch sei man guter Dinge, dass das Haus, das in einem relativ guten Zustand sei, weiterhin genützt werden kann. Der Rathauschef hofft auf eine Lösung im Sinne der Familien und Kinder, ohne jedoch Profit daraus schlagen zu wollen. Er wolle nun Gespräche führen, um wieder Leben ins Gebäude zu bringen, ganz im Sinne der Naturfreunde.

Rückblick ohne Zorn

Zu Beginn der Versammlung am Freitagabend im Feuerwehrhaus wollte Zweiter Naturfreunde-Vorsitzender Erich Tilp keinen Blick zurück im Zorn. "Ich bin gegen das Nachtarocken.“ Zu sagen habe er, Tilp, dennoch etwas. Der Sprecher streifte noch einmal die Geschichte des Hauses über den Bau in Eigenregie. Auch viele Anekdoten wusste Tilp zu erzählen und ging auf die verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen im und am Naturfreundehaus ein.

Fairer Preis aus Respekt

„Respekt vor den Leuten, die das alles gebaut und in den folgenden Jahren weiter verbessert haben.“ Es gebühre der Respekt diesen Menschen gegenüber, dass dieses Haus auch zu einem fairen Preis verkauft werde. „Ansonsten wären wir diesen Menschen gegenüber undankbar."

Schon 2017 hätten die Naturfreunde der Stadt mitgeteilt, dass der Erbpachtvertrag ablaufe, doch geschehen sei nichts. Erst Ende März 2019, drei Tage vor Ablauf des Vertrages, habe man einen Termin im Rathaus bekommen. Dieses Treffen sei jedoch sehr unbefriedigend verlaufen. Zum 1. April 2019 sei dann der Pachtvertrag Geschichte gewesen.

Kein Interesse

Tilp ging auch auf die beiden Gutachten ein, eins von den Naturfreunden und eines von der Stadt. Tilp kritisierte den ehemaligen Bürgermeister Roland Grillmeier, der absolut kein Interesse gehabt und eine große Arroganz gegenüber den Naturfreunden gezeigt habe. „Es war die Arroganz der Macht.“

Ganz anders sei sein Nachfolger, Stefan Grillmeier. Dessen erste Aufgabe als Bürgermeister sei es gewesen, dieses Problem zu lösen. Die Gespräche seien in einer sehr angenehmen Atmosphäre verlaufen. Überhaupt sei der Ton im Rathaus jetzt viel besser als vorher. Herausgekommen sei ein guter Kompromiss für beide Seiten, eine Kaufsumme von 50.000 Euro.

Gutachterkosten in den Wind geschossen

"Dies hätten wir schon vor eineinhalb Jahren haben können. Uns wäre viel Streit und Ärger erspart geblieben“, so Tilp. Die Gutachterkosten von 5000 Euro seien in den Wind geschossen. Deshalb bleibe ein bitterer Nachgeschmack. Diese 50.000 Euro werden die Naturfreunde satzungsgemäß verwenden – für den Natur- und Umweltschutz und für die Völkerverständigung. Das Geld solle sinnvoll für die verschiedensten Projekte und Aktionen ausgegeben werden.

Es war die Arroganz der Macht.

Zweiter Vorsitzender Erich Tilp über den früheren Bürgermeister Roland Grillmeier

Zweiter Vorsitzender Erich Tilp über den früheren Bürgermeister Roland Grillmeier

Bürgermeister Stefan Grillmeier dankte den Naturfreunden für dieses klare Votum. Er betonte, dass er schon als Jugendbeauftragter der Stadt stets im regen Austausch mit den Naturfreunden stand. Das Ferienprogramm sei stets bei den Naturfreunden gestartet worden. Für ihn als Bürgermeister sei eine für beide Seiten annehmbare Lösung ein großes Anliegen gewesen.

Anerkennung für Erich Tilp

Die Stadt wolle aus dieser Immobilie kein Geschäft machen. „Uns ist daran gelegen, dass dieses Haus erhalten bleibt.“ Grillmeier sprach Erich Tilp Respekt und Anerkennung aus: Er habe in dieser schwierigen Zeit den Verein geleitet und auch dieses Thema unbedingt abschließen wollen, ehe im kommenden Jahr ein neuer Vorsitzender gewählt werde.

Naturfreunde-Landesgeschäftsführer Peter Pölloth verwies darauf, dass er den gesamten Prozess mit begleitet habe. Auch der Landesverband freue sich, dass nun dieser gute Kompromiss gefunden worden sei. Pöllath abschließend: „Ihr habt einen sehr guten Bürgermeister.“

Im Juli war das Naturfreundehaus zuletzt Thema im Stadtrat

Mitterteich
Klares Votum bei der Abstimmung - nur ein Mitglied stimmte gegen den Verkauf.
Das Naturfreundehaus bot auch günstige Übernachtungsmöglichkeiten, diese wurden von Familien und Sportlern gerne genutzt.
Hintergrund:

Kompromiss im Stadtrat gefunden

Im Februar 2019 beschlossen die Naturfreunde Mitterteich, den Erbpachtvertrag über das Naturfreundehaus mit der Stadt aus dem Jahr 1953 nicht mehr zu verlängern. Als Gründe wurden der Mangel an ehrenamtlichen Helfern sowie sinkende Übernachtungszahlen und hohe Betriebskosten genannt. Zum 1. April 2019 fiel das Gebäude an die Stadt zurück, die Bezahlung der Ablösesumme blieb aber aus, weil Uneinigkeit über deren Höhe herrschte. Die Naturfreunde ließen über ihren Landesverband ein Gutachten erstellen lassen, das im Juli 2019 vorlag. Der darin festgestellte Gebäudewert von 94 000 Euro erschien dem Stadtrat als zu hoch, geboten wurden lediglich 25 000 Euro. Nach der Ablehnung dieses Angebots durch den Verein stimmte der Stadtrat im September 2019 für die Beauftragung eines Gegengutachtens. Wegen eines zwischenzeitlichen Gutachter-Wechsels und der laut Stadt hohen Auslastung der Fachbüros fand die Bewertung des Hauses erst im Januar 2020 statt. Wegen dieser Verzögerung war mehrfach Kritik geübt worden. Als Kompromiss hatte die Stadt nach einem mehrheitlichen Beschluss im Stadtrat im Juli dieses Jahres 50.000 Euro als Kaufpreis vorgeschlagen.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.