14.12.2018 - 15:30 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Korea lernt von der Euregio Egrensis

Eine offizielle koreanische Delegation informiert sich bei der Euregio Egrensis in Marktredwitz. Das geschieht vor dem Hintergrund einer möglichen Wiedervereinigung im eigenen Land.

Die koreanische Delegation mit Young-Soo Kim (links), Harald Ehm (Vierter von links), Min-Bon You (Sechster von links), Robert Jodlbauer (Achter von links) und Dr. Bernhard Seliger (rechts).

Deutschland hat reichlich Erfahrungen mit der Überwindung von Grenzen. Seit dem Jahr 1989 hat das Aufbrechen des Eisernen Vorhangs zwischen Ost- und Westeuropa und die Wiedervereinigung viele Entwicklungen ausgelöst. Auf genau diese Erfahrungen greift eine südkoreanische Delegation zu, die zehn Tage lang die ehemaligen deutschen Grenzgebiete besucht. Die Reise ist als Wiedervereinigungsstudienreise überschrieben. Thema sind die Einheitserfahrungen in Deutschland und seinen europäischen Nachbarn sowie die koreanischen Vorbereitungen auf die Wiedervereinigung.

Die Hanns-Seidel-Stiftung (Büro Korea) hat die Reise vermittelt und begleitet die Gruppe. Repräsentant Dr. Bernhard Seliger und Young-Soo Kim als Betreuer und Dolmetscher sind insbesondere für die Kontakte zu den deutschen Ansprechpartnern verantwortlich. Die koreanische Gruppe ist hochkarätig besetzt: Professor Dr. Min-Bon You ist Mitglied der Nationalversammlung, Professor Dr. Jin Shin arbeitet als Politikwissenschaftler an der Chungnam-Nationaluniversität in Daejeon, Kyeri Park ist Lehrbeauftragte an der Hongik-Universität in Seoul, Sun-Youn Kim ist Abteilungsleiter im Wiedervereinigungsministeriums, Kyoung-Jai Cha ist Oberstleutnant der Armee und Bong-Ki Lee forscht im Institute for Peace Affairs.

Zum Reiseprogramm gehören die Umweltpolitik nach der deutschen Wiedervereinigung (Bayerisches Umweltministerium), die oberfränkische Grenzregion und die Wiedervereinigung mit den Themen Wirtschaft, Politik und Umwelt sowie ein Rundgang durch Eger/Cheb als Stadt in der Grenzregion. Als wichtige Orte des Wiedervereinigungsprozesses werden Mödlareuth, Leipzig, Dresden, Frankfurt (Oder), Potsdam und Berlin besucht. Ein Empfang im Deutschen Bundestag und ein Treffen mit Dr. Bum-Goo Jong, Botschafter der Republik Korea in Berlin, beenden die Wiedervereinigungsstudienreise.

Eine der ersten Stationen: ein Vortrag bei der Euregio Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bayern in Marktredwitz. Geschäftsführer Harald Ehm referiert über die „Euregio Egrensis und die Rolle der Euro-Regionen in Mitteleuropa“. Die Euregios fördern grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf der privatrechtlichen Basis eines Vereins. Es gibt sie in ganz Mitteleuropa, sie sind nicht auf die ehemalige Ost-West-Grenze beschränkt. Die Euregio Egrensis wirkt im Gebiet Bayern, Sachsen, Thüringen und Böhmen, hat also die regionalen Beziehungen Deutschlands zur Tschechischen Republik im Blick. Besonders interessieren sich die Südkoreaner für die konkreten Projekte. Harald Ehm stellt die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene, im Tourismus, im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr vor. Projekte für die Jugend stehen im Vordergrund. Dazu stellen die Gäste detaillierte Fragen nach der Finanzierung des Schüleraustauschs oder danach, wie die sprachlichen Barrieren abgebaut werden.

„Gab es denn schon vor der Grenzöffnung Kooperationen mit Tschechien?“, „Welche Anknüpfungspunkte gibt es bei Kunst und Kultur?“, „Wie haben sich die geschäftlichen Beziehungen entwickelt?“ und „Wie sieht das Recht auf Freizügigkeit in der Praxis aus, das jedem EU-Bürger ermöglicht, in einem anderen EU-Land zu leben und zu arbeiten?“ sind weitere Fragen. Auch der schwierige Umgang mit Schuld und Hass aufgrund von Flucht und Vertreibung (Stichwort Sudetendeutsche) nach dem Zweiten Weltkrieg wird beleuchtet.

Harald Ehm macht deutlich, dass die staatlichen Verträge mit dem Nachbarland Tschechien die Grundlage für die Arbeit der Euregio Egrensis sind. Mit Leben vor Ort gefüllt werden sie durch Projekte und laufende Maßnahmen. Wichtig seien Menschen, die eine Idee verwirklichen wollen. „Die Finanzierung erfolgt oft über europäische Fördermittel zum Beispiel aus den Interregio-Programmen“, erläutert Robert Jodlbauer von der Fördermittelberatung der Euregio Egrensis. „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird gut gefördert.“

Hintergrund:

Die grenzüberschreitende Organisation Euregio Egrensis wurde 1993 gegründet. Diesem Schritt war die Gründung der drei Euregio-Egrensis-Arbeitsgemeinschaften Bayern, Böhmen und Sachsen/Thüringen vorausgegangen. Das Gebiet erstreckt sich auf rund 17.000 Quadratkilometer und etwa zwei Millionen Einwohner. Auf bayerischer Seite umfasst das Euregio-Gebiet die neun Landkreise Amberg-Sulzbach, Bayreuth, Hof, Kronach, Kulmbach, Neustadt/Waldnaab, Schwandorf, Tirschenreuth und Wunsiedel sowie die vier kreisfreien Städte Amberg, Bayreuth, Hof und Weiden. (fppp)

Young-Soo Kim übersetzt ins Koreanische, was Harald Ehm über die Arbeit der Euregio Egrensis erzählt.
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