29.05.2019 - 11:39 Uhr
Oberpfalz

Die Kunst des Aufgebens

Manchmal ist es klüger für das Seelenleben, sich von Zielen und Projekten zu verabschieden. Bringen Sie den Mut auf, auch mal loszulassen, rät die OWZ-Glücksexpertin.

In bestimmten Lebensphasen ist es nötig, uns Freiräume zu schaffen, uns umzuorientieren oder neue Vorhaben anzugehen, da die alten nicht mehr zu uns passen oder eben keinen Sinn mehr machen.
von Autor EWAProfil

"Ich kann nicht mehr." "Der Traum ist ausgeträumt." "Das Ziel ist unrealistisch." "Das Projekt passt nicht mehr zu mir." Es gibt Situationen im Leben, in denen wir uns entscheiden müssen, ob wir nun weitermachen oder besser aufgeben. "Wer loszulassen vermag, siegt noch, wo er aufgibt", schreibt Aphoristiker Peter Rudl. Und tatsächlich kann manchmal das Aufgeben die bessere Option sein und richtig glücklich machen. Doch zunächst ist es wichtig, den Mut aufzubringen und sich für das Loslassen von ursprünglichen Zielen oder Projekten zu verabschieden.

Denn das Aufgeben wird in unserer Gesellschaft meistens nicht sehr geschätzt. Wer erfolgreich sein will, muss durchhalten, dranbleiben, darf nicht lockerlassen. Sonst gilt man schließlich als Verlierer. Meistens vergessen wir jedoch dabei, dass es manchmal tatsächlich klüger und besser für unser Seelenleben ist, wenn wir ein bestimmtes Ziel loslassen. Das heißt natürlich nicht, dass es gut ist, immer gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Doch in bestimmten Lebensphasen ist es nötig, uns Freiräume zu schaffen, uns umzuorientieren oder neue Vorhaben anzugehen, da die alten nicht mehr zu uns passen oder eben keinen Sinn mehr machen.

"Natürlich ist Ausdauer wichtig", erklärt die Züricher Psychologieprofessorin Veronika Brandstätter, die das Aufgeben von Zielen erforscht. "Sie ist die Grundvoraussetzung jeglichen Lernens. Alles, was wir können, haben wir nur gelernt, weil wir ausdauernd waren und auch bei Schwierigkeiten drangeblieben sind." Dennoch sei Ausdauer nur die eine Seite der Medaille, man könne auch zu viel Durchhaltevermögen haben. "Wenn jemand an einem Ziel klebt, obwohl es ihn immer wieder überfordert und seine Kräfte übersteigt, dann ist das kontraproduktiv."

Die Folge: Frustrationen und depressive Verstimmungen. Denken Sie einmal in Ruhe nach. Sicher fallen Ihnen auch Situationen in Ihrem Leben ein, in denen Sie gedacht haben: "Es wäre besser gewesen, wenn ich mich früher für das Aufgeben entschieden hätte. Dann hätte ich meine Energie in etwas Sinnvolleres stecken können ..." Tatsächlich halten die Psychologen das Aufgaben inzwischen für eine wichtige Fähigkeit, die uns im Leben voranbringen kann. Manchmal lohnt es sich einfach nicht einem ausgeträumten Traum hinterherzulaufen, ein Ziel zu verfolgen, das gar nicht zu einem passt, sinnlos Energie an ein Projekt zu verschwenden, das gar nicht erfolgreich sein kann.

Dann ist es wichtig, den Mut zum Aufgeben zu finden und sich neu zu orientieren. Sie haben ein ungutes Bauchgefühl, fühlen sich überfordert, unter Druck gesetzt und frustriert? Dann fragen Sie sich in Ruhe: Macht es Sinn, dieses Ziel weiterzuverfolgen? Macht es mich tatsächlich glücklich? Wenn Sie beide Fragen mit "Nein" beantworten, dann lassen Sie los. Trauen Sie sich ruhig, es ist schließlich ihr Leben. (ewa)

Mehr Rezepte zum Glück: www.onetz.de/themen/gluecksrezept

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.