07.08.2020 - 14:35 Uhr
KulmainOberpfalz

Als Weihbischof "einer von uns" geblieben

Der Geburtstag eines der ehrwürdigsten und beliebtesten Söhne der Pfarrei und Gemeinde Kulmain jährte sich heuer zum 110. Mal. Ihnen fühlte sich Weihbischof Dr. Martin Wiesend bis zu seinem Tod vor 17 Jahren eng verbunden.

von Arnold KochProfil

Die Bürgerschaft und ältere Gläubige erinnern sich noch sehr gerne an den geschätzten kirchlichen Würdenträger Martin Wiesend. Der von vielen Kulmainern unvergessene Weihbischof hätte heuer seinen 110. Geburtstag gefeiert. Der Ehrenbürger der Kommune verstarb am 7. März 2003 im Alter von 92 Jahren an seinem Alterssitz in Bamberg.

Er war keiner, der Lob und Jubilate auf seine Person gerne hörte und ohne Widerrede gelten ließ. Sein Ausspruch "Ich habe nie den Heiligen und Frommen vorgespielt, sondern ich bin, der ich bin" war für Wiesend bezeichnend. Man schätzte seine sachliche, aber doch tiefe Einstellung zum katholischen Glauben, und bewunderte seine direkte, aber zuvorkommende Art mit Leuten umzugehen. Gerade deshalb war er einer der hohen kirchlichen Würdenträger, die die Bevölkerung nicht nur wegen tiefer Gläubigkeit und verliehener Titel verehrt.

Öfter im "Schlenkerla"

Dass er "einer von uns" geblieben war, zeigte sich nicht nur bei seinen vielen Besuchen im Heimatort. Seine Volksnähe lebte er auch in seiner Bischofsheimat Bamberg. Wer sich dienstags eine Feierabendbier im bekanntesten Bamberger Rauchbierwirtshaus "Schlenkerla" gönnte, traf ihn oftmals beim Schafkopfen oder einer gemütlichen Gesprächsrunde an.

Der 1910 als Gastwirtssohn in Kulmain geborene Jubilar kam nach seinem Abitur und einem fünf Semester lang dauernden Umweg über die Universität München im Sommer 1932 zum Theologie- und Philosophiestudium nach Bamberg. Dort bereitete er sich im Priesterseminar auf sein Kirchenamt in einer Zeit vor, in der die Vorzeichen für Kirche, Volk und christliche Erziehung alles andere als gut waren.

In der Zeit seiner Priesterweihe am 31. Januar 1937 in der Bamberger Diözese durch Erzbischof Jakobus von Hauck erlebte er die Auflösung aller christlichen Jugendverbände und den Sog der menschenverachtenden nationalsozialistischen Weltanschauung. Sein Wirken führte Wiesend über kurze Stationen in Fürth, Oberailsfeld und der Pfarrei Herz Jesu in Nürnberg nach Bamberg als Präfekt ins Ottonianum, wo er der späteren Priestergeneration seine Erziehungsarbeit schenkte. Streng, mitfühlend und sportbegeistert führte und begleitete er rund 40 junge Menschen mit seinen Kollegen Direktor Hans Lenhardt und den Mitpräfekten Rudolf Nickles und Hans Kriebel ins Priesteramt.

Nürnberger Pfarrei aufgebaut

Am 1. November 1944 übernahm er in der Pfarrei Sankt Theresia in Nürnberg ein schweres Amt. Die Wohnviertel und die Kirche Sankt Theresia waren zerstört. Den schwersten Bombenangriff auf Nürnberg überlebte Wiesend im Luftschutzbunker unter der Herz-Jesu-Kirche. Er war Motor beim Aufbau der Pfarrei und wurde am 1. Juli 1962 ins Metropolitankapitel nach Bamberg gerufen, dem er 25 Jahre angehörte. Sein Wirken als Domkapitular bis 1967 und als Kapitularvikar 1976/1977 bleiben unvergessen.

Am 19. Januar 1967 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Migirpa (Tunesien) und zum Weihbischof von Bamberg. Noch im gleichen Jahr ernannte ihn seine Heimatgemeinde Kulmain zum Ehrenbürger. Die Universität Bamberg "machte" ihn 1977 zum Doktor theol. h.c.. Zwei Jahre nach seiner Pensionierung wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Trotz des Ruhestandes und seiner angeschlagenen Gesundheit stand er noch im öffentlichen und kirchlichen Leben. 1993 beging der er sein 25. Bischofsjubiläum. Mit 18 Bischöfen und rund 200 Priesterkollegen feierte Wiesend 1997 im Bamberger Dom das 60. Priesterjubiläum, ebenso am Ostermontag in und mit seiner Heimatpfarrei.

