30.10.2020 - 11:10 Uhr
MitterteichOberpfalz

Klara Bäcker ist seit 45 Jahren Kinderpflegerin in Mitterteich: "Der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

45 Berufsjahre hat Klara Bäcker schon im städtischen Kinderhaus in Mitterteich verbracht. Sie hat in dieser langen Zeit viel erlebt und die Arbeit macht ihr immer noch Spaß - trotz der Herausforderungen in Corona-Zeiten.

Im Kreis der Kinder ihrer „Löwengruppe“ mit Mädchen und Buben im Alter zwischen drei und sechs Jahren fühlt sich Klara Bäcker am wohlsten. Daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert, wegen der das Personal mit Mund-Nase-Schutz arbeiten muss.
von Josef RosnerProfil

Im Alter von 17 Jahren begann Klara Bäcker im November 1975 ihren Dienst bei der Stadt Mitterteich. Heute, exakt 45 Jahre später, ist sie noch immer im Kinderhaus an der Waldsassener Straße beschäftigt, das seit einigen Jahren den Beinamen "Die Kleinen Hankerler" trägt. "Ich habe einst als Kinderpflegerin begonnen und bin es heute noch", sagt sie voller Stolz bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Viele Generationen von Kindern aus Mitterteich und Umgebung hat die inzwischen 62-Jährige auf einem wichtigen Lebensabschnitt begleitet. Und die gebürtige Großbüchlbergerin denkt noch längst nicht ans Aufhören, die Arbeit macht ihr nach wie vor viel Freude. "So lange ich gesund bleibe, mache ich weiter", versichert Klara Bäcker.

Eingestellt wurde sie vom damaligen Bürgermeister Otto Kilian, ihre erste Chefin im Kinderhaus war Schwester Justilla von den Armen Schulschwestern. Noch heute pflegt Klara Bäcker regelmäßigen Kontakt zu Schwester Justilla, die heute in einem Schwestern-Altenheim in Weiden lebt.

Erziehung, aber auch Spaß

Vieles hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte im Kindergarten verändert, wie Klara Bäcker berichtet. Früher hätten Kinder die Einrichtung meist zwei Jahre lang besucht. "Heute kommen die Kinder häufig schon ab dem ersten Lebensjahr in die Krippe." Heute wirkten die Kinder auch viel offener und freier als noch vor Jahrzehnten. "Früher war der Kindergarten eher eine Aufbewahranstalt, heute stehen Bildung und Erziehung im Vordergrund. Unsere Arbeit ist in all den Jahren vielseitiger und weitaus anspruchsvoller geworden", erklärt Bäcker. Ganz normal sei inzwischen, dass die Kinder mitbestimmen dürfen, was unternommen wird. Es werde viel stärker berücksichtigt, was ihnen Spaß macht.

Eltern mit anderer Rolle

Auch die Rolle der Eltern habe sich geändert. "Die Eltern bringen sich mit ein, da ist schon ein großer Unterschied zu einst erkennbar." Noch eine Veränderung sei auffallend: "Früher haben fast ausschließlich die Mütter ihre Kinder zu uns gebracht, heute machen das auch Väter." Selbstverständlich im Kindergarten seien inzwischen auch Integration und Inklusion. "Untereinander haben die Kinder da keinerlei Probleme miteinander."

Der war ein temperamentvoller und aufgeweckter Junge, eben ein Dorfkind.

Klara Bäcker über den aus Großensees stammenden heutigen Landrat Roland Grillmeier, den sie als Kind betreut hat

Als Klara Bäcker 1975 als Kinderpflegerin begann, zählte ein gewisser Roland Grillmeier aus Großensees zu den ersten Kindern, die sie mit zu betreuen hatte. "Der war ein temperamentvoller und aufgeweckter Junge, eben ein Dorfkind", sagt sie über den heutigen Landrat und betont, dass das positiv gemeint sei. "Dorfkinder waren schon damals und sind auch oft heute noch selbstständiger als gleichaltrige Kinder aus der Stadt", meint Bäcker. "Der Roland war damals mein Kindergartenkind, wurde später mein Kollege und dann mein Chef", blickt sie anerkennend auf dessen Werdegang zurück. Nicht als Kind erlebt hat sie dagegen den jetzigen Bürgermeister Stefan Grillmeier. "Nein, der war nicht bei uns."

