23.10.2020 - 16:35 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Ursachenforscher und Feinhandwerker

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Der Osteopath nimmt sich Zeit, um dem Problem seines Patienten auf den Grund zu gehen. Mit den Händen ertastet er Bewegungseinschränkungen im Körper, Verspannungen und auch Blockaden. Dabei geht es aber nicht ausschließlich um Knochen und Gelenke, sondern auch um die inneren Organe.

.Die osteopathische Behandlung erfolgt ausschließlich mit den Händen und im Normalfall ganz ohne Medikamente oder den Einsatz von Instrumenten.
von Christa VoglProfil

Homöopathie, Schüßler-Salze, Traditionelle Chinesische Medizin, Entspannungstechniken, Ayurveda, Bachblütentherapie: Dies alles zählt zur Alternativmedizin, sie will Alternativen zur klassischen Schulmedizin und zu chemisch hergestellten Medikamenten bieten. Seit ungefähr 20 Jahren macht die Osteopathie von sich reden. Dabei ist der Begriff "Osteopathie" selbst nicht unbedingt aussagekräftig: Er leitet sich vom Altgriechischen ab: "ostéon" auf deutsch "Knochen" und "páthos" auf deutsch "Leiden" oder "Krankheit" ab. Also Knochenleiden? Knochenkrankheit? Probleme mit den Knochen?

"Osteopathie betrifft nicht nur die Knochen", sagt Georg Schöner, der seit 25 Jahren in Thurndorf bei Kirchenthumbach und in Bad Alexandersbad praktiziert. Der 66-Jährige ist Heilpraktiker, Osteopath, Leiter einer Akademie für Osteopathie und auch Vorsitzender des 3000 Mitglieder zählenden Bundesverbands Osteopathie, kurz BVO. "Mit Osteopathie lassen sich neben dem Bewegungsapparat und den inneren Organen auch das Nerven- und Gefäßsystem behandeln." Die Behandlung erfolge dabei ausschließlich mit den Händen und im Normalfall ganz ohne Medikamente oder den Einsatz von Instrumenten. Schöner: "Wir Osteopathen und Osteopathinnen sind Ursachenforscher und Feinhandwerker."

Woher kommt der Schmerz?

Warum Ursachenforscher? Schöner veranschaulicht den Begriff mit einem Beispiel. "Nehmen wir einen Patienten, der mit Knieschmerzen zu mir in die Praxis kommt." Es sei wichtig herauszufinden, woher der Schmerz genau komme, was das Grundproblem sei. Und er nehme sich viel Zeit, um das herauszufinden. Zuerst mit einem ausführlichen Gespräch. Ihn als Osteopath treibe dabei immer dieselbe Frage um: Warum tut das Knie gerade jetzt weh? Und woher kommt das? Denn - um beim Kniegelenk zu bleiben - Ursache von Knieproblemen sei nicht immer ein aktueller Sturz oder eine Zerrung. Ursachen dafür könnten ebenso angeborene Beckenfehlstellungen, Hüftschäden, ein Unfall, der weit in der Vergangenheit liegt, oder auch ein Nierenproblem sein. Dies alles gelte es so detailliert wie möglich im Gespräch zu erforschen: Der Mensch wird dabei ganzheitlich betrachtet.

Und warum Feinhandwerker? Schöner erklärt das so: Nach dem Gespräch mit dem Patienten folgt die Untersuchung. "Ich bin mit meinen Händen zugange und versuche auf diesem Weg herauszufinden, wo das Grundproblem liegt." Das heißt: Mit den Händen will der Osteopath Bewegungseinschränkungen im Körper, Verspannungen und auch Blockaden ertasten. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Knochen und Gelenke. Im Zentrum der Untersuchung stehen ebenso innere Organe, denn auch sie, so erläutert der Osteopath, benötigen ein gewisses Maß an Beweglichkeit. Sei diese Beweglichkeit eingeschränkt, egal ob bei der Niere oder in der Hüfte, so versuche er, diese Blockaden zu lösen. Mit sanftem Druck und Dehnungen. Ziel ist es, durch manuelle Impulse im Körper einen Selbstheilungsprozess in Gang zu setzen. Am Ende dieses Prozesses soll die Mobilität des Körpers wiederhergestellt sein.

