Wanderstöcke im Badehaus Maiersreuth: Verbindung zwischen Himmel, Wasser und Erde

Mehrere Hundert Wanderstöcke hängen im Badehaus Maiersreuth über dem Becken und spiegeln sich im Wasser. Es ist eine Installation nach einer Idee des 91-jährigen Künstlers Daniel Spoerri aus Wien.

Es ist eine Kunstinstallation nach der Idee von Daniel Spoerri: Hunderte Wanderstöcke hängen an Kunststofffäden über dem erstmals seit 25 Jahren mit Wasser gefüllten Becken des Badehauses Maiersreuth.
von Ulla Britta BaumerProfil

Kunstfreunde können noch bis Mitte August im Badehaus Maiersreuth eine Installation betrachten, die Daniel Spoerri in ähnlicher Form bislang nur in Toulouse gezeigt hat: Hunderte Wanderstöcke, die an Kunststofffäden über dem Becken hängen, welches nach 25 Jahren erstmals wieder mit Wasser gefüllt wurde. Im Vorfeld hatte der Verein "Kunstprojekt Maiersreuth" ein großes Geheimnis aus dem Vorhaben gemacht.

Mitglieder und Helfer hatten die Stöcke nach Anweisung des 91-jährigen in Rumänien geborenen Meisters befestigt, die Feuerwehr Hardeck kümmerte sich um das Füllen des Beckens. Der Künstler, der der Vernissage beiwohnte, wollte das Werk nicht selbst kommentieren. Die Laudatio übernahm Barbara Räderscheidt, Leiterin des Ausstellungshauses Spoerri in Hadersdorf bei Wien. Sie sprach angesichts des Werkes von einer Verbindung der Elemente Himmel, Wasser und Erde. Weil die Stöcke über glitzerndem Wasser schwebten, sei diese Installation schöner als jene in Frankreich.

Bürgermeister Klaus Meyer zeigte sich stolz, Spoerri vor Ort begrüßen zu dürfen. Die Künstlerarbeit sei eine "weltumspannende Installation" - und damit traf Meyer ins Schwarze, denn Spoerri habe die Stöcke in aller Welt auf Flohmärkten gesammelt, wie Räderscheidt berichtete. 80 Exemplare stammen aus dem Landkreis Tirschenreuth, gesammelt vom Verein.

Zum Titel der Installation - "Unwirksam zu gehen, ist nicht günstig" - meinte Klaus Meyer schmunzelnd, dass das in etwa das Gleiche sei wie "Schlecht zu gäi, is niad guad". Die Installation begeistere ihn, weil diese Kunst für jeden greifbar sei, erklärte Meyer später gegenüber Oberpfalz-Medien. "Wanderstöcke kennen alle. Man kann sie anschauen, die Stocknägel betrachten und über die Geschichten nachdenken, die in jedem Stock stecken könnten", so Mayer. Ein Merkmal des Künstlers sei es, Alltagsgegenstände in schräge Perspektiven zu bringen. Auch mit Porzellan habe Spoerri dies schon gemacht.

Beim genauen Blick auf das Gewirr an Stöcken werden deren Unterschiede deutlich. Sie sind krumm oder kerzengerade, in Naturfarben belassen oder bemalt und verziert. Zeugnis von der Nutzung geben zerkratzte Oberflächen, abgegriffene Handläufe, erdig-braune Spitzen und die Stocknägel. Davon gibt es seit Samstag zwei neue Kreationen mit dem Badehaus und Spoerris Installation. Diese hat der Verein "Kunstprojekt Maiersreuth" bei einer der ältesten Stocknagel-Herstellerfirmen im Allgäu in Auftrag gegeben. Je nach Lichteinfall und Standort des Betrachters eröffnen sich neue Perspektiven.

Susanne Neumann freute sich über das Interesse und bezeichnete alle Anwesenden als "Ehrengäste". Kunst sei in Zeiten von Corona ein seltenes Gut geworden, so Neumann.

Mehr Informationen zur Ausstellung

Maiersreuth bei Bad Neualbenreuth
Bürgermeister Klaus Meyer (links) und Susanne Neumann hießen Künstler Daniel Spoerri vor dem Badehaus willkommen.
Viele Wanderstöcke sind mit Stocknägeln reich besetzt. Diese sind beliebte Trophäen für Wanderer und sollen an vergangene Touren erinnern.
Daniel Spoerri ist ein international tätiger Künstler, den die Waldsassener Künstlerin Susanne Neumann bereits in ihrer Studienzeit in der Toskana kennenlernte. Sie arbeitet seit vielen Jahren für ihn und ist inzwischen Vizepräsidentin seiner Stiftung.
Interessiert schauten sich die Vernissagegäste die Installation an.
Künstler Daniel Spoerri signierte auch neue Wanderstöcke, die Gäste mitgebracht hatten.
Susanne Neumann begrüßte ihr Publikum herzlich als "ihre Ehrengäste". Denn in Zeiten von Corona freue sie sich über jeden einzelnen Besucher.
Bürgermeister Klaus Meyer stellte das Kunstwerk als "weltumgreifende Installation" vor, da der Künstler die Wanderstöcke in aller Welt gesammelt habe.
Je nach Lichteinfall und Standort im Badehaus wirken die schwebenden Wanderstöcke auf den Betrachter unterschiedlich.
Dieser kunstvolle Nebeneffekt gefiel dem Bürgermeister Klaus Meyer ganz besonders: Spiegelungen der Wanderstöcke im Badehaus-Becken, das seit 25 Jahren erstmals wieder mit Wasser gefüllt worden war.
Info:
Service:

Öffnungszeiten

  • Die Installation im Badehaus Maiersreuth kann bis zum 15. August freitags, samstags und sonntags von 10 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden.
  • Erforderlich sind das Tragen einer Maske und eine namentliche Registrierung. Es gilt beim Bewegen durch das Badehaus das Einbahnstraßen-Prinzip.
  • Anmeldungen für Gruppen sind im Internet unter www.badehaus-maiersreuth.de möglich.

 

 

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