15.07.2021 - 14:35 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Seltener Flugfeld-Löschfahrzeug-Oldtimer zieht Blicke in Königstein auf sich

Für die Sitzung des Rotary Clubs Auerbach in Königstein hatte Präsident Marko Reiter ein besonderes Erlebnis organisiert. In Königstein fuhr plötzlich ein Flugfeld-Löschfahrzeug-Oldtimer aus dem Truppenübungsplatz vor.

Seltener Besuch beim Rotary-Club Auerbach.
von Jürgen LeißnerProfil

Einige Auerbacher Rotary-Club-Mitglieder waren dem Aufruf ihres Präsidenten Marko Reiter gefolgt. Sie kamen zum ersten Präsenz-Meeting mit ihren Oldtimern. Dabei waren ein Fendt Dieselrossschlepper und ein Pinzgauer aus Österreich, aber auch Sportwagen. Reiters Freund, Feuerwehr-Liebhaber Michael Haberland aus Altenplos im Landkreis Bayreuth, hatte bei einer Online-Auktion der US-Arme vor drei Jahren ein Flugfeldlöschfahrzeug Baujahr 1983 aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr erworben. Die außergewöhnliche Geschichte bis zum Erwerb des roten Boliden brachte Haberland den Mitgliedern des Rotary-Clubs in einem Vortrag unter dem Motto "Jeder braucht seine Last(er)" näher.

Michael Haberland ist seit 32 Jahren selbständiger Informatiker und arbeitete teilweise nahezu 80 Stunden wöchentlich. Im Jahr 2014 beschloss er, etwas herunterzufahren, um wieder mehr Zeit mit Frau und Kindern verbringen zu können. Auf der Suche nach einer Idee für den perfekten gemeinsamen Zeitvertreib, antwortete sein damals zwölfjähriger Sohn: ein Geländewagen. Seine Frau habe damals nur gesagt: "Macht das, was euch Spaß macht." Ein paar Tage später stand bereits ein ehemaliger Unimog der Bundeswehr vor dem Haus. Als in einem Sandbruch bei Leipzig auch Haberlands Frau Gefallen am Offroadfahren fand, musste ein zweites Fahrzeug angeschafft werden. Ein baugleicher Unimog war nicht mehr aufzufinden. Es wurde ein Fünf-Tonner-Lkw der Bundeswehr. Haberland macht dafür extra noch den erforderlichen Führerschein.

Von Sammelleidenschaft gepackt

Einen Pinzgauer aus Österreich und drei T3-Busse später, war die Sammelleidenschaft perfekt. Die Fahrzeuge wurden in Eigenregie restauriert. Und nach einigen Outdoor-Urlauben war die Familie wieder enger zusammengewachsen. Mit der Folge: Ein richtiges Abschluss-Highlight musste her. Im Internet durchstöberte die Familie Auktionsseiten. Dann wurde Michael Haberland auf einer Auktionsseite der US-Armee auf ein 16,5-Tonnen schweres Flugfeldlöschfahrzeug aufmerksam. Das Fahrzeug mit dem Fahrgestell der Firma Faun aus dem mittelfränkischen Lauf erhielt seinerzeit einen feuerwehrtechnischen Aufbau der Arbeitsgemeinschaft der Firmen Bachert und Ziegler.

Ausgestattet mit einem 320 PS Motor, mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 110 Stundenkilometer, mit Wasserwerfer auf dem Dach und einem 3500 Liter fassenden Wassertank ist der rote Bolide eines von lediglich 200 Fahrzeugen dieser Art weltweit. Die ersten fünf Jahre seiner Lebenszeit war der Oldtimer auf dem Flugfeld des US-Truppenübungsplatzes in Grafenwöhr eingesetzt. Die weiteren Jahre bis zu seiner Außerdienststellung 2018 verbrachte das mittlerweile 38 Jahre alte Löschfahrzeug den Einsatzdienst im Fire Department Vilseck im Südlager.

Komplizierter Kauf

Doch dann begannen für die Familie Haberland die Hürden zu wachsen. Das Fahrzeug hatte bayerischen Boden noch nie verlassen, musste aber offiziell aus den USA importiert werden, obwohl es beim Verkauf deutschen Boden nicht verlassen würde. Nach langen Gesprächen mit dem Zoll war die erste Herausforderung gemeistert. Doch dann war da noch die Überbreite. Nach etlichen Telefonaten stand auch die Ausnahmegenehmigung fest. Vorbehaltlich einer TÜV-Zusage. Zudem klärte Haberland noch die Ersatzteilversorgung beim Hersteller ab. Das Ergebnis: Mit Ausnahme des Fahrersitzes gibt es noch alles im Original. Der Familienrat tagte, setzte sich eine Preisobergrenze und am Tag der Auktion erhielten die Haberlands den Zuschlag. Mit Kanister voller Sprit und Öl ging es nach Vilseck zur Abholung. Den Kauf bezeichnet die Familie Haberland im Nachhinein als "vollkommen ungeplant" und "unsinnig", aber "einfach schön".

Aber was macht man nun mit so einem Fahrzeug? Vielleicht könnte die Ortsfeuerwehr davon einen Mehrwert haben. Haberland nahm Kontakt zum Kommandanten der Feuerwehr Altenplos auf. Dieser war sofort begeistert. Das Fahrzeug könne bei Wald- und Vegetationsbränden eingesetzt werden. Als Quereinsteiger absolvierte Michael Haberland die feuerwehrtechnische Grundausbildung. 2019 war das Flugfeldlöschfahrzeug bei zwölf Einsätzen mit eingebunden.

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