22.10.2019 - 14:32 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Rilkes „Spiegelungen der Innenwelt“

Das „Literarische Café“ hat wieder geöffnet. Für die kommenden Monate bis März 2020 haben die Organisatoren erneut ein ansprechendes Programm zusammengestellt. Mit Rainer Maria Rilke und Kurt Rodehau startete man in die Saison.

Zum Auftakt der neuen Saison konnte Roswitha Budow den Marktredwitzer Kurt Rodehau begrüßen.
von Werner RoblProfil

Kurt Rodehau spielt seit rund 50 Jahren Theater. Der vielfach talentierte 70-jährige Oberfranke moderiert und gestaltet Lesungen. Zudem schreibt der Marktredwitzer auch Theaterstücke. Im "Literarischen Café" (eine Veranstaltung der KEB im Landkreis Wunsiedel und der Ackermann-Stiftung) stellte ihn Roswitha Budow zudem auch als Leiter des Arbeitskreises "Sprache und Literatur" beim Forum Regioident vor. Eigentlich widme er sich der heimischen Mundart und den Werken dazu, zu denen besonders auch die Geschichten des Arzberger Mundartdichters Otto Schemm gehören, so Budow. Dass er sich beim literarischen Nachmittag Rainer Maria Rilkes Werk annahm, war daher etwas Besonderes.

Schwermut

Er habe das Angebot, hier vorlesen zu dürfen, gerne angenommen, gestand Kurt Rodehau. "Da wollte ich nicht nein sagen", fügte der Marktredwitzer hinzu und bekannte, dass die Rilke-Auswahl, die er daheim im Bücherschrank stehen habe, eher dünn sei. Zudem gestand er, dass man, um Rilke gut interpretieren zu können, die Schwermut seiner Werke kennen sollte. "Ich werde mir Mühe geben, alles gut rüber zu bringen, um Ihnen Rilke schmackhaft zu machen."

Rodehau hatte den Kontakt mit seinem Publikum hergestellt, wenngleich er noch nicht verraten wollte, welche Auswahl er getroffen hatte. Man freute sich auf den zwar etwas leiseren, aber umso beeindruckenderen Café-Nachmittag und auf das erste Gedichtbeispiel: "Du musst das Leben nicht verstehen." Rodehau ließ passend zum Monat "Herbstzeit" und typisch für Rilke auch die bekannten Sprachbilder folgen: Aus normalen Tieren wurden - nach Rilkes Worten - "Spiegelungen der Innenwelt". Rodehau versprach zudem auch "Linien, die man lesen kann" und einen erdachten "Wind in den Wellen". Der Nachmittag war geeignet zum Nachdenken, sich Zeit lassen, um sich noch einmal Kaffee, vielleicht auch noch einen Kuchen bringen zu lassen. An einem Tisch wurden Wolle und Stricknadeln ausgepackt, daneben ein kleines Stoffdeckchen gestickt.

Ein Tintenfass und eine Schreibfeder rückten wenige Augenblicke vor Ende in den Mittelpunkt des ausklingenden Nachmittags. Mehr aber war es die scharfe Klinge eines vorlauten Schwertes, das für Aufmerksamkeit, auch ein wenig für Schadenfreude sorgte. "Feder und Schwert", stellte der Referent den Dialog zweier Streithansel vor. Den Ausgang konnte man sich denken. Wer von den Gesprächspartnern sei wohl wichtiger, wer könne die Ereignisse eher beeinflussen? Nicht das Schwert, das von sich sagte, der Stärkere zu sein, sondern die Schreibfeder war es am Ende, die die Welt lenken sollte. Sie war es, die den Friedensvertrag unterzeichnete, um damit das Schwert zu einem Dekorationsobjekt verkommen zu lassen. "Es prahlt nie wieder", fasste Rodehau das zusammen, was Rilke als ein immerwährendes Gleichnis zu Papier gebracht hatte.

"Was fasziniert Sie an Rilke?" Die Frage stellte KEB-Bildungsreferent Johannes Geiger an den Referenten. Vieles von dem, was Rilke verfasste, sei zeitlos, antwortete Rodehau. "Ich gestehe, dass ich mich zu Beginn der Vorbereitungen schon etwas schwer tat. Später erkannte ich die inhaltlichen Ziele. Sie waren für mich ein Gewinn." Rodehau bedauerte aber, dass man sich viel zu wenig mit dem Dichter beschäftige.

Preußler-Nachmittag

Dem Kinder- und Jugendbuchautor Otfried Preußler widmet sich das "Literarische Cafè" am 14. November. Der Nachmittag mit dem "Geschichtenerzähler", wie sich Preußler nannte, und der Nürnbergerin Irmgard Barenberg findet wieder um 14.45 Uhr im Meister-Bär-Hotel beim Bahnhof statt.

Mit Kurt Rodehau, der aus Rilkes Werken las, startete das "Literarische Café" in die neue Saison.
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