02.12.2021 - 14:21 Uhr
KulmainOberpfalz

Pfarrer 1951 Geburtshelfer für Sängerbund Kulmain

Nach der coronabedingten Pause kann der Sängerbund Kulmain endlich wieder proben. Die Pandemie setzt dem Verein zu, vor allem da dieses Jahr 70-jähriges Jubiläum gefeiert werden sollte. Ein Rückblick in die Geschichte.

von Arnold KochProfil

Der Sängerbund in Kulmain hat viele Höhen und Tiefen erlebt und überstanden. Heuer feiert der Verein 70. Geburtstag. Bisher war die Überalterung die größte Herausforderung. 2020 kam eine weitere hinzu: Corona. Dabei geht es dem Sängerbund gesanglich im Vergleich mit Nachbargesangsvereinen noch relativ gut, da immer wieder eine Auffrischung gelingt. Doch das Nachwuchsproblem ist bekannt.

Singen hält jung, lustig und verbindet. Das bewiesen die Mitglieder des Sängerbundes Kulmain bei jeder Chorprobe oder Auftritt in den vergangenen sieben Jahrzehnten. Doch ab März 2020 machte die Corona-Pandemie dem Vereinsleben einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. 16 Monate lang war das Chorleben abgewürgt. Erst ab vergangenem Sommer trafen sich die 23 aktiven Sänger mit Chorleiterin Andrea Krauß im Pfarrsaal. Die Örtlichkeit gewährleistete zwar den Abstand untereinander, doch die gewohnte Nähe zum Mitsänger fehlte trotzdem.

Vorgänger namens "Harmonia"

Die aktuellen Einschränkungen durch die Pandemieauflagen trafen und treffen den Sängerbund besonders heuer, da in diesem Jahr das 70-jährige Bestehen gefeiert werden könnte. Aber eigentlich ist der Chorgesang in Kulmain viel älter. Bereits seit 116 Jahren gibt es in der Gemeinde einen Gesangsverein. Um 1905 wurde mit der "Harmonia" ein Vorgänger des heutigen Sängerbundes gegründet. An ihn erinnern heute nur noch eine Schnupftabakdose mit der Aufschrift "Gesang-Verein Harmoni Kulmain, gewidmet von G. Schwindler" sowie ein Vereinsstempel. Beide Erinnerungsstücke werden vom Vereinsvorsitzenden Günther Zwick verwahrt.

Aus den wenigen vorhandenen schriftlichen Unterlagen geht hervor, dass damals ein Lehrer namens Buckler den Chor leitete. Aus der Größe der Schnupftabakdose kann man die erhebliche Zahl der Schnupfer und Sänger nur erahnen. Wahrscheinlich kam das Vereinsleben durch den Ersten Weltkrieg zum Erlahmen. Am 14. Dezember 1928 fand die erste Wiedergründung des Gesangsvereins im Vereinslokal Weyh statt. Der bei Mitterteich geborene Geistliche Karl Forster war der Initiator und musikalische Leiter. Er erhielt als Kooperator die Erlaubnis des Ordinariats, den Chor zu leiten, bis er Jahre später ein Musikstudium aufnahm.

Mit dem Sängerbund entwickelte sich ab 1930 ein reges kulturelles Leben mit bunten Abenden, Theaterauftritten und Tanz. Das Vereinsleben erlahmte nach dem Vereinsverbot der Nationalsozialisten ab 1933 vollends. Nach den Kriegswirren wurde der Sängerbund nach zweimaligem Anlauf im Gasthaus Weyh 1951 wieder gegründet, um das Kulturgut Männerchorgesang wieder zu pflegen. Erster Vorsitzender von damals 48 Mitgliedern wurde Martin Prösl. Als Chorleiter fungierte Lehrer Alfons Zwick, der Vater des heutigen Vorsitzenden. Günther Zwick trat auf Drängen seines Vaters dem Verein 1955 bei.

Der Sängerbund war damals nach dem Fußballverein die Nummer zwei in der Vereinsliste. Die Aufnahmegebühr betrug seinerzeit zwei D-Mark, die Jahresmitgliedschaft kostete 20 Pfennig. 1952 belastete der Kauf eines gebrauchten Klaviers von Julie Zwick die Vereinskasse. Nach einer Anzahlung von 200 D-Mark stotterte der Verein den Rest von 250 D-Mark aus Festerlösen bald ab. 1966 verlegten die Sänger ihre Proben und das Vereinslokal in das Gesangszimmer im Gasthof Wiesend. Dort wird seither geprobt und miteinander gesungen. Der Verein gewann mit Gartenfesten, öffentlichen Auftritten, Gruppenkonzerten, Gesangsproben im Café Kreuzer (Daddy), Singspielen, gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Sportverein im Weyh-Saal weiter an Ansehen.

1958 brachte der erste Sportler- und Sängerball im Weyh-Saal ein volles Haus. Der gesellschaftliche Höhepunkt in der 70-jährigen Vereinsgeschichte war das 25-jährige Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe im Jahr 1976. Vom 26. bis 31. Mai feierte die gesamte Gemeinde mit den Sängern ein rauschendes Fest. Die kirchlichen Feiern zelebrierte Weihbischof Martin Wiesend mit Fahnenweihe, Fahnenjunker und Festdamen. Ehrenschirmherr war Wiesend, Schirmherr der damalige Landrat Franz Weigl.

1981 neues Klavier

Die Vereinskasse profitierte noch lange von den auf die hohe Kante gelegten Erlösen. Ab 1970 trafen sich die Sänger jährlich zum feuchtfröhlichen Ranchfest am Hösl-Weiher im Sommerheu. Der Verein pflegte engen Kontakt zu Martin Wiesend und besuchte ihn mehrmals auch mit Auftritten in Bamberg. 1981 leistete sich der Sängerbund ein neues Klavier zum Preis von umgerechnet 9000 Euro. Das von mehreren Sponsoren gut bezuschusste Instrument wurde auch der Schule im Musikraum zur Verfügung gestellt. In der Sängergruppe "Max Reger" sind seither Kulmainer Sänger vertreten. 1985 nahm der Sängerbund mit dem Kirchenchor eine Schallplatte auf und gestaltete zudem in den Folgejahren Weihnachts- und Adventsingen in der Pfarrkirche. 1991 feierte der Verein in kleinem Rahmen mit Ehrungen langjähriger Sänger 40-jähriges Bestehen. 1995 war die Gemeinschaft beim ersten Kulmainer Heimatabend mit Gesangsdarbietungen dabei. Der Sängerbund kämpft seit längerem gegen das Nachwuchsproblem und die Überalterung des Chores an, ist aber mit einigen Jüngeren besser als manche Nachbargruppen aufgestellt. Der letzte Auftritt war Anfang 2020. Die Sänger hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt.

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Hintergrund:

Chorleiter und Vorsitzende

  • Chorleiter: 1928 Kaplan Karl Forster; 1929 Lehrer Pössl; 1951 Alfons Zwick (verst. 1966); 1966 German Weber (verst. 2005); 1982 Volker Brandl (verst. 2019); 1987 Siegfried Vetter; 1992 kommissarischer Ehrenchorleiter German Weber; 1994 Jakob Gebert; seit 2002 Andrea Krauß
  • Vereinsvorsitzende: 1951 Martin Prösl (verst. 1993); 1974 Günter Zwick; 1982 Erwin Pleier (verst. 1993); 1993 Georg Schroll; 2002 Michael Schindler (verst. 2018); ab 2012 Günter Zwick
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