Wissenschaftliche Belege fehlen

Obwohl sich Osteopathie wachsender Beliebtheit bei den Patienten erfreut - einer Forsa-Umfrage aus 2018 zufolge hatte jeder fünfte Bundesbürger bereits einen Termin beim Osteopathen - gibt es auch zahlreiche Kritiker. Ihre Argumente, die gegen diese Form der Alternativmedizin sprechen: Es fehlen wissenschaftliche Belege, es gibt zu wenige Studien, die die Wirksamkeit des Verfahrens belegen könnten, "nicht evidenzbasiert" heißt hier der Fachbegriff. Daher verwundert es nicht, dass die "Osteopathische Medizin", die 1885 vom amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet wurde, keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Allerdings beteiligen sich inzwischen viele private und gesetzliche Kassen an den entstandenen Kosten über eine freiwillige Zusatzleistung. Damit der Patient diese Erstattung erhält, muss der Osteopath im Normalfall bestimmte Bedingungen erfüllen. Zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem anerkannten osteopathischen Berufsverband, aber auch einen Qualifikationsnachweis.

Denn Osteopath als Beruf ist nicht staatlich anerkannt und daher gibt es auch keine verbindliche Ausbildung. Aus diesem Grund rät Schöner allen, die einen Osteopathen aufsuchen, ganz unverblümt nach dessen Ausbildung zu fragen. Denn: "Auch bei uns gibt es schwarze Schafe, wie in vielen anderen Berufen auch." Berufsbegleitend beinhalte eine fundierte Ausbildung 1350 Unterrichtsstunden, in Vollzeit seien es mindestens 5000 Stunden.

Osteopathen behandeln ein großes Spektrum an Krankheiten, von Migräneattacken über Rückenprobleme, bis hin zu Babys, die von Blähungen gequält werden. Allerdings verhehlt der Vorsitzende des BVO auch nicht, dass der osteopathischen Behandlung Grenzen gesetzt sind, die es zu erkennen und zu respektieren gilt.

Er betont auch, dass die Osteopathie oft Hand in Hand mit der Schulmedizin geht. Die Rede ist von Komplementärmedizin: zum Beispiel bei Krebspatienten, denen durch die Osteopathie nur Linderung verschafft werden kann. Oder bei Kindern mit Down-Syndrom, die trotz regelmäßiger Behandlung nur kleinste Fortschritte machen. Schöner sagt: "Wir können in diesen Fällen nur unterstützen und dazu beitragen, dass eine Krankheit milder verläuft und die Patienten ein etwas entspannteres Leben haben."

Behandlung auf Rechnung

Zeit spielt bei der Behandlung eine sehr große Rolle. Für einen Haus- oder Facharzt, der in seiner Praxis Patienten behandelt und gezwungen ist, die Behandlungsdauer minuziös abzurechnen, ist Zeit erfahrungsgemäß sehr knapp. Verglichen mit ihnen nehmen sich Osteopathen für ihre Patienten viel Zeit - und sie haben auch Zeit, denn diese stellen sie ihren Patienten für die Behandlung in Rechnung. Üblicherweise zwischen 60 und 120 Euro pro Stunde. Doch davon und auch vom Argument der Kritiker - dem fehlenden wissenschaftlichen Nachweis zur Wirksamkeit der Behandlung - scheinen sich Patienten heutzutage nicht beeindrucken zu lassen: Osteopathie boomt.

Georg Schöner ist Heilpraktiker und Vorsitzender des Bundesverbands Osteopathie (BVO).
Gesundheitstipps:

Gute Nahrungsmittel und in Bewegung bleiben

"Mein Tipp: in Bewegung bleiben, das ist das Wichtigste", sagt Georg Schöner. "Dabei auch ruhig mal ein bisschen an die Schmerzgrenze gehen. Viele Leute meiden die Bewegung, wenn sie Schmerzen haben." Zu alt für ein bisschen Bewegung sei man nie. "Mein Großvater ist mit 99 Jahren noch spazieren gegangen. Auch wenn es keine weiten Strecken mehr waren, aber er ist gegangen." Ganz wichtig seien auch gute Nahrungsmittel. "Wo kommt die Nahrung her? Was wird den Tieren gefüttert? Einfach gezielt nachfragen. Denn gegen Fleisch ist nichts einzuwenden, aber man muss wissen, woher es kommt. Wenn das Putenschnitzel aus einem Stall mit 5000 Puten kommt, da kann ich mir ausrechnen, wie viele Medikamente notwendig sind, um sie groß zu kriegen. Und diese Medikamente landen dann auch in unserem Körper." (cvl)

Georg Schöner als Referent

Poppenreuth bei Waldershof

Naturheilverfahren nach Kneipp

Amberg

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