25.03.2021 - 10:38 Uhr
KohlbergOberpfalz

Dunkle Gestalten im nächtlichen Wald

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In Kohlberg wird seit Generationen eine Gespenstergeschichte überliefert: "Die zwölf Apostel vom Hainbachtal" erschrecken einen Bauern fast zu Tode. Sie tragen Mönchskutten und haben kein Gesicht unter der Haube.

Selbst bei Sonnenlicht schweben manchmal am Hainbach „Nebelgeister“ über dem Wasser.
von Autor JMLProfil

"Woißt, des is so g'wiß wouer, wöi ich ejtz newer dir sitz! Döi G'schicht hout mir mei Voder a poor Mal vozöhlt, wöi ich nu a Kind woar!" Die "Bachergroußn-Else" klopfte bei diesen Worten damals bestätigend mit den Fingern auf die Tischplatte, und ihre Stimme klang sehr bestimmt. Dabei glaubte man ihr eh jedes Wort, denn sie war so eine ehrliche Haut, dass sie sich "Sind'n g'fircht häitt", würde sie lügen. Doch nun zur Geschichte der Apostel vom 'Hámbátool', wie der Hainbach im Dialekt genannt wird.

Die hat sich wohl ganz zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ereignet. Damals gab's im Ort noch kein Auto. Wer verreisen wollte, der ging oder fuhr mit dem Rad zu den Bahnstationen Röthenbach oder Weiherhammer. Bis in die 1950er Jahre hinein wurde auch an jedem Werktag die Post mit einer Pferdekutsche und im Winter mit dem Schlitten aus Weiherhammer geholt. Der Posthalter nahm dabei gerne Passagiere mit, aber eben nur einmal am Tag. Wer zur Unzeit verreiste oder ankam, der musste die etwa fünf oder sieben Kilometer halt auf Schusters Rappen hinter sich bringen.

So auch ein Bauer, der wohl in Weiden einen Viehhandel abgeschlossen hatte und abends mit der Bahn nach Röthenbach zuckelte. Vielleicht hat er sich in einem der dortigen Wirtshäuser noch ein Seidl für den Weg in die Gurgel geschüttet? Jedenfalls war es schon stockdunkel, als er sich auf den Heimweg nach Kohlberg machte. Für ein g'standenes Mannsbild wie ihn war dies kein Problem, auch wenn aus dem wolkenverhangenen Himmel leichter Regen ins Gesicht wehte und kalte Winde am Mantel zerrten.

Nächtlicher Wanderer

Es war so gegen Winterende zu. Und wer schon mal nachts im Wald unterwegs war, der weiß, wie finster es unter Bäumen sein kann. Auch dass damals die Wege nicht brettl-eben waren, kann man sich vorstellen. Daher war unser nächtlicher Wanderer richtig froh, als er in die Nähe der Thannmühle kam, wo der Forst aufhört.

Nur noch durch die Furt des kleinen Hainbachs musste er waten, dann ging es die Felder raufwärts zur "Thaahöich", dem Buckel nördlich von Kohlberg. Aber auf den letzten Metern vor dem kleinen Bächlein stockte ihm plötzlich der Schritt! Wie an einer Schnur im gleichen Abstand aufgereiht, kamen zwölf dunkle Gestalten bachaufwärts daher. Näher gekommen erkannte er Menschen in Mönchskutten, die Kapuzen über den Kopf gezogen, Arme in Gebetshaltung vor der Brust. Kein Gesicht, keine Augen, nur ein schwarzer Fleck unter der Haube. Ohne irgend ein Geräusch zog die grausige Gruppe in etlichen Metern Abstand an ihm vorbei, bis sie im Holz verschwand. Nur der Wind pfiff über die Felder.

Wehende Nebelschwaden

Bleich noch vor Angst, schlotternd und keuchend vom Heimlaufen, erzählte er im erstbesten noch beleuchteten Kohlberger Wirtshaus, was er erlebt hatte. Geglaubt wurde ihm die Geschichte erst, als später noch weitere nächtliche Heimgeher die zwölf gruseligen Gestalten gesehen haben wollten.

Da wurde dann auch die Bezeichnung "Die zwölf Apostel" für die Gespenstergruppe erfunden. Eine Erklärung, warum die Erscheinung auftrat, gibt es bis heute nicht, aber schlaue Leute erklärten bald, dass von Herbststürmen geköpfte mannshohe Baumstämme in "Zusammenarbeit" mit wehenden Nebelschwaden zu diesem Spuk geführt haben müssen.

Nachtrag: Diese Geschichte wurde im April 2001 in der Heimatzeitung gedruckt. Im Mai erreichte den Verfasser ein handgeschriebener Brief der damals 91-jährigen Viertelhofbäuerin Else Windisch: "Genauso kenne ich die Geschichte von meinem Mann und aus seiner Familie! So wie die Else sie dir erzählt hat, habe auch ich noch alle Einzelheiten dieser merkwürdigen Gestalten in Erinnerung! Mich berührt es seltsam, weil die Geschichte mich in meinem hohen Alter wieder einholt!"

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