01.06.2021 - 16:26 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Unterwegs mit dem Rad rund um den Kütschenrain: Ein historischer Streifzug in drei Landkreisen

Der höchste Punkt ist zugleich das erste Etappenziel: Eine Rundfahrt mit dem Fahrrad um den Kütschenrain bei Kirchenthumbach bietet sich an Fronleichnam an – schönes Wetter vorausgesetzt.

Der Kanonier von Weidlwang, um den sich ein eigens gegründeter Verein kümmert. Im Jahre 2002 nahm man Abschied vom "Alten Kanonier". Bei einem eigens dafür initiierten Fest wurde dann der heutige Kanonier auf den Felsen gehoben. Er ist gut drei Meter hoch und wiegt 800 Kilogramm.
von Redaktion ONETZProfil

Keine Fronleichnamsprozession, kein Frühschoppen: Was also tun am Feiertag? Unser Vorschlag soll eine Anregung sein: zu einer Radtour durch die Heimat. Von 470 Meter über Meereshöhe führt die erste Etappe von Kirchenthumbach zur Kalvarienbergkapelle auf dem Scheitelpunkt des Kütschenrains auf 640 Meter Höhe. Unweit des kleinen Kirchleins wurde von der Gemeinde Kirchenthumbach ein Aussichtsturm errichtet, der den bereits hervorragenden Ausblick noch steigern soll.

Aber Radlfahrer treten bergauf in die Pedale, zum Treppen steigen auf einen Turm hat da mancher keine Zeit. Die Blicke schweifen lassen, rentiert sich jedoch allemal. Thurndorf etwa liegt nicht weit entfernt, und kundige Augen können in Richtung Truppenübungsplatz in der Ferne die Erhebungen Ossinger und Breitenstein erkennen.

Über Thurndorf nach Neuzirkendorf

Ohne Muskelkraft geht es danach hinunter auf 600 Meter zur Thurndorfer Pfarrkirche und zum daneben befindlichen, größtenteils im Erdreich ruhenden Baudenkmal. Dieses kann reichlich Auskunft über die nunmehr 900 Jahre urkundlich belegte Geschichte des Ortes geben. Es handelt sich dabei um eine mittelalterliche Turmanlage, in deren Schutz sich nach und nach die Einwohner umliegender Orte ansiedelten. So entwickelte sich im Laufe der Zeit aus einem Turmdorf das uns bekannte Thurndorf.

Nächste Station ist St. Laurentius, eine Wallfahrtskirche bei Neuzirkendorf – genannt im Volksmund die Weißenbrunner Kirche. Sie hat schon von ihrer Widmung her einen anderen historischen Hintergrund. Der bei der nahen Kapelle aus der Erde tretenden „Weißen Quelle“ werden heilende Kräfte für das Augenlicht zugeschrieben.

Zudem hat die örtliche Umgebung noch einen historischen Beleg durch ein Rittergeschlecht „Buzmans“, dessen „Chef“ wohl bei den Kreuzzügen auf dem Schlachtfeld geblieben war. Daraufhin wurden die dazugehörigen Siedlungen verlassen und verwandelten sich wohl in Wüstungen. Als einziger Zeuge dieser Historie ist die heutige Putzmühle übriggeblieben.

Zum Kanonier in Weidlwang

Über Troschenreuth gelangt man auf einem kleinen Umweg nach Weidlwang, wo auf einem hoch über der kleinen Ortschaft aufragenden Felsen der Kanonier den Grenzübergang zwischen Franken und der Oberpfalz überwacht. Der eigentliche Ursprung des Kanoniers war ein Täuschungsmanöver im Dreißigjährigen Krieg: Mit einer Kanonenattrappe und einer Strohpuppe wurde eine nicht vorhandene Verteidigungsstellung vorgetäuscht und zumindest einmal ein Schwedenüberfall abgewendet.

Von dort aus geht es weiter in das heute größere, aber historisch nicht so bedeutende Pegnitz. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein Anfang des 12. Jahrhunderts erstmals erwähntes Dorf an der „Begenze“ und eine im 14. Jahrhundert angelegte Verteidigungsanlage der Leuchtenberger Landgrafen. In den nachfolgenden Jahrzehnten gehörten die „Ortsteile“ zu Böhmen, weswegen auf dem heutigen Schlossberg die Burg Böheimstein erbaut worden war. Da die Pegnitzer damals noch keine Franken waren, wurde die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts von den Nürnbergern zerstört.