Stark verändert hat sich die Arbeit natürlich im Zuge der Corona-Pandemie. Das städtische Kinderhaus war frühzeitig betroffen, am 12. März musste die Einrichtung wegen einer infizierten Kollegin geschlossen werden. Dann folgten die Ausgangssperre und bayernweite Maßnahmen, bevor der Betrieb am 20. April wieder startete. "Wir lüften regelmäßig die Räume. Täglich sind wir mit den Kindern draußen im Freien, wir gehen in den Garten, spazieren und erfreuen uns an der Natur", berichtet Klara Bäcker.

Bereits am 12. März wirkte sich die Corona-Pandemie auf das Kinderhaus aus

Mitterteich

Die Kinder sind von der Maskenpflicht ausgenommen, das 26-köpfige Kinderhaus-Team muss allerdings Mund-Nase-Bedeckungen tragen. Die Kinder sind auch auf kleinere Gruppen verteilt, deren Zusammensetzung nahezu unverändert bleibt. Eingeführt wurde auch eine Dokumentationspflicht: "Es wird alles genau festgehalten, wer die Kinder bringt", erklärt Bäcker.

Dennoch, trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten, schwärmt sie von ihrem Beruf. "Die Arbeit mit Kindern ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Ja, es ist mein Traumberuf", betont Klara Bäcker. "Wenn ich heute die Wahl hätte, würde ich wieder Kinderpflegerin werden wollen." Im Mitterteicher Kinderhaus gefalle es ihr so wie am ersten Tag. Was sie sehr schätze, seien die Kolleginnen und Kollege Markus Zeitler. "Mit einigen arbeite ich schon mehr als 25 Jahre zusammen, wir haben eine gute Mischung aus Älteren und Jüngeren. Wir ergänzen uns gegenseitig, man lernt nie aus", schildert sie das Miteinander. Was sie sich für die Zukunft wünscht? "Dass mehr Männer diesen Beruf ergreifen und sich dafür interessieren." Als Beispiel verweist sie auf Markus Zeitler, der seit vier Jahren zum Team gehört.

Kinderhausleiterin Susanne Fellner ist voll des Lobes für Klara Bäcker und deren Engagement: "Was mich am meisten beeindruckt: Sie weiß einfach alles, sie kann sich unendlich viel merken." Klara Bäcker sei dermaßen voller Elan, dass man sie manchmal bremsen müsse, so Fellner. "Sie ist einfach eine tolle Kollegin, ist für jeden Spaß zu haben und hat immer tolle Ideen."

Leiterin des Kinderhauses ist seit Anfang dieses Jahres Susanne Fellner

Mitterteich
Sie verstehen sich gut: Klara Bäcker (links) und Kinderhausleiterin Susanne Fellner.
Dieses Foto aus dem Archiv des Kinderhauses zeigt eine Gruppe im Kindergartenjahr 1976/1977. Hinten rechts zu sehen ist Klara Bäcker, links daneben die spätere Kinderhausleiterin Isabella Glaßl.
Dieses Foto aus dem Archiv des Kinderhauses zeigt eine Gruppe im Kindergartenjahr 1979/1980. Hinten rechts zu sehen ist Klara Bäcker, links daneben die spätere Kinderhausleiterin Isabella Glaßl.
Im Blickpunkt:

Fünf Bürgermeister, sechs Kinderhausleiterinnen

  • Klara Bäcker trat am 1. November 1975 ihren Dienst im Kinderhaus der Stadt Mitterteich an.
  • Fünf Bürgermeister hatte Klara Bäcker bislang als Chefs. Eingestellt hat sie einst Otto Kilian, danach folgten Karl Haberkorn, Erich Dickert, Roland Grillmeier und Stefan Grillmeier. "Ich habe alle von ihrer menschlichen Seite kennengelernt", sagt Klara Bäcker. Mit jedem sei sie gut ausgekommen.
  • Mit sechs Kindergartenleiterinnen hat sie bisher zusammengearbeitet, die erste war Schwester Justilla von den Armen Schulschwestern. Mit allen habe sie sich hervorragend verstanden, wie sie betont.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.