20.10.2020 - 12:06 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Generalvikar Michael Fuchs beim Resl-Gebetstag: „Wichtig ist in dieser Zeit das Gottvertrauen“

Generalvikar Michael Fuchs führte den jüngsten Resl-Gebetstag in Konnersreuth als Hauptzelebrant und Prediger an. Dabei ging er auf die Corona-Pandemie ein, richtete seinen Blick aber auch weit in die Zukunft.

Generalvikar Michael Fuchs war Prediger und Hauptzelebrant beim Gottesdienst zum Resl-Gebetstag.
von Josef RosnerProfil

Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr hieß Generalvikar Michael Fuchs und die versammelten Gläubigen in der Pfarrkirche St. Laurentius willkommen. Leitmayr erwähnte dabei, dass Fuchs als Dekan im Jahr 2005 den Antrag zur Seligsprechung von Therese Neumann bei der Diözese eingereicht hat. "Vielleicht bist du deshalb Generalvikar geworden", sagte Pater Leitmayr humorvoll zum früheren Waldsassener Stadtpfarrer.

Mit am Altar stand noch Stadtpfarrer Ludwig Gradl aus der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Amberg, wo derzeit der Konnersreuther Bastian Neumann sein Praktikum als Neupriester absolviert. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Solistin Inge Härtl und Sebastian Greim (Orgel) umrahmt.

Bastian Neumann aus Konnersreuth will Priester werden

Konnersreuth

"Ich bin wirklich wieder gerne gekommen, vor allem aber weil wir wieder mehr den Blick auf die Kirche und den Glauben richten sollten, so wie es einst Therese Neumann vorbildlich gemacht hatte, betonte Michael Fuchs. "Gerade in dieser Zeit ist das Gottvertrauen wichtig. Wir können uns fest machen am Glauben und im Gebet."

In seiner Predigt ging der Generalvikar auch auf die aktuelle Situation der Kirche ein. "Machen wir, was wirklich zählt", forderte Fuchs. Manchmal bekomme man den Eindruck, dass nur zähle, was in Zahlen und Ziffern ausgedrückt werden kann. So werde etwa wegen der Kirchenaustritte spekuliert und man überlege, "wie viele Kirchen wir uns noch leisten können, wie viel Personal und Ehrenamtliche wir haben". Und vor lauter Zahlen sehe man nicht mehr, was wirklich zähle, so Fuchs. Therese Neumann etwa habe vorgelebt, was zähle: "Jede Blume, jeder Vogel zählt im Plan Gottes. Die Resl ist diesem Plan jeden Tag nachgegangen, hat im Kleinen das Große entdeckt", rief Fuchs in Erinnerung. ",Achtsamkeit' nennt man das heute. Und viele Menschen versuchen in unserer Zeit, mit Entschleunigung und einer neuen Aufmerksamkeit das Große in den kleinen Dingen zu entdecken."

Gott möchte Freude bereiten

Doch der Resl sei es nicht nur um das Entdecken oder ein Erlebnis gegangen. "Sie sah darin jeweils die Liebe Gottes für uns Menschen. Gott möchte uns eine Freude machen, deswegen die vielen kleinen schönen Dinge", so Fuchs. Das höre man aus ihren vielen Äußerungen und Briefen heraus. "Vielleicht sind das die vielen Steine, auf denen letztlich Kirche gebaut ist." Dazu komme noch ein weiterer Punkt: "Gott einen Platz einräumen in unserem Leben", sagte Fuchs.

Der Generalvikar gewährte den Gläubigen auch ein paar Einblicke in seinen Alltag. "Vor ein paar Tagen war ich auf dem Weg zu einer schwierigen Sitzung. Mein Kopf war ganz voll mit der Vorbereitung auf diese Sitzung, mit Argumenten und Gegenargumenten, mit Daten und Fakten, die ich brauchen könnte. Als ich aus dem Ordinariatshof herausging, kamen von links drei ziemlich stämmige junge Männer mit Glatzen, kurzen Shirts und Tätowierungen. Als sie mich entdeckten, hörte ich sie etwas mit ,Kirche' murmeln", berichtete Fuchs. Dann habe ihn einer angeschaut, kurz seine Hand gehoben und halblaut gesagt: "Gesegnet sei dein Tag!" Fuchs habe gerade noch hinterherrufen können: "Danke, ebenfalls."

Anderen Spruch erwartet

Der Generalvikar bekannte, dass er einen ganz anderen Spruch erwartet habe. "Unglaublich" und "rätselhaft" nannte er das Vorkommnis. "Ich dachte mir: Ja, diesen Segen kann ich jetzt brauchen. Aber ich muss Gott dafür auch einen Platz einräumen. Sonst kann er nicht wirken", so Fuchs. "Und ich glaube, dass dies das Leben der Resl unglaublich geprägt hat: Sie hat Gott großen Raum gegeben, sie hat auf ihn vertraut." Michael Fuchs rief dazu auf, Gott wieder einen Raum, ein Haus, zu geben: "Dort, wo wir beten können, ohne andere Nutzung des Raums, ohne Ablenkung und Zerstreuung. Nur Gott und wir."

Nicht ohne Symbolkraft seien die vielen Kirchtürme, die über die Dörfer ragen - wie ein Finger, der nach oben zeige, von wo Segen und Heil komme. "Ganz Europa ist von diesen Bildern geprägt, ob wir nach Dänemark oder Sizilien fahren." Dennoch müsse man realistisch sein. "Wir werden in den nächsten Jahren darüber nachdenken müssen, wie wir unsere Kirchen und Kapellen erhalten können." Wenn es in Deutschland in 30 Jahren nur noch halb so viele Katholiken und halb so viele Einnahmen geben werde, wie es Prognosen vorrechneten, werde es von privaten Initiativen starke Unterstützung für Gotteshäuser geben müssen. "Oder sie werden keine Gotteshäuser mehr sein."

Fuchs bemerkte, dass es in der Kirche in Deutschland häufig einen "Schicksals-Glauben" gebe, wonach alles den Bach runter gehe und man nichts dagegen machen könne. "Aber was feiern wir dann an Ostern?", fragte Fuchs. "Was feiern wir jeden Sonntag? Auferstehung! Und 50 Tage nach Ostern: Pfingsten, das Wehen und Blasen des Heiligen Geistes." Daher dürfe man mit großer Zuversicht in die Zukunft schauen. "Nicht schlechte Zahlen, nicht wacklige Wände, erst recht keine Corona-Pandemie können uns aufhalten, an der Kirche mitzubauen, die auf Jesus Christus gegründet ist. Das ist es, was uns Therese Neumann vorgelebt hat. Und das ist, was wirklich zählt."

Erstmals nach mehreren Monaten fand nach dem Gottesdienst wieder eine Lichterprozession ans Grab der Resl auf dem Friedhof statt, wo weiter um die Seligsprechung gebetet wurde.

Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr mit Ambergs Stadtpfarrer Ludwig Gradl und Generalvikar Michael Fuchs (von links).
Corona-bedingt durften 65 Gläubige am Gottesdienst zum Resl-Gebetstag in der Pfarrkirche teilnehmen.
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