25.11.2020 - 19:00 Uhr
Michldorf bei LeuchtenbergOberpfalz

Nikolaus geht im Landkreis Neustadt auf Sendung

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Nikolaus fällt aus? Nicht unbedingt. Vorausgesetzt der Bischof trägt Maske über dem Bart und bleibt draußen vor der Tür. Oder er kommt über Umwege trotzdem in jedes Haus: Die Katholische Landjugend Irchenrieth/Michldorf macht's möglich.

Uuuuuuund: Action! Bischof Nikolaus und Knecht Ruprecht kommen in Michldorf und Irchenrieth im Coronajahr 2020 auf dem Fernseh-, Handy- oder Computerbildschirm zu den Kindern.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

"Es ist alles, wirklich alles anders in diesem Jahr", sagt Alfons Forster. Der Pfarrer von Michldorf und Irchenrieth lamentiert trotzdem nicht. Vielmehr sagt er klar: In die Zwangspause soll die Corona-Pandemie den Nikolaus nicht zwingen. Denn etwas ausfallen zu lassen, sei immer nur "die faule Option", hört die Gemeinde den Pfarrer oft sagen. Aber was tun? In die Häuser darf der Heilige wegen des Virus nicht. "Draußen vor der Tür ist's aber auch nichts", findet Pfarrer Forster – und seine Katholische Landjugend (KLJB) Michldorf/Irchenrieth findet die Lösung.

Der Nikolaus kommt im Leuchtenberger Ortsteil Michldorf und in Irchenrieth wohl ins Haus. Denn er taucht auf Wunsch daheim am Fernsehen oder Computer auf. Dank einer ganz persönlichen Videobotschaft, die Bischof und Knecht Ruprecht den Kindern über einen USB-Stick zukommen lassen. Am PC oder TV Einstecken – und Film ab für den Blockbuster: Bischof-Besuch. Ganz so einfach ist's aber nicht für die KLJB.

Bekanntester Nikolaus Weidens zweifelte schon im September

Weiden in der Oberpfalz

"Das ist schon viel Aufwand", gesteht Jakob Hammer, einer der Organisatoren von der Landjugend. Ähnlich aufwändig wie das Von-Haus-zu-Haus-gehen aber auch, das ansonsten jahrzehntelange Tradition habe. Nikolaus und Knecht werfen sich also wie immer in Schale und treten so nicht vor die Tür, sondern vor die Kamera, die in der St.-Ulrich-Kirche in Michldorf auf sie gerichtet ist. Dort sprechen sie Botschaften an all die Kinder, für die die Eltern sich zuvor eine solche gewünscht haben. Und natürlich ist der Heilige bestens informiert über die Kleinen, lobt die Schokoladenseiten und tadelt die kleinen Macken. Was er auch weiß und schließlich verrät: Wo er die Gaben für die Kinder des Hauses platziert hat. "Alles läuft absolut sicher und kontaktlos, aber trotzdem persönlich ab", sagt Hammer.

Funktionieren kann das aber nur in Teamarbeit. Neben Nikolaus, Knecht, Kulisse und Kameraleute braucht es Menschen mit Technik-Verstand für den Film-Schnitt, einen Texter, der die Elterninformationen in eine gutes Drehbuch verwandelt, Leute, die die Infos samt USB-Sticks bei den Abgabenstellen im Pfarrheim und am Irchenriether Dorfladen abholen und sie schließlich wieder in die Briefkästen der Familien bringen. "Das ist ein Gemeinschaftsprojekt für etwa zehn Leute", kalkuliert der Student. Gut so, meint der Pfarrer. "Heuer musste schon das große Stodlfest der KLJB ausfallen. Die jungen Leute brauchen ein gemeinsames Projekt. Ansonsten sehe ich schon die Gefahr, dass die Gemeinschaft zerbricht und damit alles, was wir über Jahre aufgebaut haben."

Landauf landab entwickeln gerade Vereine, Verbände und Kirchen Hygienekonzepte für den wichtigsten Bischofsbesuch des Jahres. Die Video-Variante hat etwa auch die KLJB Waldthurn im Blick, an einer Schule in Vohenstrauß fährt der Nikolaus in der Kutsche vor, in Eslarn winkt der Nikolaus etwa vor der Schule den Kindern zu, um dort ein Säckchen mit Mund-Nasen-Schutz zu hinterlassen oder der Heilige, den SPD und Jusos losschicken zu Vor-der-Haustür-Besuchen, macht gar 15 Minuten vor seiner Tour einen Corona-Schnelltest. Sicher ist sicher. Deshalb verschickt die CSU in Pressath auch lieber Briefe und Geschenkpakete vom Nikolaus.

In vielen weiteren Orten gibt es schlicht klare Regeln für den Besuch des Bischof Nikolaus in der Coronakrise. Der Stab ist tabu, die Maske über dem Rauschebart Pflicht. Bei Kolping Grafenwöhr ist das etwa der Fall. Oder bei Kolping Neunkirchen bei Weiden. Das Regelwerk entspricht den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums – sofern es bis zum Nikolaustag Bestand hat. Hier eine

Hintergrund:

Kostprobe aus einem Nikolaus-Regelwerk für Familien im Coronajahr

  • Pro Besuch kann nur ein Hausstand mit den EIGENEN Kindern besucht werden.
  • Der Nikolaus wird unter dem Bart eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.
  • Der Besuch wird im Freien stattfinden.
  • Auf ausreichend Abstand zwischen Nikolaus und den Beteiligten ist zu achten.
  • Der Nikolausstab kann in diesem Jahr vom Kind aus Hygienschutzgründen leider nicht gehalten werden.
  • Eine persönliche Geschenkübergabe ist nicht möglich. Das Geschenk wird auf einem von Ihnen gewählten Platz abgelegt. Der genaue Ort ist dem Nikolaus vorab zu nennen.
Kommentar:

Rauschebart und Maske: Vom Mut der Macher am Nikolaustag 2020

Die Maske über dem Rauschebart des Nikolaus ist heuer Pflicht. Und vermutlich das geringste Übel. Könnte sie gar den praktischen Nebeneffekt haben, die Bartpartie dort zu fixieren, wo sie hingehört.
Richtig übel wäre, wenn wegen der Coronakrise der Heiligenbesuch landauf, landab ausfallen müsste. Wer also als Nikolaus den Mund-Nase-Schutz aufzieht, versucht, sich im Dschungel der Hygienevorschriften zurechtzufinden, der beweist vor allem eins: Mut und Entschlossenheit, Kinder und deren Familien nicht im Stich zu lassen.
Diejenigen, die sich dagegen entscheiden, verdienen aber auch Respekt: Sie wollen sich und andere schützen. Und sie haben die große Bürde, allen abzusagen, die so hoffnungsfroh auf sie warten. Auch kein leichtes Los.
Wohl dem also, der findig, wenn auch fernab der Tradition agiert und den Bischof auf den Bildschirm bringt. Eine geniale, sichere Idee, die vor allem Jugendliche mit Kreativität und digitalem Gewusst-wie pragmatisch aus dem Ärmel schütteln. So einen Pragmatismus und mehr Macher bräuchte es auch für die Gestaltung des Live-Schulunterrichts in der Coronakrise. Sollte der Nikolaus bei mir vorbeischauen, das würde ich mir wünschen.

Simone Baumgärtner

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