23.04.2021 - 19:28 Uhr
Michelfeld bei AuerbachOberpfalz

Hochwasserschutz verleiht Michelfelder Festwiese die Aura eines Kurparks

Seit Jahren ist der Hochwasserschutz mitsamt ökologischem Ausbau des Flembachs in Michelfeld ein Thema. Doch es ging nichts voran. Die Gründe erfuhr man jetzt im Stadtrat. Dazu gab es eine neue Planung, die geradezu für Begeisterung sorgte.

Diese Illustration des beauftragten Ingenieurbüros zeigt, wie sich der im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahme verlegte Flembach über die Festwiese in Michelfeld schlängelt. Wo der Bachlauf früher war, ist jetzt ein Deich (links vor der Bebauung), der begangen werden kann. Der Weg geht in einen Fußweg entlang des Gewässers über. In der Bildmitte im Hintergrund die Klosteranlage mit dem hohen Kirchturm. Sie wird mit einem neuen Deich vor Hochwasser geschützt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Wie Michelfeld und speziell die Regens-Wagner-Einrichtung im Kloster vor einem 100-jährigen Hochwasserereignis des Flembachs zu schützen seien, dazu gab es bereits 2015 eine erste Planung und eine Bürgerversammlung. Danach allerdings zogen Detailfragen die Umsetzung in die Länge, wie Bürgermeister Joachim Neuß und Christian Götz, Fachbereichsleiter Wasserbau beim federführenden Wasserwirtschaftsamt Weiden, am Mittwoch im Stadtrat erklärten.

Das betraf etwa barrierefreie Zugänge im Umfeld einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, technische Lösungen und Sicherheitsmaßnahmen im Wasserschutzgebiet 2 der N-Ergie oder schlicht die Grundstücksverhältnisse. Um doch weiterzukommen, gab das Wasserwirtschaftsamt Mitte 2020 eine Umplanung bei Ingenieur Stefan Wolf (Kemnath) in Auftrag. Ihre Ziele: den Flembach besser machen und beleben, eine Naherholungsfunktion schaffen, den Grunderwerb minimieren, den Umbau gefällig in die Landschaft einfügen und eine Pflege durch ganz normale landwirtschaftliche Geräte ermöglichen.

Deich vor dem Kloster

Das größte Bauwerk dabei wird ein leicht nach außen gewölbter und gut zweieinhalb Meter hoher Deich vor dem Kloster sein, der sich zwischen dem Flembach und dem Hofmühlweg erstreckt. Wie Stefan Wolf erläuterte, bekommt der Deichkronenweg eine Abfahrt, die auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Eine weniger steile Anböschung in einem Teilbereich sorgt dafür, dass die Rinder des Klosters den Deich überqueren können, um auf die Weide zu kommen.

Nach dem Deich erhält der Flembach an beiden Ufern neue und höhere Mauern aus Stahlbeton. Im Ausbaubereich von 1959, der nach der Brücke beginnt, wird das Wehr aufgegeben, zugleich der jetzige Bachverlauf verfüllt und in die angrenzende Wiese verlegt. Wo bis jetzt der Flembach hinter den Häusern des Ortskerns floss, wird dann ein neuer Deich die Bebauung schützen, etwa bis zum Feuerwehrhaus. Auf dessen Areal kommt auch ein Binnenentwässerungspumpwerk, was die Belastungen für die Anwohner minimiert. Dass man einen Strommast des Bayernwerks dort in der Nähe versetzen kann, hat ebenfalls die Planungen erleichtert.

Nach dem Veldensteiner Forstweg, der als Brücke über den Flembach führt, wird eine Flutmulde angelegt. Mit einer mittleren Tiefe von 1,10 Meter und einer Breite von 10 bis 13 Metern erleichtert sie bei Hochwasser das Abfließen des Baches.

Vorgeschmack auf Landesgartenschau

Was die Auftraggeber mit der geforderten „Erlebbarkeit des Gewässers“ meinten, zeigt sich am deutlichsten dort, wo sich der Flembach zukünftig über die bisherige Festwiese schlängelt. Im ortsnahen Bereich soll dort ein Fußweg am Wasser entlang (plus Brücke) entstehen, ergänzt durch Spielgeräte unter Bäumen, die mit naturnaher Gestaltung Aufenthaltsqualität schaffen. Auf der vom Ingenieurbüro angefertigten Illustration sah Joachim Neuß hier in Anspielung auf die Landesgartenschau, für die sich Auerbach beworben hat, gar „Kurparkcharakter“ gegeben. So bringe die geforderte Schutzfunktion der Maßnahme auch eine Aufwertung für den Ort.

