21.06.2020 - 12:15 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Volksschule: Kippen die Neubaupläne?

Ein Bürgerbegehren durchkreuzt möglicherweise die bisherigen Pläne für den Schulhausneubau und lässt die Kostenschätzung des Architekten in den Hintergrund treten. Zweifel bestehen zudem an der Vollständigkeit der Kosten-Kalkulation

Auf 7,5 Millionen Euro schätzt Architekt Reinhard Bauer (links) die Kosten für den Neubau der Grund- und Teilmittelschule und der offenen Ganztagsschule
von Robert DotzauerProfil

Voruntersuchungen, Realisierungswettbewerb, öffentliche Vorstellung der Wettbwerbsergebnisse, Planungsbesprechungen mit Fachleuten und Regierungsbertretern, Pädagogen, Elternbeirat und Marktgemeinderat: das Thema Schulhaus-Neubau elektrisiert. Das weiß auch Bürgermeister Jürgen Kürzinger. „Viele Institutionen wurden in den bisherigen Planungs- und Entscheidungsprozess eingebunden“, betonte der Rathauschef in einer Sondersitzung des Marktgemeinderats. Der wartete auf eine erste detaillierte Kostenschätzung von Architekt Reinhard Bauer aus München.

Etwa 7,5 Millionen Euro

Als Wettbewerbssieger stellte der Planer schon zu Beginn seiner Erläuterungen klar „Die Kostenschätzung ist kein Zauberwerk, weil sie sich an einheitlichen Qualitätsstandards und Durchschnittspreisen orientiert.“ Von dieser Betrachtungsweise einer „intensiven Lern- und Lebensgemeinschaft Schule“ ausgehend kam Architekt Bauer auf eine Kostenschätzung von zirka 7,5 Millionen Euro. Aus dieser Schätzung entwickle sich in der Fortschreibung das Instrument der Kostenberechnung. „Kein Architekt der Welt kann allerdings diesen Betrag auf den Euro genau berechnen“, schränkte der Planer ein.

Unter "Coronaschutz-Bedingungen" voll besetzt ist der Zuhörerbereich der Turnhalle bei der Sondersitzung des Marktgemeinderates. Angeführt von Schulleiterin Andrea Wolfram und Elternbeiratsvorsitzenden Gerd Kaufmann ist auch die Schulfamilie stark vertreten

Die Endsumme setzt sich aus Kosten für die Grund- und Teilmittelschule in Höhe von knapp 5,8 Millionen Euro und für die offene Ganzgtagsschule (OGS) von 1,7 Millionen Euro zusammen. In den Gesamtkosten enthalten sind eine sogenannte Aufbereitungsküche für die OGS, erläuterte der Architekt auf Nachfrage von Richard Götz. Als unrealistisch bezeichnete Bürgermeister Jürgen Kürzinger die Einrichtung einer Vollküche. Dennoch sei für die prognostizierten 60 bis 70 Schüler die Ausgabe von Mittagessen gewährleistet. Diese Meinung vertrete auch die Regierung der Oberpfalz. In der Kostenschätzung enthalten sei zudem eine teilweise neue Ausstattung der Schulräume. „Versüßt“ wird der Marktgemeinde das Schulprojekt mit einem stattlichen Zuschuss. Bürgermeister Jürgen Kürzinger rechnet auf der Basis des Raumprogrammes mit einer Förderung des Freistaates von zirka 4 Millionen Euro.

Abbruch nicht betrachtet

Kürzinger plädierte für eine zukunftsorientierte digitale Ausstattung und für eine Eins-zu-Eins-Mitnahme neuwertiger Einrichtungsgegenstände aus der alten Schule. Auf Nachfrage von drittem Bürgermeister Alexander Schatz verwies Bauer auf das Fehlen einer Kostenschätzung für den Abbruch der alten Schulgebäude. Diese Berechnung sei nicht Gegenstand des Neubauprojekts, so der Architekt. Dennoch wünschte sich Daniel Götz einen Kostenansatz für den Abriss. Der sei nur nach einer eingehenden Bestandsuntersuchung möglich, erwiderte Bauer.

Weitere Rückfragen aus dem Gremium betrafen die unsichere Kostenentwicklung mit Blick auf die Coronakrise. Zweiter Bürgermeister Ewald Plößner mutmaßte: „Da wird es noch viele Überraschungen einschließlich Kostensteigerungen geben.“ Der Planer schloss diese Entwicklung nicht aus. Die Kostenschätzung orientiere sich am aktuellen Preisindex. Welche Baupreise es in der Ausschreibungsphase gebe, sei derzeit nicht vorhersehbar. Reinhard Bauer verwies zudem auf den „Faktor Mensch“. Erfahrungsgemäß gebe es während einer Bauphase noch viele Sonderwünsche. Nach Fertigstellung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung im Laufe des Jahres 2021 und nach Abklärung des staatlichen Förderkontingents rechnet Bauer mit einem Baubeginn spätestens im Frühjahr 2022. Ein erster Bauzeitenplan sieht die Fertigstellung bis zum Schuljahresbeginn 2023/24 vor.

Kommt ein Bürgerentscheid?

Für erhebliche Unruhe sorgten im nächsten Tagesordnungspunkt Informationen des Bürgermeisters zum Eingang eines Bürgerbegehrens. Jürgen Kürzinger berichtete von 630 gültigen Unterschriften zu den Fragestellungen: „Sind Sie dafür, dass die bestehenden Schulgebäude und das Elisabethenheim dauerhaft erhalten bleiben und nicht abgerissen werden“ und „Sollte der Neubau einer Schule zum Tragen kommen, sollten diese Gebäude einer sinnvollen Nutzung für soziale und kulturelle Zwecke zugeführt werden?“ Kürzinger verwies auf klärende Prüfungen und stellte in Aussicht, dass es Entscheidung über die Zulässigkeit des folgenden Bürgerentscheides in der nächsten Ratssitzung am 1. Juli fallen könnte. Sorge bereitet dem Rathauschef eine dadurch mögliche Verzögerung beim Schulhaus-Neubau. „Wir alle stehen in der Verantwortung“, bemerkte der Bürgermeister vielsagend. Schlimmstenfalls drohe sogar ein Scheitern der Neubau-Pläne, hieß es aus Elternkreisen.

In der Gemeinde stehen hohe Investitionen an

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