10.03.2021 - 15:54 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Seit 300 Jahren Familientradition zur Brotzeit in Königstein

Der Gründer der Bäckerei Roth braute auch Bier, und einer seiner Nachfolger machte Eis zum Verkaufsschlager. Eine saisonale Spezialität des Hauses ist seit 1721 geblieben und noch bis 13. März zu haben.

Das Bäcker-Uller-Haus um das Jahr 1913. Seine Größe und das äußeres Erscheinungsbild haben sich im Lauf von 300 Jahren, in denen die Bäckerei Roth besteht, mehrmals gewandelt.
von Heidi KurzProfil

Die Bäckerei Roth feiert heuer ihr 300-jähriges Jubiläum. Über der Eingangstür macht es eine Hausinschrift aus dem Jahr 1721 sichtbar. Sie zeigt nicht nur das Gründungsjahr, sondern auch eine Breze als Bäckerzeichen und die Anfangsbuchstaben des Gründers Lorenz Orth.

Der Stammvater des Familienbetriebs war nicht nur Bäcker, sondern auch Brauer. Diese Berufe ergänzten sich wunderbar. Zu der damaligen Zeit fehlte es nämlich an Backhefe. Ein möglicher Ersatz war Bierhefe, die Lorenz Orth als Brauer schnell zur Hand hatte. Sein Bier stellte er im Kommunbrauhaus her und schenkte es in seiner Kommunwirtschaft aus. Glaubt man Quellen aus jener Zeit, war bei ihm besonders viel los, weil er auch frische Spitzel auf den Tisch brachte. Die Gäste tauchten sie in Salz und ließen sie sich zum Bier schmecken.

Fünf Bäckereien gab es vor 300 Jahren in Königstein, von denen sich nur die Bäckerei Roth gehalten hat. Jeder kennt sie unter den Hausnamen „Bäcker-Uller“, der auf Ulrich Orth (1772 – 1835) verweist, seines Zeichens Weißbäckermeister in Königstein.

Die besondere Spezialität des Betriebs sind seit 300 Jahren die Faschingsbrezen, die es nur von Heilig-Dreikönig bis nach Fasching gibt und die sich größter Beliebtheit erfreuen. Bis 13. März sind diese Brezen täglich außer montags zu haben. Alle Arbeitsgänge werden von Hand gemacht. Früher wurden diese Brezen von Frauen mit Buckelkörben in die Dörfer getragen und verkauft. Oft liefen ihnen die Kinder hinterher, weil die Brezen einen herrlichen Duft verströmten.

Unvergessen ist auch das gute Speiseeis, das der Bäcker-Uller selber herstellte. 1960 kaufte Johann Roth eine Eismaschine, die zwei Sorten Milcheis herstellen konnte. Damit belieferte er zuerst die Königsteiner Gaststätten, und später verkaufte er es auch in der Bäckerei für 10 Pfennig pro Eiskugel, was reißenden Absatz fand.

Eine Besonderheit wissen ältere Königsteiner aus der Adventszeit zu berichten. Da die Frauen zu Hause keine Backröhren besaßen, die groß genug für ihre Christstollen gewesen wären, trugen sie diese in Wäschekörben zur Bäckerei. Gegen einen Back-Lohn wurden sie dort in den Ofen geschoben.

Nachdem der Erbe der Bäckerei, Theodor Orth, im Zweiten Weltkrieg den Tod gefunden hatte, übernahm seine Schwester Kunigunde Orth den Familienbetrieb. Durch ihre Heirat 1950 mit Johann Leonhard Roth änderte sich der Nachname. Dennoch ist es dieselbe Familie, die seit 300 Jahren die Bäckerei in der inzwischen zehnten Generation betreibt. Das Haus ist ebenfalls schon 300 Jahre alt, wurde aber mehrfach umgebaut, aufgestockt und modernisiert. 1999 wurde der Bäckerladen vergrößert. An einem der Stehtische ein Stück Gebäck und eine Tasse Kaffee zu genießen, lässt derzeit allerdings die Corona-Pandemie nicht zu.

Die Inschrift mit der Breze am Haus verweist auf das Jahr 1721.

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Königstein

 

 

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