10.05.2019 - 16:29 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Kampf gegen "Karl Arsch"

Die Kölner Bestseller-Autorin Nicole Staudinger sprach im Egerland-Kulturhaus vor 200 Menschen über ihren Kampf gegen den Krebs. Dabei wurde herzlich gelacht und auch Tränen sind geflossen.

Leitende Oberärztin Dr. Natalija Deuerling, Autorin Nicole Staudinger und Chefärztin Dr. Maria Dietrich beim Vortrag im Egerland-Kulturhaus.
von Externer BeitragProfil

Die Verlagskauffrau Nicole Staudinger war Anfang 30, als die niederschmetternde Diagnose kam. Gerade hatte sich die Mutter von zwei Kindern mit „Schlagfertigkeitsseminaren für Frauen“ selbstständig gemacht. Mit den Worten „Es tut mir leid, es ist Krebs“ brach ihre Welt zusammen. Sie hatte Brustkrebs in einer sehr aggressiven Form. Ihren Tumor nannte die Trainerin für Schlagfertigkeit „Karl Arsch“ und nahm den Kampf auf. Nicole Staudinger musste zu Operationen und zur Chemotherapie. Dabei wollte sie eigentlich Seminare geben.

Fünf Jahre später spottet die wortgewandte und humorvolle Frau über „Karl Arsch“. Die Bestsellerautorin (ihr erstes Buch hieß „Brüste umständehalber abzugeben“) sprüht vor Lebenslust. Dr. Maria Dietrich, Chefärztin der Frauenklinik am Klinikum Fichtelgebirge, hatte 200 Betroffene und Interessierte zu einem ganz besonderen Mutmacher-Abend eingeladen: „Wir hatten in den vergangenen Jahren viele fachspezifische Vorträge im Angebot. In diesem Jahr wollten wir einmal etwas Neues anbieten.“

Mit ihrer 90-minütigen Mischung aus Lesung, Lebenshilfeseminar und Kabarett sorgte Staudinger für viele Lacher und versorgte die Besucherinnen - und drei Besucher - zugleich mit wirkungsvollen Strategien, auch schwierige Lebensphasen zu meistern.

Nicole Staudinger ist voller Energie, sie sieht aus wie das blühende Leben und während der Lesung wechseln sich Phasen, in denen es mal um den Ernst, mal um die Komik des Lebens geht, ab, so dass den Besuchern manchmal eine Träne kommt, ehe sie zwei Minuten später wieder lachen müssen.

Zum Beispiel dann, als Staudinger davon erzählt, dass einer ihrer Ärzte während einer Untersuchung von den guten Behandlungsmöglichkeiten ihres schönen Tumors geschwärmt habe, und sie nur unverständig dachte: "Schuhe sind schön, Handtaschen sind schön, aber doch nicht Krebs! Glückwunsch, sie haben schönen Krebs." Sehr emotional wurde es auch, als sie davon berichtete, wie sie ihren Kindern ihre Erkrankung mitteilte. Sehr schlimm war für sie das häufige Warten. "Da geht bei einem gleich das Kopfkino an. In zehn Minuten hatte ich meine komplette Beerdigung durchgeplant."

Getroffen haben sie auch spitze Bemerkungen von Bekannten, beispielsweise, dass sie immer zur Vorsorge gehen. "Das habe ich auch gemacht. Sogar drei Monate vor meiner Diagnose war ich bei der Mammographie." Ihre Familie stand in dieser schweren Zeit hinter ihr und hat sie aufgefangen. "Sterben ist keine Option", hat ihre Mutter gleich nach der Diagnose zu ihr gesagt, und das ist auch zu ihrem Motto geworden. Sie sah die Chemotherapie als Chance – „als ein Geschenk“.

Heute, nach neun Monaten Chemotherapie, der beidseitigen Brustamputation und einer darauffolgenden Brustrekonstruktion, blickt sie nach vorne und hat nach ihrem erfolgreichen Debüt “Brüste umständehalber abzugeben“ noch drei weitere Bücher geschrieben.

Doch eins blieb, und das ist die Angst. "Während andere sich bei Kopfschmerzen vielleicht fragen, ob sie am Abend vorher zu viel getrunken haben, denke ich gleich an einen Hirntumor." Eine Therapeutin hilft ihr, damit umzugehen. Sie rät auch zur Zurückhaltung beim „Googlen“ nach Symptomen. Diese Recherchen befeuern die Ängste eher noch: „Was der Kopf nicht schafft, schafft dann Google“. Geändert hat sie in ihrem Leben, dass sie Probleme erst dann angeht, wenn sie da sind, und das Leben in allen Facetten genießt.

Nicole Staudinger signierte geduldig alle Bücher und plauderte mit den Besucherinnen nach ihrer Lesung.

 

 

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