23.12.2020 - 14:51 Uhr
KohlbergOberpfalz

Bethlehem liegt in Kohlberg

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Edith und Willibald List verwandeln jedes Jahr die gute Stube in eine weihnachtliche Szenerie mit mehreren hundert Figuren. Dafür müssen sogar etliche Möbel raus.

Willibald List betrachtet zufrieden das fertige Werk. Die Krippe bleibt zum 2. Februar stehen (Maria Lichtmess).
von Autor JMLProfil

Beim ersten Blick auf die große Krippenlandschaft im Wohnzimmer der Familie List ist der Betrachter erst einmal nur baff. Man kann sich gar nicht sattsehen, so viel ist da auf vier Ebenen liebevoll drapiert, Die Szenerie nimmt mehrere Quadratmeter in einer Raumecke ein. „Das Hauptstockwerk bleibt jedes Jahr, denn du musst da ein System drin haben. Alles andere drumherum wird immer wieder neu arrangiert", erklärt Willibald List.

Das heißt, dass wöchentlich die Schwerpunkte wechseln, von der Verkündigung des Erzengels an die Jungfrau Maria, über die Wanderung nach Bethlehem, den Stall an Weihnachten, die Hirten und anbetenden Weisen bis zur Flucht nach Ägypten. Dafür steht die Krippe auch von Anfang Advent bis zum Ende der kirchlichen Weihnachtszeit an Maria Lichtmess am 2. Februar im Zimmer. Aber bis es so weit ist, liegt jede Menge Arbeit an.

Mehrere Tage Aufbau

„Die Moospolster hole ich jedes Jahr neu“, informiert der Hausherr. Dazu kommen Steine, Rinden, Flechten, Aststücke und Schwämme mit aus den Vorjahren. Edith List: „Ich bin nur der Handlanger, mein Mann stellt alles auf. Aber das Wohnzimmer schaut dann manchmal aus, wie eine Altpapierhalde - wegen der vielen Schachteln!“ Als reine Aufbauzeit schätzen die beiden etwa 40 Stunden, verteilt über mehrere Tage. „Und jedes Jahr ist die Spannung groß, bis alles fix und fertig dasteht“, lacht die Hausfrau.

Alles, das sind etwa 80 Personen, die Engel, 120 Schafe und viele andere Tiere wie Rehe, Gänse, Ziegen, Hirsche, Hühner und mehr. Natürlich auch Ochse, Esel, der Elefant, Pferd und das Kamel der Heiligen Drei Könige. Dazu eine Menge Häuser, Türme, Ställe und sogar eine Mühle, bei der echtes Wasser über das Mühlrad läuft.

Ein Mix aus Baustilen

Die Baustile sind ein Mix aus orientalischer, alpenländischer und Oberpfälzer Bauweise, ebenso die selbst gemalte Hintergrundlandschaft. Besonders stolz ist List auf einige Teile in Eigenfertigung, wie den Hochsitz für den Jäger und etliche Tiere. Die Holzfiguren wurden als Rohlinge vorgefräst und sind von Hand bemalt. Einige der Häuser stammen vom Krippenbauer Bernhard Kraus.

Auf die Frage, wie sie zu ihrer Krippen-Liebhaberei gekommen sind, schmunzeln beide. „Seit 20 Jahren machen wir Urlaub am gleichen Ort, in einem Bergbauernhof bei Bozen in Südtirol. Und da hat es begonnen!“ Die meisten ihrer Figuren stammen von dort und jedes Jahr kommen welche dazu. „Jede Figur, die wir gekauft haben, hat natürlich ihren Preis. Allein die Heiligen Drei Könige kosteten damals 1500 D-Mark“, sagt Edith List.

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Figuren von Wert

Jedes Teil und jede Figur hätten ihre eigene Geschichte. „Mein Lieblingshirte muss immer im Vordergrund stehen, damit man ihn gleich sieht“, lacht sie. Die ältesten Krippenfigueren stammen noch von den Eltern des Ehepaars und sind aus Pappmaché. „Die sind mittlerweile fast so teuer, wie Holzfiguren“, erklärt Willibald List. Ihr ideeller Wert ist für das Ehepaar und die Familie sowieso unbezahlbar.

„Nachbarn und Freunde kommen jedes Jahr und bestaunen, was wir mit Liebe wieder aufgebaut haben“, sagen sie. „Auch unser Pfarrer Schlagenhaufer war fast immer da. Der hat sich vor die Krippe hingekniet und alles ganz lange und genau angeschaut, ist fast in die Szenen hinein geschlüpft." Die Krippe wurde seit ihrer Hochzeit 1980 fast jedes Jahr aufgebaut. „An Weihnachten gehört sie einfach mit in das Wohnzimmer.“

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