Die besondere Wertschätzung seiner Person und seines Wirkens beschrieb damals sein ehemaliger Kaplan aus Nürnberger Zeiten, der Prälat und Domkapitular Klemens Fink, in seiner Festansprache: "Wir danken Gott für dein Leben in unserer Mitte; wir bitten um dein Gebet für uns, die wir die Last des Tages noch zu tragen haben."

Vor 20 Jahren letzter Besuch

Zuletzt weihte Wiesend die Oberbrucker Ortskapelle nach deren Sanierung im Jahr 1994. Auch war er 1995 zum 80. Weihefest der Ortskirche in Oberwappenöst gekommen. Trotz angegriffener Gesundheit ließ er es sich auch nicht nehmen, bei der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses in Kulmain 1995 den Festgottesdienst zu halten. Als Sportbegeisterter unterstützte er den SV-Sportanlagenbau und gratulierte persönlich dem Kulmainer Skisport-Ass Gerd Schönfelder nach seinem Olympischen und Weltmeistererfolgen. Vertreter der Kommune und Pfarrei besuchten Wiesend zum letzten Mal am 28. April 2000 an dessen 90. Geburtstag im Rehabilitationszentrum "Fränkische Schweiz" in Ebermannstadt.

"Wir wollen nicht traurig sein, dass wir ihn nicht mehr haben, sondern dass wir ihn hatten!" Mit diesen von Geistlichem Rat Alois Albersdörfer in seinem Nachruf beschreibenden Worten des heiligen Augustinus gedachte die Heimatpfarrei und die politische Gemeinde Kulmain Mitte März 2003 in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt dem verstorbenen Weihbischof. Albersdörfers erinnerte an Wiesends Heimatverbundenheit, segensreiches Wirken und dessen sprichwörtliche Nächstenliebe. In all seinen Lebensstationen habe er seine Heimatgemeinde nie vergessen. Deshalb sei die heilige Maria zu seinem Tod am Herz-Jesu-Freitag seine Patronin gewesen.

Albersdörfer beschrieb seine eigene Primiz 1960, als ihm Wiesend am Altar das Messbuch aufschlug. "Er strahlte Ruhe aus, so dass ich mit meiner Aufregung immer ruhiger wurde. Er war für mich und für viele Menschen die Lichtgestalt unserer Zeit, geistlicher Vater und Bruder in meinem priesterlichen Leben."

Letzte Ruhestätte im Domgarten

Die politische und kirchliche Gemeinde nahm zusammen mit Fahnenabordnungen der Vereine am Requiem und der Beisetzung in Bamberg teil. Der Würdenträger war im Bamberger Dom aufgebahrt worden und fand im Kreuzgarten des Domes seine letzte Ruhestätte.

Seit 2005 erinnert am Behindertenaufgang zur rückwärtigen Pforte der Kulmainer Kirche auf dem südlichen Kirchenvorplatz ein schwarzes Kreuz mit goldenen Corpus Christi und einer Mutter Gottes an dessen Fuß an den großen Kulmainer. Das mit einer von Hand gegossenen Widmungstafel versehene Kreuz thront auf einem Basaltfindling. Als Basis des Kreuzensembles diente ein altes gusseisernes Kreuz, dass in der Hecke des Pfarrgartens bereits eingewachsen und nur mehr im Herbst nach dem Laubfall zu sehen war. Zudem hatte der Zahn der Zeit bereits kräftig an ihm genagt; Teile waren abgebrochen oder korrodiert.

Hier können Sie die Pontifikalmesse zum ersten Todestag von Weihbischof Martin Wiesend nachlesen

In gutem Zustand befanden sich jedoch der Kreuzkorpus und die Marienfigur des Kreuzes, das eine alte Inschrift mit dem Namen der Familie Wiesend trug. Im Zuge der Bauarbeiten zur Kirchensanierung wurde das Kreuz abgebaut. Die beiden Metallfiguren wurden gesäubert und zur Restauration und Vergoldung nach der Idee des damaligen Pfarrers Bernd Phillip und mit Unterstützung durch die Kirchenverwaltung nach Regensburg gebracht. Schmiedemeister Georg Sieber aus Witzlasreuth fertigte das neue Metallkreuz aus Schmiedeeisen, das auf einem Kreuzsockel aus Basaltstein gesetzt wurde. Die Tafel trägt die Inschrift: Zum Gedenken an Hochwürdigsten Herrn Martin Wiesend Weihbischof vom Bamberg; geboren am 28.04.1910 in Kulmain, verstorben am 07.03.2003 in Bamberg. R.I.P (Ruhe in Frieden).

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