20.04.2021 - 08:48 Uhr
Michelfeld bei AuerbachOberpfalz

Michelfelder Jungwölfin ist noch kein „Problemwolf“

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Zweimal wurde die junge Wölfin mit der Code-Kennnummer GW1968f bisher schon auffällig, weil sie Nutztiere gerissen hat. Als abzuschießender „Problemwolf“ gilt sie trotzdem nicht. Zunächst.

Die Aufnahme einer Wildkamera eines Wildgeheges bei Illafeld (Stadt Betzenstein) vom 3. März 2021 zeigt mit aller Wahrscheinlichkeit einen Wolf, der kurz vor dem Angriff auf das Gehege auf der Außenseite steht. Daran waren mindestens drei Wölfe beteiligt. Es ist also unklar, ob die Aufnahme das Individuum GW1968f zeigt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Ob die Fähe mit der Kennung GW1968f aus dem Wolfsrudel im Veldensteiner Forst aus dem Wurf des Jahres 2019 oder dem von 2020 stammt, kann das Landesamt für Umwelt (LfU) nach den Genanalysen nicht sagen. Aber die Genetik liefert zwei andere gesicherte Daten, die der Jungwölfin gefährlich werden könnten: Ihre DNA-Spuren waren sowohl an einem am 8. Februar bei Michelfeld gerissenen Schaf nachzuweisen als auch an dem Damwild, das am 3. März in einem Gehege angegriffen wurde. Das geschah im Ortsteil Illafeld der Stadt Betzenstein (Landkreis Bayreuth) am Rand des Veldensteiner Forsts. Dabei konnte das LfU die DNA von drei Wölfen isolieren. Sie töteten in dieser Nacht 18 Stück Damwild, von denen 13 trächtig waren.

Das getötete Schaf bei Michelfeld war für den Landkreis Amberg-Sulzbach der erste belegte Nutztierriss seit der Rückkehr der Wölfe nach Bayern

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Natürlich sind die Landwirte und die Eigentümer von Wildtiergehegen in dieser Region nicht gut auf die Wölfe zu sprechen, zumal eine Woche vorher im Betzensteiner Ortsteil Riegelstein mindestens ein Wolf ein anderes Gehege angriff und dabei drei Rothirsche und vier Mufflons tötete. Wo sich die Frage nach dem Abschuss von Wölfen stellt, die großen wirtschaftlichen Schaden verursachen, rückt natürlich die Jungwölfin GW1968f ins Visier. Schließlich hat sie sich jetzt nachgewiesenermaßen schon zweimal an Nutztieren vergriffen.

Ausnahmen im Schutz möglich

Wie das mit dem Abschuss von Wölfen grundsätzlich ist, erklärte ein Sprecher des LfU auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Demnach ist der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine besonders und streng geschützte Art. Aber: „Dieses Gesetzt lässt Ausnahmen zu, welche in Bayern durch den Aktionsplan Wolf geregelt sind.“

Nach dessen Bestimmungen muss als eine Voraussetzung für eine Entnahme (das bedeutet meist: den Abschuss) die „nachgewiesene Tötung oder Verletzung von sachgerecht geschützten Nutztieren, oder nachgewiesene Tötung, Verletzung oder Gefährdung von Nutztieren in nicht schützbaren Weidegebieten […], jeweils mit Wiederholungsgefahr“ vorliegen. Trifft das auf GW1968 zu? Nein, sagte der LfU-Sprecher: „Beides ist im vorliegenden Einzelfall nicht gegeben.“

Kriterien für Abschuss nicht erfüllt

Das bei Michelfeld gerissene Schaf befand sich nämlich außerhalb des Schutzzauns, in dem ansonsten Herdenschutzhunde die restlichen Tiere unter ihrer Obhut hatten. Das Damwildgehege in Illafeld verfügte über keinen elektrifizierten Schutzzaun oder einen mit Untergrabungsschutz. Nur die hätten als „sachgerechter Schutz“ gegolten.

Darüber hinaus ist Genmaterial der jungen Wölfin dem LfU nur noch einmal gemeldet worden. Es fand sich in einer Losung, auf die man am 4. März im Landkreis Nürnberger Land stieß. Genauere Angaben zum Fundort macht das Landesamt für Umwelt routinemäßig nicht. Der etwa 6000 Hektar große Veldensteiner Forst ist ein Waldgebiet, das sich über die Landkreise Bayreuth, Nürnberger Land und Amberg-Sulzbach erstreckt. Hier gelingen regelmäßig zweifelsfreie Wolfsnachweise, vor allem im Landkreis Bayreuth.

Was die Genetik noch über das Wolfsrudel im Veldensteiner Forst verrät

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Hintergrund:

Das Wolfsrudel im Veldensteiner Forst

  • Ursprung
    Im Winter 2018 fanden in dem Waldgebiet ein weiblicher und ein männlicher Wolf zusammen. Der Rüde wurde seitdem immer wieder nachgewiesen, zuletzt Anfang März beim Angriff auf das Wildgehege in Illafeld. Die Fähe kam im September 2019 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
  • Nachwuchs
    Der erste Wurf 2018 umfasste mindestens fünf Welpen. Aus den Jahren 2018 und 2019 konnten insgesamt elf Welpen genetisch identifiziert werden. Im August 2020 gelangen Fotonachweise von vier Jungwölfen.
  • Verbreitung
    Ein männlicher Wolf aus dem Veldensteiner Forst hat sich (nachgewiesen seit Januar 2020) im Manteler Forst mit einer Wölfin aus Sachsen zusammengetan. Weitere Individuen aus dem Veldensteiner Elternrudel wurden im Februar 2019 im Landkreis Neustadt/WN nachgewiesen, im Oktober 2020 im Landkreis Eichstätt und im Januar 2021 im Landkreis Tirschenreuth.

Quelle: Wolfsmonitoring des Landesamtes für Umwelt

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