29.11.2020 - 14:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Kampf gegen gefährliche Raupe: Stadt Mitterteich setzt auf Bruthöhlen-Gürtel

80 Bruthöhlen für Meisen und Fledermäuse lässt die Stadt Mitterteich im Laufe der Wintermonate aufhängen. Hinter der Maßnahme steckt der Kampf gegen den berüchtigten Eichenprozessionsspinner.

Im Städtischen Bauhof wurden jetzt die achtzig Bruthöhlen für Meisen und Fledermäuse übergeben, die demnächst in einem Gürtel rund um Mitterteich aufgehängt werden. Ziel ist es, damit die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinner zu verhindern. Bei der Übergabe mit dabei waren (von links) Stadtgärtner Willi Kilian, Bürgermeister Stefan Grillmeier und Fachagrarwirt Manfred Härtl, der federführend für die fachgerechte Ausführung zuständig ist.
von Josef RosnerProfil

Immer mehr auf dem Vormarsch in der Region ist der Eichenprozessionsspinner, dessen Gift bei Menschen zu schweren allergischen Reaktionen führen kann. Um gegen die Ausbreitung vorzugehen, lässt die Stadt Mitterteich im Laufe des Winters 80 Bruthöhlen für Meisen und Fledermäuse aufhängen - denn diese Tiere fressen die Larven des Eichenprozessionsspinners. Rund um Mitterteich soll damit eine Art Schutzgürtel entstehen.

Giftige Brennhaare

Unterstützung erhält das Team des Bauhofs bei dem Vorhaben von Manfred Härtl, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Härtl betonte bei der offiziellen Übergabe der Bruthöhlen im städtischen Bauhof, dass der Eichenprozessionsspinner dringend bekämpft werden müsse.

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Im Zuge der Klimaerwärmung kämen immer mehr Menschen mit dessen Raupen in Kontakt. Das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift könne Haut-, Augen- und Atemwegsreizungen hervorrufen. In schweren Fällen könne es zu allergischen Schocks, Atemnot oder sogar zum Verlust des Augenlichts kommen. Härtl warnte davor, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen.

Schwer aufzuspüren

Eine einzige Raupe könne bis zu 600 000 Brennhaare haben, die mit bloßem Auge kaum erkennbar seien, so Härtl weiter. Der Eichenprozessionsspinner und seine Nester seien nur schwer aufzuspüren, als Anzeichen gebe es oft lediglich den Blattfraß. Aus einer geringen Zahl an Nestern mit wenigen Raupen an regengeschützten Baumteilen könne sich schnell eine große Population entwickeln. Meterlange Trauben könnten sich mitunter bilden. Die Fraßschädigung an Bäumen sieht Härtl eher als zweitrangig an. Denn Eichen - diese würden bevorzugt befallen - hielten ein mehrmaliges Kahlfressen aus.

Zur Bekämpfung der Tierchen müsse man laut Härtl eine umfassende Schutzmontur mit Ganzkörperoverall und einer Maske der Kategorie FFP3 tragen. Dies könne sehr unangenehm werden, da die Bekämpfung zumeist nur in den Sommermonaten möglich sei.

Natürliche Feinde

Das Aufhängen von Nistkästen sei sinnvoll, da etwa Meisen die Raupen bis zum dritten Verpuppungsstadium fressen können. Bis dahin sind noch keine Brennhaare vorhanden. Fledermäuse wiederum fingen die Falter beim Ausschwärmen ab. Weitere natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners sind Wiedehopf und Kuckuck, die die Raupen auch in späteren Stadien noch aufnehmen können.

Dank zollten Bürgermeister Stefan Grillmeier, Stadtgärtner Willi Kilian und Manfred Härtl bei der Vorstellung des Vorhabens der Unteren Naturschutzbehörde, die die Bruthöhlen kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Möglich wurde dies mit Hilfe eines Bundesprogramms. Auch für die fachliche Unterstützung gingen Dankesworte an Nicole Bergler von der Unteren Naturschutzbehörde.

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