12.08.2020 - 11:50 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Geschichten aus der Hängematte: Inge Härtl in Heimat und Garten verwurzelt

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Auf der Suche nach Gartenbotschaftern im Landkreis Tirschenreuth ist Kreisgartenfachberater Harald Schlöger dieses Mal in Konnersreuth fündig geworden: Inge Härtl verrät im Interview, was der Garten für sie bedeutet.

Inge Härtl nimmt in der Hängematte Platz und verrät, was der Garten für sie bedeutet.
von Christa VoglProfil

Inge Härtl steht Hand in Hand mit ihrer dreijährigen Enkeltochter Kristin am Gartentor, als Kreisgartenfachberater Harald Schlöger in Konnersreuth vor dem Haus hält. Im Gepäck die obligatorische grüne Hängematte und natürlich jede Menge Fragen. Während Schlöger das Hängemattengestell zusammenbaut und dabei interessiert von Kristin beobachtet wird, unterhalten sich der Kreisfachberater und Inge Härtl – wie könnte es anders sein: über Gärten. Durch ihre langjährige Tätigkeit im Kreisverband kennt die 64-Jährige viele Gartler und meist auch die dazugehörigen Gärten und hat schon selbst viele davon beim „Tag der offenen Gartentür“ besucht.

Zwei Dinge, so erzählt sie, seien ihr in der Vergangenheit aufgefallen: zum einen, dass Gartenliebhaber ganz besondere Menschen seien. Und zwar "besonders" im positiven Sinn. Zum anderen, dass der Garten meist auch seinen Besitzer widerspiegle. Was sie damit meint, erklärt sie gleich am eigenen Beispiel: „Ich bin kein Mensch, der zu hundert Prozent ordentlich ist, und mein Garten ist genauso: Er hat Struktur und eine gewisse Ordnung. Aber in meinem Garten dürfen auch Wildkräuter wachsen, so lange sie nicht überhand nehmen.“ Inzwischen ist die Hängematte fertig aufgebaut: Höchste Zeit also, Platz zu nehmen und sich den Fragen des Gartenfachberaters zu stellen.

ONETZ: Frau Härtl, welche Rolle spielt der Garten allgemein in Ihrem Leben?

Ingrid Härtl: Der Garten ist für mich ganz wichtig. Mein Mann und ich machen das miteinander, der Garten ist ein gemeinsames Hobby. Wir ergänzen uns, einer allein schafft das gar nicht. Seit wir beide in Rente sind, ist der Garten fast noch wichtiger geworden: Du brauchst eine Aufgabe und das ist eine sinnvolle Arbeit. Gerade auch in Coronazeiten gibt der Garten großen Halt.

ONETZ: Was macht diesen Garten aus Ihrer Sicht besonders?

Bei mir darf alles wachsen, wie es will, es darf sich alles aussamen. Und als Unterpflanzung von Büschen dürfen auch Giersch und Brennnessel wachsen. Zwischen dem Gemüse stehen zum Beispiel Ringelblumen und Akeleien, sogar wuchernde Walderdbeeren haben ihren Platz. Der Garten ist ein Stück Natur. Mein Garten ist fast wie ein Bauerngarten: man sieht Struktur, aber es herrscht keine strenge Ordnung. Das mag ich.

ONETZ: Welche persönliche Verbindung haben Sie mit dem Garten?

Wir haben 1981 den Garten selbst geplant und angelegt. Natürlich hat er sich im Laufe der Jahre verändert, unser Garten ist gewachsen, wie die Personen gewachsen sind. Mit unserem Enkelkind gibt es jetzt auch wieder einen Sandkasten und ein Spielhaus. Auch von den Pflanzen her hat sich mit den Jahren vieles verändert: Früher hatte man als Kräuter nur Petersilie und Schnittlauch. Heute gibt es Kräuterspiralen mit ganz vielen verschiedenen Pflanzen.

Auftakt der Serie "Geschichten aus der Hängematte"

Tirschenreuth

ONETZ: Was verbindet Sie mit der Region?

