28.06.2021 - 11:26 Uhr
MitterteichOberpfalz

Motor-Nützel baut Mitterteich zum Automobil-Zentrum aus

Neue Händlerverträge in Tirschenreuth, eine Millioneninvestition am Standort Mitterteich und noch die eine oder andere Neuigkeit: Die Nachrichten von Motor-Nützel klingen gut – bis auf eine.

Zu einem “Automobil-Zentrum mit großer Strahlkraft” baut Motor-Nützel den Standort Mitterteich aus. Für rund 1,7 Millionen Euro wird ein neuer Showroom für die Marken Seat und Cupra geschaffen. Neueröffnung soll im zweiten Quartal 2023 sein. Dann auch wird Tirschenreuth in Mitterteich integriert.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Als das Autohaus "Enslein&Schönberger" vor drei Jahren in die Motor-Nützel GmbH mit Sitz in Bayreuth “einheiratet”, werden die Standorte in Mitterteich, Waldsassen, Erbendorf, Tirschenreuth und Wiesau nicht nur zum Sprungbrett in die nördliche Oberpfalz. Quasi als Mitgift bringt die Tirschenreuther Niederlassung einen Service-Vertrag von Seat mit. Den ersten in der gesamten Gruppe.

Branchenkenner wissen: Serviceleister ist gut, Händler ist besser. Und: Seat hat die ausgesprochen sportlichen und höherwertigen Cupra-Modelle zu einer eigenen Marke aufgewertet. Also strebt Motor-Nützel danach, beides unter Dach und Fach zu bringen. Erfolgreich. So feiert also an diesem Wochenende der Standort Tirschenreuth den Verkaufsstart beider Marken, während andere Niederlassungen und selbst der Firmenhauptsitz in Bayreuth erst im Oktober an der Reihe sind.

Aufgabe von Tirschenreuth

Wachstum ist für Jochen Sonntag, seit 2005 bereits alleiniger Geschäftsführer der Motor-Nützel GmbH, unabdingbar, will man im hart umkämpften Wettbewerb bestehen. Und: Sonntag denkt in regionalen Zentren, in denen möglichst viele Konzernmarken zusammengefasst sind. “Das wollen auch die Hersteller so”, sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Also investiert Motor-Nützel in einen neuen Ausstellungsraum für Seat und Cupra. Der repräsentative Bau entsteht aber nicht in Tirschenreuth, sondern in Mitterteich, wo ab Herbst zunächst nur die Serviceverträge für beide Marken anlaufen. “Die Flächen dort sind ausreichend groß”, weiß Jochen Sonntag und nennt auf Nachfrage auch gleich die Gründe, warum der Standort Tirschenreuth bei den Planungen nicht nur außen vor geblieben ist, sondern auch aufgegeben wird – allerdings erst in zwei Jahren. “Wir hätten viel, viel Geld in eine Immobilie stecken müssen, die uns nicht gehört.” Seit der Insolvenz der einstigen "Autowelt König" vor gut acht Jahren ist nämlich eine Bank Eigentümerin des Areals. “Den Pachtvertrag lassen wir fristgerecht auslaufen”, so der Geschäftsführer. Wenn dann der neue Showroom voraussichtlich im zweiten Quartal 2023 eröffnet, werden mit den Seat/Cupra-Handelsverträgen auch die rund 20 Mitarbeiter aus Tirschenreuth nach Mitterteich umziehen. “Wir machen jedem ein Angebot.”

"Sehr hohe Strahlkraft"

Die Bündelung der Werkstatt-Kapazitäten dort machen für Jochen Sonntag aber auch mit Blick auf die steigenden E-Fahrzeug-Verkäufe und die Vertretung aller angebotenen Konzernmarken mit Service-Verträgen Sinn. "Mit all den Maßnahmen errichten wir ein weiteres Automobil-Zentrum mit sehr hoher Strahlkraft an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt", verweist Sonntag auf die unmittelbare Nähe von Autobahn A 93 und Bundesstraße 299.

Und was wird aus den anderen Standorten in der Oberpfalz mit ihren rund 150 Mitarbeitern? "Da gibt es keine weiteren Überlegungen", versichert der Geschäftsführer. Waldsassen ist für Motor-Nützel allein schon als Anlaufstelle für die Kunden aus dem benachbarten Tschechien interessant, Wiesau als Karosserie- und Lackierzentrum vonnöten und Erbendorf wird als Brückenkopf zum Hauptsitz in Bayreuth verstanden.

Das sieht auch Le Bao Phy Chau so. Der gebürtige Bayreuther mit vietnamesischen Wurzeln verantwortet als Betriebsleiter die Oberpfälzer Standorte. Der 32-Jährige ist ein "Eigengewächs", hat schon als Schüler bei Motor-Nützel gejobbt, nach dem dualen Studium als Assistent von Geschäftsführer Jochen Sonntag bei der Abwicklung der Verträge mit der insolventen Autowelt König Erfahrungen gesammelt und zuletzt den zentralen Einkauf aller 13 Motor-Nützel-Standorte verantwortet.

Motor-Nützel erwarb 2018 die Mehrheitsbeteiligung am Autohaus Enslein-Schönberger

Mitterteich
Premiere bei Motor-Nützel: Mit einem großen Fest startet dieses Wochenende die Niederlassung Tirschenreuth den Start des Händlervertrages für Seat und Cupra. Allerdings: In zwei Jahren müssen die Kreisstädter umziehen. Dann eröffnet Mitterteich einen Showroom.
Geschäftsführer Jochen Sonntag (rechts) denkt in regionalen Zentren. Zusammen mit Betriebsleiter Phy Chau informierte er in einer Betriebsversammlung die Beschäftigten von den neuen Plänen.
Hintergrund:

Motor-Nützel: Einer der größten Autohändler Nordbayerns

  • 1931 als Motorrad-Werkstatt gegründet, hat sich Motor-Nützel in den vergangenen 90 Jahren vom kleinen Familienbetrieb zu einem der größten Autohändler Nordbayerns entwickelt. VW nebst Nutzfahrzeugen, Audi, Skoda und jetzt auch Seat sind die Kernmarken. Selbst Porsche gehörte in den 90er Jahren mit ins Portfolio.
  • Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 1100 Mitarbeiter an 13 Standorten, allein 150 an den 5 Niederlassungen im Landkreis Tirschenreuth.
  • Nach einer pandemiebedingten Delle im vergangenen Geschäftsjahr will der Autohändler heuer umsatzmäßig die 300 Millionen Euro knacken. Über 165 Millionen Euro stehen schon in den ersten sieben Monaten in den Büchern.
  • 1,7 Millionen Euro investiert Motor-Nützel in einen neuen Showroom für Seat und Cupra am Standort Mitterteich. Dort wird auch – wie an 10 weiteren Filialen – Photovoltaik installiert. Gesamtsumme: 1,4 Millionen Euro.
  • Gruppenweit wird auch in die E-Mobilität investiert und für erneut 870 000 Euro die Infrastruktur erweitert. An den Niederlassungen Mitterteich, Waldsassen und Tirschenreuth stehen dann 14 Lademöglichkeiten zur Verfügung.

 

 

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