Auch bei der neuen Planung sind noch nicht alle Grundstücksverhandlungen abgeschlossen, das Wasserwirtschaftsamt stehe aber in Kontakt mit den Eigentümern, sagte Christian Götz. „Bei der alten Planung hätten wir keine Einigung bekommen“, zeigte er sich überzeugt. Jetzt aber dürfe man zuversichtlich sein. Sollten die weiteren Planungs- und Verfahrensschritte gut laufen, könne man mit einer Umsetzung der Maßnahme im Jahr 2023 rechnen.

Ende für Pfarrer-Wolfring-Steg?

Eine Veränderung zeichnet sich auch für den Pfarrer-Wolfring-Steg über den Flembach ab. Er ist eine beliebte fußläufige Verbindung von der Ortsmitte zur Pfarrkirche (Klosterkirche). Wie Bürgermeister Neuß erläuterte, wird die Regens-Wagner-Stiftung dort in der Nähe möglicherweise eine neue Hauptzufahrt zum Klostergelände schaffen. Ohne Umgestaltungen werde es nämlich sehr schwierig, die für die Generalsanierung benötigten schweren Baufahrzeuge an ihren Bestimmungsort zu schaffen. Dafür kämen sonst nur der Hofmühlweg und der Gemüsegarten infrage – oder eben eine richtige Brücke anstelle des Pfarrer-Wolfring-Stegs. Den könnte man dann versetzen und bei dieser Gelegenheit auch barrierefrei machen. Josef Lehner (CUU) sah in diesem Vorhaben nicht zuletzt die Chance, die Feuerwehrzufahrt zum Kloster zu verbessern.

Zur Generalsanierung des Klosters Michelfeld

Michelfeld bei Auerbach

Der Michelfelder Dieter Hofmann (FW), von Beruf Bauunternehmer, verwies auf die Option, die Brücke nur als Provisorium zu gestalten, wie es in ähnlicher Weise bei der Sanierung der Bahnbrücke am Bahnhof erfolgt sei.

Stadt für Pflege zuständig

Hofmann sprach zudem die Verlandung des Flembachs nach dem Pfarrer-Wolfring-Steg an. Christian Götz nannte als Ziel der Planung, „das zu beseitigen und Bewegung reinzubringen“. Die Brücke über den Flembach beim Feuerwehrhaus, die laut Hofmann in einem schlechten Zustand ist, wird nicht durch die Hochwasserschutzmaßnahme erneuert. „Da müssen wir uns drum kümmern“, stellte Joachim Neuß die Zuständigkeit der Stadt fest. Die gilt übrigens auch für alles, was im Zug der Umgestaltung entsteht: Das Wasserwirtschaftsamt finanziert es, aber die Stadt pflegt es.

Im weiteren Verlauf fließt der Flembach unter der B 85 durch. Dort wünschen sich die Michelfelder schon lange eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, die sonst ohne weitere Hilfen die vielbefahrene Bundesstraße überqueren müssen. Christian Götz sah die Möglichkeit, dort einmal eine Unterführung zu bekommen, unter anderem durch ein Podest am Brückenwiderlager, das man für den Radweg nutzen könne. „Das erfordert aber ein Genehmigungsverfahren.“ Laut Neuß gibt es sogar eine Lösung, bei der der Bachlauf nicht verlegt werden müsse, wie man bisher angenommen habe.

Die Vorstellung der Planung erntete bei den Fraktionssprechern großes Lob. „Die Zeit hat sich gelohnt“, spielte etwa Josef Lehner auf die sechs Jahre Verzögerung an. Holger Eckert (FW) hob vor allem die zentrale Naherholungsfunktion hervor.

Großes Thema der Stadtratssitzung war auch die Freiflächen-Photovoltaik

Auerbach
Hintergrund:

Kloster Michelfeld

  • 1119 erstmals urkundlich erwähnt, so dass vor zwei Jahren das 900-jährige Bestehen gefeiert werden konnte.
  • Hier arbeiteten und beteten Benediktinermönche. Berühmt ist die Klosterkirche, die sie Anfang des 18. Jahrhunderts von den Gebrüdern Asam gestalten ließen.
  • 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben.
  • 1885 zog die Regens-Wagner-Stiftung für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung in die weiträumige Anlage ein. Damit kamen Dillinger Franziskanerinnen nach Michelfeld. Sie blieben bis heute.
  • Die Generalsanierung des gesamten Klosters, die jüngst angelaufen ist und sich noch mindestens acht Jahre hinziehen wird, soll rund 40 Millionen Euro kosten.
Der Pfarrer-Wolfring-Steg über den Flembach ist eine beliebte fußläufige Verbindung von der Ortsmitte zur Pfarrkirche. Er muss nun möglicherweise einer Brücke weichen, durch die eine neue Hauptzufahrt zur Klosteranlage geschaffen wird.
Der Pfarrer-Wolfring-Steg wurde vom Michelfelder Pfarrer Franz Wolfring initiiert und 1984 gebaut.

 

 

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