Ich bin hier total verwurzelt. Ich wollte nie weg und wir waren auch noch nie groß in Urlaub. Höchstens mit dem Chor in Frankreich oder Österreich. Oder einige Tage im Bayerischen Wald. Unser Urlaub war schon immer im Garten, ohne Stress. Ich bin noch nie geflogen und habe es auch nicht vor. Mir gefällt es in der Oberpfalz.

ONETZ: Gibt es Gärten in der Region, die für Sie etwas Besonderes sind und die Sie anderen Besuchern empfehlen?

Wir haben in Konnersreuth den Reslgarten, dort kann man total entspannen. Oder in Waldsassen den Naturerlebnisgarten und in Tirschenreuth den Fischhofpark. Oder den Bauerngarten des Volkskundlichen Gerätemuseums in Bergnersreuth. Wir haben es schön bei uns in der Gegend. Durch Corona kommen die Leute wieder auf die Gärten der Region zurück.

ONETZ: Welches sind die Lieblingsecken im Garten?

Genau hier, wo wir sitzen, unter dem alten Apfelbaum, ist mein absoluter Lieblingsplatz. Ich setze mich einfach her und schaue: Was für ein Schmetterling fliegt denn da? Ist das dort eine Wildbiene? Dann das Hin und Her am Starenkobel und am Meisenkasten. Du hörst die Jungen zwitschern, du siehst die Elterntiere, wie sie füttern. Ich schaue und überlege und plane.

Äbtissin Laetitia Fech erzählt was einen Garten besonders macht

Waldsassen

ONETZ: Welche Pflanzen mögen Sie besonders und vielleicht können Sie uns sagen warum?

Meine absolute Lieblingspflanze ist die Tomate. Tomaten esse ich unheimlich gern, Tomaten aus dem eigenen Garten bedeuten für mich: Sommer, Sonne, Wärme. Ich habe da auch ganz viele verschiedene Sorten: Ochsenherz, Kirschtomate, Green Zebra, Gelbes Birnchen, Kleiner Prinz. Ganz besonders mag ich alte Sorten, diese samenechten Sorten muss man ja erhalten. Saatgut für alte Sorten kaufe ich oft im Frühjahr beim Saatgutfest in Bergnersreuth. Das ist eine sehr schöne Veranstaltung.

ONETZ: Spricht Sie eine Jahreszeit im Garten besonders an?

Ich bin der totale Sommermensch. Ich glaub, dass ich im falschen Erdteil geboren bin, denn was die Wärme betrifft, gehöre ich eigentlich nach Afrika.

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Flossenbürg

ONETZ: Warum lohnt es sich für Sie, einen Garten anzulegen und mehr Zeit im Garten zu verbringen?

Es gibt nichts Schöneres, als zuzuschauen, wie etwas wächst und reift, man pflückt es dann und isst es. Es ist überhaupt nicht aufwendig, man kann es sich ganz einfach machen: Tomatenpflanzen sind beispielsweise sehr pflegeleicht. Man muss sie nicht selbst ziehen, man kann die Pflanzen kaufen, setzt sie in einen Topf oder ins Beet, gießt sie und erntet. Das ist nicht viel Arbeit, macht Spaß und macht glücklich.

ONETZ: Welche Tipps haben Sie für Gartenfreunde?

Ich habe meinen Garten schon lange, aber ich lerne immer noch dazu. Man muss sich mit anderen Leuten über den Garten unterhalten, dann erfährt man immer wieder was Neues. Ich probiere auch immer wieder Sachen aus. Zum Beispiel habe ich von einer Bekannten den Tipp bekommen, Läuse mit folgender Spritzmischung zu bekämpfen: 2 Teile Milch, 1 Teil Wasser, 1 Schuss Rapsöl. Das habe ich ausprobiert. Und: Das Rezept hat gut gewirkt, die Läuse haben es nicht ausgehalten.

Zur Person:

Inge Härtl (64) ist auf vielen Ebenen aktiv: politisch als Markträtin und Vorstandsmitglied der Frauen-Union, gesanglich in verschiedenen Chören, kirchlich als Lektorin - und gärtnerisch als Zweite Vorsitzende im Kreisverband für Gartenbau und Landespflege. Sie hat früher als Bankkauffrau gearbeitet.

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