29.01.2021 - 13:15 Uhr
MitterteichOberpfalz

Kein Pfiff, keine Tänze, keine Gaudi: Narren in Mitterteich voller Wehmut und Hoffnung

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Zum 43. Mal hätte heuer der Mitterteicher Seniorenfasching über die Bühne gehen sollen. Doch die Mehrzweckhalle muss coronabedingt leer bleiben. Die Narren schauen mit Wehmut zurück auf bessere Zeiten, lassen sich aber nicht entmutigen.

Sein Pfeiferl bleibt heuer stumm: Willi Schneider (hier auf dem Bild aus dem Vorjahr links, daneben Ehefrau Irmgard) nimmt traditionell die offizielle Eröffnung des Mitterteicher Seniorenfaschings vor.
von Josef RosnerProfil

Mehrere Hundert Besucher, ein buntes Programm mit mehr als 150 Mitwirkenden und jede Menge Gaudi – so lässt sich der Mitterteicher Seniorenfasching in Kurzform beschreiben. Nichts davon wird es wegen der Corona-Pandemie heuer geben. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Mitterteicher Gaudiwurm, den Stadtball und viele weitere beliebte Veranstaltungen. Zwar ist schon seit langem klar, dass die Saison ins Wasser fällt, doch gerade in der Zeit, in der sonst die Faschings-Höhepunkte anstehen, macht sich nochmals Enttäuschung bei den eingefleischten Narren breit. Gleichzeitig ist die Hoffnung groß, dass in der nächsten Saison alles wieder den gewohnten Lauf nehmen kann.

Seit 1968 im Fasching aktiv

Als „Mister Fasching“ gilt in Mitterteich Willi Schneider. Der 78-Jährige ist nach eigenen Angaben seit 1968 im Fasching vor Ort aktiv. Damals gründete er die "Feierwehrkapelln", die vielfach für Aufsehen sorgte. Schneider ist noch immer Vorsitzender der Faschingsvereinigung, die Jahr für Jahr das Programm für den Seniorenfasching zusammenstellt. "Mögliche Nachfolger sind rar, aber ich mache es immer noch gerne", sagt Schneider, der dabei wegen seiner Schwierigkeiten beim Gehen stets auf die Unterstützung durch seine Ehefrau Irmgard zählen kann.

Der Seniorenfasching ist für Willi Schneider einer der Höhepunkte im Kalender. Normalerweise hätte er wie in all den Jahren davor auch die 43. Auflage offiziell mit seinem Pfeiferl eröffnet, doch darauf muss er verzichten. Genauso wie auf andere geschätzte Traditionen, darunter der Gaudiwurm und das Geldbeutelwaschen. Wenn er an all dies denke, stimme es ihn schon wehmütig. Er könne nur hoffen, dass es 2022 wieder rund gehen kann und Traditionen nicht verloren gehen.

Schwelgen in Erinnerungen

Gerne schwelgt Schneider in Erinnerungen an die vielen Veranstaltungen des Mitterteicher Faschings, über die er seit Jahrzehnten genau Protokoll führt. In seinem privaten Archiv hat er unzählige Zeitungsartikel gesammelt. So kann er auch die Höhepunkte der Seniorennachmittage in der Mehrzweckhalle genau nachverfolgen - etwa flotte Tanzdarbietungen, lustige Sketche, oder Späße mit Bürgermeistern.

Um die Faschingsstimmung daheim noch etwas zu verstärken, hat Irmgard Schneider die Wohnung entsprechend dekoriert. "Das muss schon sein", betont Willi Schneider. Gefreut habe er sich auch, dass Bürgermeister Stefan Grillmeier ihn zum Faschingsauftakt am 11. November besucht und eine Kiste Krapfen vorbeigebracht habe.

TuS-Präsident Anton Bauernfeind berichtet, dass die Garden des Vereins im Sommer und im Herbst im Freien und im Saal des TuS-Heims fleißig trainiert hätten. "Schade, dass die Kinder und Jugendlichen das Erlernte nun nicht einer breiten Öffentlichkeit zeigen können", bedauert Bauernfeind. Als Beraterin bringt sich nach wie vor die 77-jährige Herma Laumer ein, ebenfalls ein Urgestein des Mitterteicher Faschings. Unvergessen sind ihre langjährigen Auftritte als "Fosnatnigl" oder als "Mitterteicher Stodratschn" (mit Erika Waidhas), wobei sie das Geschehen in der Stadt humorvoll auf die Schippe nahm.

Online-Training

„Es ist wirklich ungewohnt und sehr schade, dass es heuer keinen Seniorenfasching und keinen Mitterteicher Gaudiwurm gibt“, betont Gaudiwurm-Vorsitzender Michael Zintl. Auch die Garden seines Vereins hätten sich nach monatelangem Training gerne präsentiert. Die Tanzmariechen und das Männerballett haben laut Zintl sogar ein Online-Training absolviert, die Tanzmariechen hätten zudem ein Privattraining bekommen. Das alles sei aber seit einer Weile ausgesetzt.

Für den Faschingssamstag, 13. Februar, plane der Gaudiwurm ein Videoprojekt zum Lied "Die längste Polonaise der Welt" von Michl Müller. Dazu werde es demnächst noch mehr Details geben, so Zintl. Man habe zwischenzeitlich auch überlegt, wie ein Straßenfasching gestaltet werden könnte, aber durch den anhaltenden Lockdown sei in diese Richtung nichts möglich.

„Unser Bürgermeister Stefan Grillmeier hat noch ein Jahr Schonfrist, er muss seine Faschingstauglichkeit erst noch unter Beweis stellen.“

Michael Zintl, Vorsitzender des Mitterteicher Gaudiwurms

"Die Stimmung im Verein ist weiter gut. Wir Faschingsvereine tauschen uns in den sozialen Medien aus und halten uns bei Laune", erklärt Zintl und äußert ebenfalls die Hoffnung, dass bis zur nächsten Saison wieder Normalität einkehrt. Dann werde sich auch das neue Stadtoberhaupt beweisen müssen: "Unser Bürgermeister Stefan Grillmeier hat noch ein Jahr Schonfrist, er muss seine Faschingstauglichkeit erst noch unter Beweis stellen."

So verlief der Mitterteicher Seniorenfasching im vergangenen Jahr

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Rückblick auf den Mitterteicher Gaudiwurm 2020

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