Als eine der bleibenden Erinnerungen daran gibt es neben dem dortigen Aussichtsturm das allseits beliebte „Böheimbier“. Der namensgebende Wasserlauf Pegnitz entspringt nicht weit davon entfernt im heutigen Biergarten der Zaußenmühle.

Der Radweg führt nun zum knapp 15 Hektar großen Craimosweiher, zugleich der größte „Teich“ Oberfrankens, und zum knapp 1000 Einwohner umfassenden Markt Schnabelwaid. Ein dort sehenswertes Objekt liegt zwar mitten im Ort und ist dennoch verborgen: Das Anfang des 15. Jahrhunderts entstandene Schloss ist heute von alten Bäumen vor Blicken geschützt und von Wasser umgeben.

Aufgrund der politischen Zwistigkeiten in den „Markgräflichen Kriegen“ im 15. Jahrhundert war es zu heftigen Zerstörungen gekommen. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Schloss im Auftrag des Hauses von Künsberg wieder aufgebaut, ehe 1655 die Zerstörung durch kaiserliches Militär folgte. Nach erneuter Sanierung kam es in den Folgejahren zu häufigen Besitzerwechseln. Seit Ende der 1960er Jahre befindet sich das Schloss in Privatbesitz.

Durch das historische Creußen

Nächstes Ziel der Radexkursion ist die Stadt Creußen, die um das Jahr 1000 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Mitte des 13. Jahrhunderts gelangte die Stadt zum Gebiet des Nürnberger Burggrafen. Nach den Wirren und Zerstörungen der folgenden Jahrhunderte war Creußen, unterbrochen von der napoleonischen Herrschaft, kurzzeitig Preußen zugehörig. Danach gelangte der Ort mitsamt dem ehemaligen Bayreuther Gebiet an Bayern. In der neueren Zeit wurde die Stadt von Handwerkern und Metallbetrieben geprägt. Das eigentlich Bekannte und Berühmte an Creußen sind aber das dort hergestellte Steingut und die sogenannten Creußener Krüge.

Das Wissen um die Herstellung dieser Krüge war von seltener Dramatik geprägt. Ende des 18. Jahrhunderts, zu Zeiten der Französischen Revolution, war ein essenzieller Wissensträger für die Herstellung dieser Güter von Schwermut geplagt – heute würde man sagen, er litt an „Burn out“. Die Folge davon war, dass bis in die 1960er Jahren kein derartiges Steingut mehr in Creußen hergestellt wurde. Erst dann machte sich ein findiger Keramikmeister daran, das alte Wissen wieder zu rekonstruieren.

Vorbei an der Creußenquelle zurück nach Kirchenthumbach

Weiter führt der Weg vorbei an der katholischen Pfarrkirche, die infolge des Zuzuges von Flüchtlingen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erbaut worden war. Über Neuhof gelangt man nach Preußling, von wo aus man einen guten Blick auf die Absturzstelle eines vor fünf Jahren nahe Engelmannsreuth verunglückten US-Kampfflugzeugs F-16 werfen kann.

Danach gelangt man in die Ortschaft Altencreußen, wo innerorts die Creußenquelle zu besichtigen ist. Mit dem Erreichen der Krücklasmühle befindet man sich wieder auf Oberpfälzer Gebiet. Auch dort wurde in früheren Zeiten von besagter Creußen ein Mühlrad angetrieben. Über die frühere Gemeinde Heinersreuth führt die Tour zurück nach Kirchenthumbach.

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Eschenbach
Quellenfassung für das Gewässer der Creußen, entstanden im Zuge der Flurbereinigung in Altencreußen.
Hintergrund:

Knapp 60 Kilometer lang

  • Die Radtour startet am Parkplatz der Heberbräuhalle in der Bayreuther Straße in Kirchenthumbach.
  • Die Strecke führt ungefähr 55 bis 60 Kilometer durch die hügelige Oberpfälzer und oberfränkische Landschaft.
  • Ausgearbeitet hat die Rundfahrt Adolf Mückl, der sie auch bereits mit einer ansehnlichen Radlergruppe der VHS Eschenbach, unterteilt in drei Gruppen, absolviert hat.

 

 

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