26.03.2020 - 10:07 Uhr
Oberpfalz

Die Krise als Chance

Wie lange dauert der Ausnahmezustand noch? Und was wird sich durch ihn verändern? Wenn wir einen Blick in die Zukunft werfen, werden wir ahnen, dass manches auch besser sein wird. Verzichten bedeutet nicht unbedingt auch Verlust, meint die OWZ-Glücksexpertin.

Die von uns, die früher vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, machen nun wieder ausgiebige Spaziergänge und fangen an, Bücher zu lesen.
von Autor EWAProfil

"Es wird nichts mehr so sein wie zuvor." Wie schon nach den Anschlägen am 11. September 2001 und zu Beginn der Finanzkrise 2008 ist dieser Satz auch in den Zeiten von Corona nun wieder überall zu lesen. Zukunftsforscher sind sich sicher: Die Welt, die wir bisher kannten, ist gerade dabei sich aufzulösen, eine Zeitenwende steht uns bevor.

Doch gibt es auch jetzt keinen Grund zur Panik, denn Krisen sind immer auch Chancen. Und diese sollten wir einfach nutzen. "Schön und gut", sagen Sie sich nun vielleicht und schütteln wieder einmal den Kopf. "Aber wie soll das denn alles weitergehen?" Sie möchten wissen, wie lange der Ausnahmezustand noch dauert - und was sich durch diesen verändern wird?

Publizist und Zukunftsforscher Matthias Horx hat hier eine wunderbare Übung gefunden, die ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte: Regnose statt Prognose. Das bedeutet: Wir werfen keinen Blick in die Zukunft, sondern einen Blick von der Zukunft zurück ins Heute. "Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020", erklärt er. "Wir sitzen in einem Straßencafé. Es ist warm, und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen. Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder besser?" Genau wie Horx bin auch ich mir sicher: Wir werden uns rückblickend ganz schön wundern.

"Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre fühlten sich viele sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam", so der Zukunftsforscher. "Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte - und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte." Denken Sie einmal in Ruhe nach, vielleicht fällt Ihnen sogar schon jetzt einiges positiv auf.

Trotz erzwungener körperlicher Distanz entsteht paradoxerweise wieder mehr Nähe. Wir haben plötzlich wieder viel mehr Kontakt zu Familienmitgliedern und Freunden, helfen Nachbarn, die wir vorher gar nicht näher kannten, sind wieder freundlicher zu anderen. Menschen, denen wir sonst meistens nur Nachrichten hinterließen, sind auf einmal wieder persönlich zu erreichen und haben Zeit. Wir kommunizieren mehr - und lernen uns viel besser kennen. Die von uns, die früher vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, machen nun wieder ausgiebige Spaziergänge und fangen damit an, Bücher zu lesen.

Aber werfen wir mit Matthias Horx noch einmal einen Blick von der Zukunft zurück ins Jetzt: "Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist."

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