19.09.2021 - 08:13 Uhr
MitterteichOberpfalz

Gutachten zeigt Stärken und Schwächen beim Einzelhandel in Mitterteich auf

Nach wie vor läuft das Genehmigungsverfahren für den Neubau des Aldi-Marktes und einer Drogerie in Mitterteich. Dazu hat die Stadt ein Einzelhandelsgutachten aktualisieren lassen. Es zeigt Stärken auf und stellt heraus, wo es Lücken gibt.

Zwei Drittel der Einzelhandelsbetriebe in Mitterteich befinden sich in der Innenstadt, vor allem am Oberen Markt (Bild) und am Unteren Markt.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Im Industriegebiet Birkigt sollen bekanntlich ein neuer Aldi-Markt und eine Drogerie entstehen, direkt gegenüber dem bestehenden Gelände des Discounters. Um Baureife zu schaffen, muss die Stadt eine Reihe von Kriterien erfüllen, ansonsten gibt es keine Genehmigung von der Regierung der Oberpfalz. Auf Anraten des beauftragten Städteplaners Bernhard Bartsch hat die Stadt dazu ein Einzelhandelsgutachten aus dem Jahr 2014 überarbeiten lassen. Die Ergebnisse waren nun Thema im Bauausschuss.

Bürgermeister Stefan Grillmeier hieß in der Sitzung Timm Jehne und Ute Menrath von der BBE Handelsberatung (München) willkommen. Dieses Unternehmen hat die Aktualisierung des Einzelhandelsgutachtens mit Standortbewertung vorgenommen. Wie Menrath erläuterte, würden für die Erstellung eines solchen Konzeptes die speziellen Gegebenheiten vor Ort und generelle Entwicklungen (Beispiel Online-Handel) berücksichtigt.

Nachfrage zurückgegangen

Ute Menrath verwies auf umliegende Mittel- und Oberzentren (Tirschenreuth, Waldsassen, Marktredwitz) und machte deutlich, dass im Nahbereich die Gemeinden Leonberg und Pechbrunn zum Haupteinzugsgebiet der Stadt Mitterteich gehörten. Eine wesentliche Veränderung im Vergleich zu 2014 sei, dass die Stadt Mitterteich zusammen mit dem Markt Wiesau inzwischen als Mittelzentrum eingestuft sei. Im direkten Umkreis Mitterteichs gebe es 9000 Einwohner, im weiteren Umkreis 20 000. Bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft sei für Mitterteich im regionalen Vergleich ein durchschnittlicher Wert ermittelt worden. Das jährliche Nachfragepotenzial inklusive der Gemeinden Leonberg und Pechbrunn liege bei knapp 53 Millionen Euro. Seit 2014 sei das Marktpotenzial im Zusammenhang mit dem Bevölkerungsrückgang um 1,8 Prozent gesunken. Dieser absteigende Trend dürfte auch weiter anhalten, so Menrath.

10 Betriebe weniger

Auf der Angebotsseite seien 66 Anbieter mit einer Gesamtverkaufsfläche von fast 16 000 Quadratmetern und einem jährlichen Gesamtumsatz von knapp 52 Millionen Euro ermittelt worden. Zwei Drittel der Anbieter fallen in die Kategorie von unter 100 Quadratmetern Verkaufsfläche, 13 Betriebe haben mehr als 250 Quadratmeter zur Verfügung. Seit 2014 wurden laut Menrath 10 Einzelhandelsbetriebe geschlossen, wobei die meisten außerhalb der Konzentrationsbereiche Innenstadt und Industriegebiet lagen. Weil sich einige Firmen vergrößert hätten, sei die Gesamtverkaufsfläche sogar leicht gestiegen. Auch beim Umsatz habe es eine Zunahme gegeben.

Ute Menrath ging weiter auf die sogenannten Kaufkraftbindungsquoten ein - diese ergeben sich durch die Gegenüberstellung von Nachfragepotenzial und Umsatz. In den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel, Bekleidung sowie Bau- und Gartenbedarf würden Werte von deutlich über 100 Prozent erreicht, was Kaufkraftzuwächse von außerhalb bedeute. Daran sei auch die regionale Versorgungsfunktion Mitterteichs zu erkennen. Ganz anders dagegen die Situation im Bereich Gesundheit und Körperpflege, also bei Drogeriemarkt-Produkten, wo der Wert bei nur knapp über 60 Prozent liege. "Daraus wird ersichtlich, wo noch etwas entwickelt werden kann", so Menrath.

