07.09.2021 - 12:20 Uhr
Michelfeld bei AuerbachOberpfalz

Seit 20 Jahren ein Teil des Michelfelder Kapellenwegs: Zum guten Hirten in Weidelwanger Mühle

Baufällig war die alte Marienkapelle in Weidelwanger Mühle, als sie im Herbst 2000 abgerissen wurde. Aber nur ein Jahr blieb der Weiler ohne eigenes Gotteshaus. Dafür hat der Müller und Bäcker Anton Lindner einiges in Bewegung gesetzt.

Die Kapelle Zum guten Hirten in Weidelwanger Mühle ist vor 20 Jahren entstanden.
von Externer BeitragProfil

Von Rudi Weber

Zum 20. Mal jährt sich in Kürze die Weihe der Kapelle Zum guten Hirten bei der Weidelwanger Mühle, eine Station auf dem Michelfelder Kapellenweg. Den festlichen Akt am Erntedanksonntag, 7. Oktober 2001, zelebrierte der damalige Ortsgeistliche Heinz Fuchs.

Wann genau die erste Kapelle bei der Mühle gebaut wurde, lässt sich nicht sagen. Die unmittelbare Vorgängerin des heutigen Gotteshauses, die alte und viel kleinere Marienkapelle, wurde nicht zuletzt wegen ihrer Baufälligkeit im Herbst 2000 abgebrochen. Der Müller und Bäcker Anton Lindner schmiedete da schon Pläne für einen Neubau.

Vorbild im Schwarzwald entdeckt

Zu seinem 50. Geburtstag bat er im Juli 2000 die Gäste anstelle von Geschenken um Spenden für einen Kapellenbau. Das Vorbild dazu hatte er bei einem Urlaub im Schwarzwald entdeckt und ein Modell davon gefertigt. Mit einem Bauplan, den Christa Dietl ohne ein Honorar gezeichnet hatte, führte Lindner viele Gespräche bei der Stadt Pegnitz und beim Landkreis Bayreuth. Trotz mancher Einwände wie "Des passt doch ned in unsere Gegend" bekam er schließlich mit Unterstützung des damaligen Pegnitzer Bürgermeisters Manfred Thümmler die Baugenehmigung.

Noch im Herbst 2000 begann der Neubau, den Verwandte, Nachbarn und Freunde unterstützten. Ein von Marga Lindner angelegtes Fotoalbum nennt die Namen der Helferinnen, Helfer und Sponsoren. Bereits am 1. Mai 2001 feierte Ortspfarrer Fuchs eine Maiandacht mit rund 150 Gläubigen an der Kapelle. An einem verregneten Weidlwanger Kirchweihsonntag, am 7. Oktober 2001, folgte die Einweihung, natürlich wieder durch Pfarrer Fuchs. Er wirkte noch fünf weitere Jahre in Michelfeld, bevor er in den Ruhestand eintrat. 2011 ist er verstorben.

Tochter Simone entwirft Fenster und Altarkreuz

Von Anfang an mit eingebunden in das Projekt waren die Kinder der Mühlenbesitzer, nämlich Konstantin, Simone, Elmar und Felix. Der älteste Sohn Konstantin ist jetzt Professor und Lehrstuhlinhaber an der Universität Bamberg. Mit ihrer künstlerischen Ader beteiligte sich Tochter Simone: Von ihr stammen unter anderem die Entwürfe des großen Buntglasfensters, des Altarkreuzes und der außen am Geländer angebrachten Metalltafeln.

Die Kapelle besitzt zwei Glocken. Eine stammt aus Nasnitz und hängt im Turm. Elektrisch gesteuert, läutet sie unter anderem zum täglichen Gebet und verkündet den Dorfbewohnern Todesfälle in ihren Reihen. Das Glöcklein im Eingangsbereich stammt von der ehemaligen Pfannmühle bei Degelsdorf, wohin Josef Lindner (1917 - 1955) von der Weidelwanger Mühle eingeheiratet hatte.

Die Madonna und der Kanonier

Seit 2003 steht im Seitenaltar, durch ein kunstvolles Gitter gesichert, eine moderne Schutzmantelmadonna aus dem Grödnertal mit dem eingeschnitzten Kanonier von Weidlwang. Daneben hängen auch die noch erhaltenen Bilder der Heiligen Elisabeth, Florian und Sebastian aus der alten Kapelle. 2008 wurde in den Hauptaltar ein aus 14 Tontäfelchen bestehender Kreuzweg integriert, den Sieglinde Kugler aus Auerbach modelliert hat. Vorbild sind die Bilder aus den Stationen des Kreuzwegs von Horlach zum Schaf­steg nach Nasnitz, den der Pegnitzer Kaufmann Adolf Grellner (1909 - 1986) um 1970 gestiftet hat. Leider war der Künstler dieser modernen und eindrucksvollen Kreuzwegdarstellungen, der auch die Tafeln in der Nasnitzer St.-Anna-Kapelle entworfen hat, nicht herauszubekommen.

Konstantin und Simone Lindner haben eine reich bebilderte Broschüre zur Kapelle Zum guten Hirten gestaltet, die dort aufliegt. Jährlich werden eine Maiandacht der Pfarrei Michelfeld und eine Weihnachtsandacht gefeiert. Darüber hinaus gestalten verschiedene Personen und Gruppen zu unregelmäßigen Anlässen Andachten. Die Kapelle ist für jedermann frei zugänglich, liegt nur einige Meter von der Bahnlinie Nürnberg - Bayreuth entfernt und ist vom Zug aus gut zu sehen.

Eine Radtour vorbei am Kanonier von Weidlwang

Kirchenthumbach

Geschichte(n) von der Brüllwiese

Michelfeld bei Auerbach

900 Jahre Kloster Michelfeld zwischen zwei Buchdeckeln

Auerbach
Hintergrund:

Weidlwang und Weidelwanger Mühle

Zu beachten ist die unterschiedliche Schreibweise des Ortsnamens.

  • Erste Erwähnung: Wideluvanch, das heutige Weidlwang, wird 1119 in der Gründungsurkunde des Klosters Michelfeld als eines der zahlreichen Stiftungsgüter genannt. Aus dem Jahr 1490 stammt die erste bisher bekannte schriftliche Nennung der Mule zu weydelbangk. Wahrscheinlich hat sie damals schon einige Zeit bestanden.
  • Kommunale Zugehörigkeit: Das Dorf Weidlwang ist Teil der Stadt Auerbach, der Weiler Weidelwanger Mühle Teil der Stadt Pegnitz. Hintergrund ist der sogenannte Geistliche Güter-Vertrag von 1802 zwischen dem Kurfürstentum Bayern und dem Königreich Preußen, der - vereinfacht gesagt - die Pegnitz als Grenze zwischen - der Oberpfalz und Oberfranken festlegt.
  • Pfarreizugehörigkeit: Beide, Dorf und Mühle, gehören seit 1121 zur Pfarrei Michelfeld, die heuer 900 Jahre besteht.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.