21.08.2020 - 14:26 Uhr
KulmainOberpfalz

Richard Krieglsteiner war ein Mann der klaren Worte

Vor eineinhalb Jahrzehnten starb Richard Krieglsteiner im Alter von 75 Jahren. Er war ein hochgeachteter Pfarrer und Kulmainer Ehrenbürger. Seine Predigten waren legendär.

Pfarrer Richard Krieglsteiner
von Arnold KochProfil

Der Geistliche verschied nach kurzer, schwerer Krankheit vor 15 Jahren an seinem an seinem Altersruhesitz in Roding. Vier Monate nach seinem 75. Geburtstag, den er noch bei guter Gesundheit zusammen mit der Bürgerschaft von Kulmain auf Einladung der Gemeinde gefeiert hatte. Zweimal hatte er in den Monaten vor seinem Tod wegen akuter Herzbeschwerden stationär behandelt werden müssen.

Hintergrund:

"Man muss glauben"

Eine von Pfarrer Richard Krieglsteiner bei seinem Amtsantritt in Erfurt vorgetragene Geschichte berichtete von Gerhardus, der mit dem Guss der zu Ehren der Mutter Gottes geweihten Glocke beauftragt war. Dem mutlosen Gerhardus (“Meine Glocken klingen nicht mehr”) rief im Traum eine Stimme zu “Du wirst Sie gießen” und “Opfere das Liebste, was Du hast und sie wird unvergleichlich klingen”. Er glaubte, warf das Silbermedaillon mit dem Bildnis seiner Frau in die Glockenspeise und goss die Gloriosa, die mit ihrem unvergleichlichen Klang über Jahrhunderte die Gläubigen in Erfurt ruft.

“Man muss glauben und als christliche Gemeinschaft zusammenhalten, dann hat man Gott auf seiner Seite”, verdeutlichte der verstorbene Ehrenbürger und leidenschaftliche Priester.

Mit Pfarrer i.R. Richard Krieglsteiner verlor damals die politische Gemeinde nach Dr. Martin Wiesend und Dr. Michael Waffler einen weiteren Ehrenbürger. Er hinterließ eine große Lücke in den Herzen vieler Kulmainer. Krieglsteiner hatte mit seinem geistlichen Wirken, seiner stets freundlichen und zuvorkommenden Art auf Menschen zuzugehen nachhaltige Zeichen für Menschlichkeit, Brüderlichkeit und tiefe Gläubigkeit in seiner zweiten Heimat gesetzt.

Unvergessen bleiben seine freien und aus voller Überzeugung und tiefem Herzen vorgetragenen Predigten, seine unvergessliche Rhetorik und Schlagfertigkeit, die alle Gläubigen in seinen Bann zogen.

Pfarrer Krieglsteiner wurde am 5. Februar 1930 in Petlarn im Egerland geboren. Im Alter von 15 Jahren führte ihn die Vertreibung mit seiner Familie aus seiner damaligen Heimat nach Mitterteich. Es folgte das Abitur im Augustinus-Gymnasium in Weiden, das Studium in Königstein im Taunus, Erfurt, Neuzelle an der Oder. Er entschied sich 1953 mit den Worten „Dorthin muss ja auch jemand gehen“ für das Diaspora-Bistum Meißen.

1955 wurde er im Dom zu Bautzen zum Priester geweiht und feierte in Mitterteich Primiz. Es folgten Amtsstationen als Kaplan in der Oberlausitz, Sächsischen Schweiz, in Aue im Erzgebirge und in Glauchau/Sachsen. 1966 wurde er zum Pfarrer und stellvertretenden Dekan in Chemnitz ernannt. Nach zwölf Jahren ohne Ausreiseerlaubnis, auch nicht zur Beerdigung des Vaters, kehrte er 1976 nach Regensburg in den Westen zurück. Ein Jahr später übernahm er die Pfarrei Kulmain bis zu seinem Ruhestand 1998.

