21.10.2020 - 12:15 Uhr
Massenricht bei HirschauOberpfalz

Quer durch Millionen Jahre Erdgeschichte

Josef Kohl führte durch das Oberpfälzer Bruchschollenland bei Massenricht. Drei Stunden dauerte die Exkursion der Regionalgruppe des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg.

Engagiert und anschaulich ließ Josef Kohl die Erdgeschichte Revue passieren.
von Autor MMAProfil

Mitten durch die Erdgeschichte Massenrichts ging die Exkursion der Regionalgruppe des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. An der "Freihunger Störung" begrüßte Kreisheimatpfleger Dieter Dörner den ortskundigen Führer Josef Kohl. Anschaulich und mit vielen erklärenden Tafeln und Hilfsmitteln brachte dieser der interessierten Gruppe über drei Stunden lang das Oberpfälzer Bruchschollenland nahe.

Weit holte Kohl zu Beginn aus, mit der Entstehung der Erde und des Mondes. Er erklärte den Aufbau der Erde, ihr Magnetfeld und den Kontinentaldrift, die Entstehung der Gebirge und damit auch letztlich das Werden des Bruchschollenlandes. Anhand von verschiedenen Sandschichten in seinem Schaukasten konnte man gut jene enormen Umwälzungen nachvollziehen, welche die Gegend um Massenricht zu einem der "interessantesten Gebiete Deutschlands" werden ließen.

Auch auf das Netzwerk der Altstraßen in der nördlichen Oberpfalz und die Entstehung der Hohlwege durch jene damals notwendigen Hemmschuhe ging der passionierte Heimatkundler ein. Noch heute würden viele Flurnamen davon zeugen: die "Alte Straß", die "Wagensass", wo man sich zum Ausruhen niederließ, oder die "Panzerhöhe", wo Rüstungen umgeladen wurden. Auch der nahe Löschweiher, an dessen Ufer Waren "gelöscht", sprich ab- und umgeladen wurden, war Thema seiner Erläuterungen.

Auf einer kurzen Strecke wanderte man dann quer durch die Erdgeschichte und gelangte von der Zeit vor 280 Millionen Jahren zu "jungen" 90 Millionen Jahren und staunte über die bei Rödlas "aufgeblätterte" Erdgeschichte.

Höhepunkt war der Steinbruch am Mühlberg, wo im letzten Steinbruch Bayerns noch bis 1858 Mühlsteine aus dem Gestein gehauen wurden. Deren Qualität sei so hervorragend gewesen, dass sie nicht nur in ganz Europa, sondern sogar bis nach Amerika verkauft worden seien. Bis aus 30 Metern Tiefe habe man dort jene Pretiosen, welche mehrere Pferde wert waren und bis zu 34 Zentner wogen, aus dem komprimierten Sandstein in mühseliger Arbeit geholt. Hunderttausende Fuhren seien in einem dichten Wegenetz mit höchster Vorsicht abtransportiert worden und hätten ihren Teil zu "bestmöglichem Mehl" beigetragen. Engagiert machte Kohl auch auf den Klimawandel aufmerksam und appellierte eindringlich zu Achtsamkeit und Respekt vor und in der Natur.

Zur Aufgabe hat er sich außerdem gemacht, den Ursprung der Vils nachzuweisen. Er erklärte, dass deren Name wohl von Filusa komme, was so viel wie Sumpfgebiet heiße. Sie entstamme laut Kohl sicher zu einem guten Teil aus den Zuflüssen aus der Massenrichter Gegend. Erst 1840 habe man Kleinschönbrunn als Quellort deklariert und das speichernde Vilslein aus seinem Heimatort "übersehen".

Beim Steinbruch am Mühlberg staunte man über die "aufgefaltete" Wand, aus der die "besten Mühlsteine" gehauen wurden.
Josef Kohl hatte über drei Stunden lang interessierte Zuhörer.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.