22.07.2021 - 16:19 Uhr
Köglitz bei KemnathOberpfalz

Pferdestall-Krieg bei Kemnath: Nur noch Geldstrafe nach Auto-Attacke auf Radfahrerin

Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht. Anfangs stand sogar ein versuchtes Tötungsdelikt im Raum. Jetzt - in zweiter Instanz - kassiert eine Autofahrerin (39) nur noch eine Geldstrafe. Sie soll eine Rivalin auf dem Rad umgefahren haben.

Angeklagte und Opfer teilten die Leidenschaft für Pferde.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Ein ungewöhnlicher Fall kam noch einmal auf den Tisch der Weidener Justiz. 2018 hatte eine Pferdenärrin eine vermeintliche Kontrahentin (beide 36) umgefahren. Sie hatte mit dem Auto die Radfahrerin auf einer Ortsstraße in Köglitz bei Kemnath zu Fall gebracht. Laut Psychiater leidet sie an einer Persönlichkeitsstörung, die dazu führt, dass sie sich grundlos Feinde einbildet.

Ein zweiter Prozess war nötig geworden, nachdem der Bundesgerichtshof das erste Urteil aus formalen Gründen aufgehoben hatte. Jetzt entschied eine andere Strafkammer, diesmal unter Vorsitz von Richter Josef Weidensteiner. Keine leichte Aufgabe: Die Angeklagte schweigt. Und das Opfer lebt nicht mehr. Zur Gerichtsverhandlung kamen ihre Eltern.

Am Ende fiel das neue Urteil milder aus: Aus der vorsätzlichen wurde ein fahrlässige Körperverletzung mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort. Für die 39-jährige Angeklagte gab es eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 30 Euro. In erster Instanz hatte das Gericht noch zwei Jahre Haft auf Bewährung mit der Auflage einer psychiatrischen Behandlung verhängt.

Kurz zur Vorgeschichte: Die Frauen kannten sich schon seit der Schulzeit. Die Angeklagte unterhielt einen Pferdestall im kleinen Ort bei Kemnath. In unmittelbarer Nachbarschaft baute sich das spätere Opfer ebenfalls eine Stallung auf. Für die Arzthelferin war es ein "Lebenstraum". Sie hatte sich nach einem Unfall und etlichen Operationen etwas Gutes tun wollen.

Traum gerät zum Alptraum

Der Traum geriet zum Alptraum. Matthias Bauer, einer der erstinstanzlichen Richter, erinnert sich im Zeugenstand noch gut an die Aussage des Opfers. Der "Terror" habe mit Beleidigungen begonnen, üblen Gesten im Vorbeifahren, Ausbremsen auf der Bundesstraße. "Beim Pflanzen einer Hecke richtete die Angeklagte den Wasserschlauch auf sie", zählt Bauer auf. Einmal habe die Angeklagte mit dem Auto auf einen Vermessungsbeamten zugehalten, der sich mit einem Sprung zur Seite rettete. Bauer erinnert sich an eine Drohung der Angeklagten: "Ich gebe nicht eher einen Frieden, als bis du am Friedhof bist." Mit Erschrecken, so Bauer, habe er vernommen, dass die Geschädigte 2020 tatsächlich - aus anderem Grund - verstorben ist.

Am Tag der Tat trafen die beiden an einer T-Kreuzung aufeinander. Laut Bauer hatte die Geschädigte berichtet, dass die Angeklagte mit Vollgas auf sie zufuhr. Sie sei mit dem Rad über die Motorhaube in den Graben geschleudert worden. Fest steht: Das Auto hat das Rad touchiert. Es liegen zwei Gutachten des Landeskriminalamtes vor. Am Hinterrad des Fahrrads fand sich Lack des Skodas.

Kein härteres Urteil möglich

Letztlich sah es das Gericht aber als nicht nachweisbar an, dass die Angeklagte die Radfahrerin bewusst angefahren hat. In erster Instanz hatte die Angeklagte per Verteidigererklärung gestanden. Dieses Geständnis konnte nicht verwertet werden, da das erste Urteil aufgehoben ist. Ein härtere Bestrafung wäre ohnehin nicht möglich gewesen. In der Revision gilt "Verschlechterungsverbot". Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Denn auch dieses Urteil geht nach Karlsruhe: Beide - Staatsanwalt und Angeklagte - haben Revision eingelegt.

Das erste Urteil vor dem Landgericht Weiden: 2 Jahre Haft auf Bewährung

Kemnath

BGH hebt Urteil auf

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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