Seine Grußworte beim Umzug waren damals: „Ich bin der, den der Bischof geschickt hat“. Sein Wirken in der Pfarrei war stets auf das Wohl der Menschen und der Heimat im tiefen christlichen Glauben mit großer Zuneigung zur Gottesmutter ausgerichtet. Zahlreiche Kapellenneubauten und Sanierungen in Lenau, Witzlasreuth, Ölbrunn, Oberbruck, Oberwappenöst und Altensteinreuth initiierte und begleitete er. In seine Amtszeit fielen die Kirchensanierung und Pfarrhaus in Kulmain, der Ausbau und Erhalt der Ökonomiegebäude mit Martinssaal und Pfarrheim, der Um- und Ausbau des Mesnerhauses am Armesberg. Er führte den Seniorennachmittag und das monatliche Fatimafest ein. Er unterstützte und reaktivierte kirchliche Vereine wie KAB und Frauenbund, Pfadfinder und Chor. Er begleitete viele Vereinsjubiläen, Fahnenweihen, kirchliche und weltliche Feste. Stets besonders am Herzen lagen ihm die Kinder und Senioren in der Pfarrei. Sein fast wöchentlicher Besuch im Kindergarten und beim Seniorennachmittag waren für ihn Pflicht.

Als glühender Verehrer der Gottesmutter Maria ließ er den Marienbrunnen im Pfarrgarten errichten, den eine Marienstatue ziert. Er trägt seine Initialen R.K. und die des Schmiedemeisters Georg Sieber (G.S.), der die Schmiedearbeiten unentgeltlich ausführte.

Seinen Einsatz und die unzähligen Leistungen für Pfarrei und politische Gemeinde würdigte die Gemeinde mit der Ernennung zum Ehrenbürger anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2000. Seit Herbst 2002 war sein zweites Vaterhaus in Roding sein Altersruhesitz. Dort half er in der Pfarrei und der nahen Wallfahrtkirche Heilbrünnl mit und genoss seinen Lebensabend.

Das einzig Greifbare, das er als bleibende Erinnerung aus seiner Amtszeit mitnahm, war nach seinen Worten sein selbst angelegtes Sterbebuch mit 365 Seiten, die ihn stets täglich an die Kulmainer erinnerten. Ein höchstes Lob zollte er beim Abschied seinem geliebten Kirchenchor, der ihn fast ein Vierteljahrhundert gesanglich begleitete und mit ihm durchhielt. „Vergelt`s Gott an alle – Ich gehe mit einem Herzen voller Dank“ waren seine Abschiedsworte.

Welche tiefen Wurzeln ihn mit seinem letzten Wirkungsort Kulmain verbanden, zeigte Richard Krieglsteiner letztmals anlässlich seines 75. Geburtstages. „Ich freue mich riesig mit Ihnen hier in Kulmain feiern zu können; 75 Jahre sind vorbei und ich bin glücklich, mit Ihnen hier beisammen zu sein“, waren damals seine ehrlichen Worte im Haus des Gastes. Der Kulmainer Ehrenbürger verstarb einen Monat vor seinem 50. Priesterjubiläum. Sein Primizspruch hat sich bewahrheitet: „Meister ich will dir folgen, wohin Du auch gehst!“.

Das Requiem mit anschließender Beisetzung, an der viele Kulmainer Bürger und Vereine mit Fahnenabordnungen teilnahmen, umrahmte der Kulmainer Kirchenchor musikalisch. In der Grabesrede erklärte der frühere Bürgermeister Hans-Gerd Reindl: „Wir verneigen uns vor dem Lebenswerk unseres Ehrenbürgers."

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Kulmain
Der aufgebahrte Sarg mit den sterblichen Überresten von Pfarrer Richard Krieglsteiner. Viele Kulmainer begleiteten "ihren Geistlichen" auf seinem letzten Erdenweg.
Die Beisetzung von Ruhestandspfarrer Richard Krieglsteiner erfolgte im Priestergrab auf dem Friedhof in Roding.
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