01.10.2019 - 14:40 Uhr
Lochau bei PullenreuthOberpfalz

Lieber Porzellan statt Papier

Liebevoll gestaltete, individuelle Geschenke aus handbemaltem Porzellan sind die Spezialität von Nicole Aumann. Die Künstlerin betreibt in Lochau ein kleines Porzellan-Malstüberl.

von Lena Schulze Kontakt Profil

In ihrem Arbeitsreich - dem Malstüberl, einem Dachzimmer im Eigenheim in Lochau - stellt die 49-Jährige Schmuck her oder bemalt individuell Gebrauchsgeschirr. Mit der Malfeder bringt Nicole Aumann die speziellen Porzellanfarben auf das weiße Porzellan. Die Farben bestellt die Künstlerin im Internet, als Pulver kommt es in kleinen Tütchen an. Sie mischt die blei- und cadiumfreien Farben auf Wasserbasis. "Das ist gesünder." Dazu gibt sie sogenannten "Fluss", Malöl und Wasser.

Die Linsen ("Nuggets") für den Porzellanschmuck fertigt Aumann selbst. Die flüssige Porzellanmasse gießt sie in eine Gipsform und "verschrüht" sie im Ofen bei 850 Grad. "Dann pinsel ich die Glasur drauf." Jede sehe anders aus. Dann wird das Oval nocheinmal bei 1200 Grad im Ofen gebrannt. "Das ist das Maximum, was der Ofen hergibt." Danach "verputzt" die Kunsthandwerkerin noch Grobheiten und es geht ans Bemalen.

Glassplitter-Geheimnis

Für den Schmuck verwendet die Porzellanmalerin nur Platin- und Gold- oder schwarze Farbe. Sie verrät auch eines ihrer Geheimnisse: "Wenn ich Glassplitter in die Farbe gebe, gibt es eine besondere Struktur." Sie experimentiert gerne mit verschiedenen Techniken. Neben Kettenanhängern stellt die 49-Jährige auch Ringe, Ohrhänger und -stecker sowie Armkettchen her.

Ihr Hauptgeschäft sind allerdings bemalte Schüsselchen, Teller oder Tassen für Kinder. Jedes Stück gestaltet die zweifache Mutter freihand. Mit einem weichen Bleistift zeichnet sie jedes individuelle Motiv, das sich die Kunden wünschen, auf hochwertiges Markengeschirr - ob Fische, Schiffe, Bagger, Feen, Prinzessinnen oder Frösche. Für einen Teller braucht die Porzellanmalerin etwa eineinhalb bis zwei Stunden.

Am liebsten arbeitet Aumann mit der Feder, weil sie damit ganz feine Muster und Motive zeichnen kann. Besonders das liegt der gebürtigen Waldsassenerin. "Man braucht eine sehr ruhige Hand, aber beim Zeichnen werde ich auch immer ruhiger", sagt sie. Beim Arbeiten in ihrem Malstüberl hört sie gerne Hörbücher. "Im Radio kommt irgendwann immer das gleiche", meint sie und lacht.

Seit 2013 ist die heute 49-Jährige künstlerisch selbstständig. Schon als Kind malte und bastelte Nicole Aumann mit großer Leidenschaft. Nach dem Abitur an der FOS in Weiden, Fachrichtung Gestalten, machte sie eine Designausbildung am Johann-Friedrich-Böttger-Institut in Selb. Neben Porzellanmalerei standen Kalligraphie, Aquarell und Mischtechniken auf dem Stundenplan. "Dass ich ein ,Popler' bin, habe ich während der Ausbildung gemerkt." Nach dem Abschluss 1993 arbeitete die Porzellanmalerin und Dekorentwerferin in der Porzellanmanufaktur in Mitterteich. Bald danach stand die Porzellanindustrie vor dem Aus. Aumann war dann als Grafikerin und Designerin bei verschiedenen Firmen angestellt, wie etwa bei "Ghost". Die Liebe zum Porzellan aber blieb.

Nach der Geburt ihrer beiden Söhne (neun und elf Jahre) und der Elternzeit entschied sich die kreative Frau vor sechs Jahren, es mit der Selbstständigkeit und dem Malstüberl zu versuchen und arbeitet seitdem von zu Hause aus. "Einen Tag, nachdem ich die ersten Stücke in den Onlineshop eingestellt hatte, kam die erste Bestellung", erzählt die 49-Jährige. "Das hat damals total eingeschlagen." Mittlerweile ist Aumann gut ausgelastet.

In ganz Deutschland, auch nach Österreich und in die Schweiz verkauft Aumann ihre liebevoll gestalteten, individuellen Geschenke. Zudem hat sich die Lochauerin ins "Stadelwerk", einem Laden in der Regensburger Altstadt, eingemietet. Dort werden kunsthandwerkliche Geschenke und Souvenirs angeboten. Aumanns Porzellanschmuck, Tassen und Porzellansouvenirs kommen dort gut an. "Vor allem im Sommer geht das richtig gut", weiß sie. Einmal im Monat bringt sie eine neue Lieferung.

Nach Weihnachten leer

Übers Jahr besucht die Künstlerin sechs bis acht Märkte, bei denen sie ihre Porzellankunststücke anbietet. Besonders im Herbst bereitet sich Aumann auf die Weihnachtsmärkte vor. "Danach ist das Malstüberl immer etwas leerer", erklärt sie.

Schon einige Zeit ist die 49-Jährige Mitglied im Kunsthaus Waldsassen und bei "Küko", der Künstlerkolonie im Fichtelgebirge. Bei einer Ferienprogramm-Aktion, bei der sich Kinder künstlerisch auf Porzellanfließen austoben durften, kam ihr die Idee für eine Fliesenausstellung. "Es war ein Experiment: Statt auf Papier auf Fliesen zu malen." Auf die Fliesen bannte Aumann verschiedene Köpfe. Der Ausdruck, die Emotionen der fiktiven Personen standen im Fokus. Als Kontrast dazu gab es auch Fliesen nur mit grafischen Mustern. Ausgestellt waren sie im Kunsthaus Waldsassen.

Nicole Aumann genießt die Abwechslung zwischen freiem Arbeiten und Kundenaufträgen. Auch wenn sie sich manchmal Arbeitskollegen oder ein Team um sich herum wünscht, schätzt sie die Vorteile der Selbstständigkeit. Und vor allem die kunsthandwerkliche Arbeit. "Etwas mit den Händen zu schaffen, am Ende des Tages zu sehen, was entstanden ist, löst ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit aus."

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