05.06.2020 - 11:08 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Keine Entscheidungen zu Zuschussanträgen von Vereinen

Ehrenamtliche Leistungen im kulturellen und sportlichen Bereich verdienen hohe Anerkennung. Aber in welcher Form mit finanziellen Wünschen umgehen? Diese Frage bereitet dem Marktgemeinderat Kopfzerbrechen.

So nahe wie auf diesem Bild dürfen sich die Musikanten der Kirchenthumbacher Blaskapelle wegen des Coronavirus aktuell zwar nicht kommen, dennoch herrscht Harmonie unter den Ensemblemitgliedern. Damit sie mit ihrer Musik den Ort auch weiterhin überregional vertreten können, wünschen sie sich von der Marktgemeinde finanzielle Unterstützung.
von Robert DotzauerProfil

Ohne ehrenamtliches Engagement geht in den Gemeinden gar nichts. Das wissen auch Bürgermeister und Marktgemeinderat. Deshalb stehen im Gemeindehaushalt stets Finanzmittel für die Unterstützung der Vereine zur Verfügung, betonte in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung in der Volksschulturnhalle Bürgermeister Jürgen Kürzinger. Ausgelegt sind diese Haushaltsstellen auf zehn Prozent Zuschuss bei Investitionsmaßnahmen der Vereine. Aber Geld für dauerhafte Ausgaben zu geben, diese Entwicklung ist für das Gremium neu.

Hintergrund ist ein Antrag der Blaskapelle Kirchenthumbach. Die gepflegte bayerisch-böhmische Musik der Kirchenthumbacher ist auch überregional gefragt. Misstöne gibt es allenfalls im organisatorischen Bereich. Das Ensemble beschreibt erhebliche Kosten für das aktuelle Probenlokal, wie aus einem Schreiben vom 11. Dezember 2019 hervorgeht. Darin beklagen die Musikanten den Verlust der Übungsräume, die ihnen von 1980 bis 2015 unentgeltlich im Schulhaus und übergangsweise bei der Firma ATP zur Verfügung standen. Ein neues Probenlokal einschließlich Notenraum öffnete sich der Blaskapelle schließlich in der Heberbräuhalle.

Diese Bleibe soll Bestand haben, wie Vorsitzender Sebastian Dimler im Einvernehmen mit dem Eigentümer Franz Sporer optimistisch versicherte. Auch dieses Quartier des Heberbräues sei zwar kostenfrei. Die Kapelle verwies allerdings auf Unterhaltskosten in Höhe von 250 Euro monatlich. Mit Blick auf den kulturellen und gesellschaftlichen Stellenwert des Musikkörpers für die Marktgemeinde, „Wir tragen mit unserer Musik auch den Namen unseres Ortes ins Land hinaus“, wünschte sich Vorsitzender Sebastian Dimler vom Marktgemeinderat eine laufende Unterstützung. Die Angemessenheit bezifferte der Vereinschef auf eben 250 Euro monatlich.

Zur Frage der Angemessenheit kam es nach dem Verlesen des Antrages zu einer lebhaften Diskussion. Fast alle Marktgemeinderäte meldeten sich mit Vorschlägen zu Wort. Für das Gremium besonders problematisch war der Wunsch nach einer dauerhaften Unterstützung von jährlich 3000 Euro. Befürchtet wurde ein Bezugsfall für die gesamte Vereinswelt. „Wir müssen aufpassen, dass sich der Rat vor Anträgen in dieser Höhe nicht mehr retten kann“, hieß es unter anderem. Zur Gleichbehandlung erwarteten sich einige Marktgemeinderäte einen Richtlinienvorschlag der Verwaltung. Weitere Überlegungen endeten mit dem Vorschlag, der Blaskapelle Heizkosten zu erstatten. Hingewiesen wurde zudem auf die Notlage aller Musikgruppen durch die Corona-Krise. Salomonisch endete die Debatte mit dem Beschluss, keine Entscheidung zu treffen und die Blaskapelle aufzufordern, einen Nachweis über entstandene Kosten zu liefern.

Für den Sportclub beantragte Vorsitzender Josef Reisner Zuwendungen für die geplante stationäre Beregnungsanlage des Sportgeländes. Reisner schilderte in seinem schriftlichen Antrag die bisherige zeitaufwändige Bewässerung, erläuterte das künftig zeitgesteuerte Projekt nach dem Einbau eines 40.000-Liter-Wassertanks und berichtete über einen finanziellen Aufwand von 35.000 Euro. Nach Abzug einer Sonderförderung durch den Bayerischen Landessportverband und des Freistaates in Höhe von 55 Prozent bleibe dem SCK dennoch eine erhebliche Eigenfinanzierung, so Reisner.

Mit Blick auf die Mitbenutzung der Sportplätze durch die Grund- und Mittelschule, der steten Aufwärtsentwicklung des Vereins und ganz besonders der erfolgreichen Jugendarbeit und vieler ehrenamtlicher Trainer und Betreuer wünschte sich der SC-Vorsitzende auch einen finanziellen Beitrag der Marktgemeinde. Der Antrag stieß im Gremium auf viele offene Ohren. „Wir wissen um die großen Verdienste des Sportclubs“, bemerkte Bürgermeister Jürgen Kürzinger. Zweiter Bürgermeister Ewald Plößner formulierte: „Wir sind alle Sportclub“. Der Vorschlag des Bürgermeisters, den Antrag bis zum Eingang der Kostenabrechnung zurückzustellen, fand allgemeine Zustimmung.

Einstimmig gab sich der Marktgemeinderat auch eine neue Geschäftsordnung, die sich von unwesentlichen Änderungen abgesehen, an der Mustergeschäftsordnung des Bayerischen Gemeindetages orientiert. Zustimmung fand auch die Hauptsatzung zur Regelung von Fragen des örtlichen Gemeindeverfassungsrechs.

Mehr aus der Marktgemeinderatssitzung

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