Der zentrale Versorgungsbereich sei nach wie vor die Innenstadt, wobei sich die Betriebe vor allem entlang des Oberen und Unteren Marktplatzes erstrecken. Eine Ergänzungsfunktion übernimmt laut Menrath der gut angenommene Nahversorgungsstandort Wiesauer Straße. Als dritter wichtiger Einzelhandelsstandort habe sich das Industriegebiet Birkigt etabliert, das sich unter anderem durch die gute Erreichbarkeit auszeichne.

Leitlinien für die Zukunft

Abschließend nannte Ute Menrath mehrere Leitlinien, die sich aus der Analyse ergeben hätten. Demnach sollte die Innenstadt bei der künftigen Entwicklung des Einzelhandels Priorität haben. Mit dem Industriegebiet bestehe aber eine wechselseitige Beziehung, weshalb die gleichzeitige Entwicklung dort beibehalten werden sollte, auch weil es bessere Möglichkeiten für großflächige Betriebe gebe. Ergänzende Standorte wie der an der Wiesauer Straße sollten auch künftig zu einer flächendeckenden Versorgung beitragen können. Sogenannte zentrumsrelevante Geschäfte mit bis zu 50 Quadratmetern Verkaufsfläche wie Bäckereifilialen oder Apotheken sollen sich weiter auch im Wohnumfeld ansiedeln können. Im Außenbereich sollten nahversorgungs- und zentrumsrelevante Sortimente begrenzt werden.

Bürgermeister Stefan Grillmeier erinnerte daran, dass es vor Jahren noch einen vierten Discounter sowie einen Drogeriemarkt in der Stadt gab. Dass es Kaufkraftabflüsse vor allem im Bereich Drogeriemarktware gebe, hätten schon frühere Studien gezeigt. Dies werde nun erneut bestätigt. "Hier müssen wir entgegenwirken", betonte Grillmeier und dankte für die Ausarbeitung des Gutachtens, das im Genehmigungsverfahren unterstützend eingesetzt werden soll.

Auch aus den Fraktionen gab es durchweg positive Reaktionen auf das Konzept. Bernhard Thoma (Freie Wähler) sah darin eine Bestätigung, dass durch die Entwicklung im Industriegebiet niemandem an anderer Stelle etwas weggenommen werde. Josef Schwägerl (CSU) befürchtete, dass die Zahl kleinerer Geschäfte eher durch andere Faktoren wie den Online-Handel stetig zurückgehen werde. Trotz der Leitlinien gebe es kein Patentrezept für die Sicherung des Einzelhandels im Innenstadtbereich.

Altersstruktur stärker beachten

Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft) verwies darauf, dass bei einem Teil der kleineren, inhabergeführten Geschäfte die Verantwortlichen schon im fortgeschrittenen Alter seien. Aus Mangel an Nachfolgern werde der eine oder andere Laden schließen müssen. Speziell zur Altersstruktur wünsche er sich daher eine genauere Untersuchung. Bürgermeister Grillmeier bemerkte hierzu, dass die Industrie- und Handelskammer (IHK) beim Thema Betriebsnachfolge Bescheid wisse und auch aktiv Unterstützung anbiete. Angestoßen habe dies der Gewerbeförderverein. "Wir werden den Leuten unter die Arme greifen", versicherte Grillmeier, der auch Vorsitzender des Gewerbefördervereins ist.

Am Ende fasste das Gremium den einstimmigen Beschluss, dass dem Stadtrat empfohlen wird, das aktualisierte Einzelhandelskonzept als städtebauliches Entwicklungskonzept künftig in der Bauleitplanung zu berücksichtigen.

Im Stadtrat war das Genehmigungsverfahren zuletzt im Juli ein Thema

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"Wir werden den Leuten unter die Arme greifen."

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