24.05.2021 - 12:40 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Großbrand vor 150 Jahren: Feuerwehr kann nur den Pfarrhof retten

Am Dienstag, 25. Mai, jährt es sich zum 150. Mal, dass der Markt Kirchenthumbach abbrannte. Die Feuerwehr hatte keine Chance, doch immerhin gab es keine Todesopfer.

Im Stacherl-Anwesen, das unten eine Bierstube beherbergte, brach das verheerende Feuer aus. Das Gebäude wurde nach dem Brand wieder aufgebaut, bietet aber heute wieder einen vernachlässigten Anblick.
von Fritz FürkProfil

Genau 150 Jahre ist es her, dass der "genüg- und gewerbesame Marktflecken Kirchenthumbach" in Schutt und Asche fiel. Ein flammendes Inferno brach am 25. Mai 1871 – damals war es ein Pfingstmontag – um 21.30 Uhr über den Ort herein und vernichtete insgesamt 63 Anwesen und die Kirche. Auch noch heute erinnern sich viele Kirchenthumbacher an die Erzählungen über diese Katastrophe. Die Details sind aber so gut wie niemandem mehr bekannt. Einzelheiten finden sich in Zeitungen und Archiven wie der Provinzialbibliothek Amberg.

Viele damalige Einwohner standen nach der Katastrophe vor dem finanziellen und materiellen Nichts. Das mittelalterliche Ortsbild mit seinen Giebelhäusern war vernichtet. Die neuen Gebäude, wie sie heute großteils noch bestehen, wurden fast ausnahmslos der Länge nach um den Marktplatz gereiht, beziehungsweise um 90 Grad gegenüber ihrer vorherigen Ausrichtung gedreht.

Es war 21.30 Uhr, viele Bewohner schliefen bereits, da quoll aus dem Dach des Hauses 31, dem Stacherlanwesen neben dem Thumbach eine Rauchwolke hervor. Der Nachtwächter war gerade zu seinem ersten Rundgang aufgebrochen, entdeckte den Feuerherd und schlug Alarm. Der damalige Besitzer des Anwesens, Ökonom Sporer, betrieb neben der Landwirtschaft auch einen Bierausschank. Einige Gäste schickten sich an, den Nachhauseweg anzutreten, andere saßen dort noch. Als sie den Rauch bemerkten, flüchteten sie aus der Wirtsstube und riefen um Hilfe. Während sie die Nachbarn alarmierten, platzte das Dach des Hauses auseinander und eine gewaltige Flammensäule schlug zum nächtlichen Himmel empor.

Langgezogene Töne des Feuerwehrhornes hallten durch den Markt, die Kirchturmglocken riefen die umliegenden Dorfbewohner um Hilfe an. Seit 14 Tagen war kein Regen mehr gefallen und zum Zeitpunkt des Brandes wehte ein heftiger Ostwind. Im Nu standen drei Häuser neben dem Feuerherd ebenfalls in Flammen. Die meisten Gebäude waren mit Holzschindeln gedeckt. Nur wenige hatten Ziegel und lediglich das Haus des Posthalters Friedl war mit einem Schieferdach versehen. Das wie entfesselt aufflammende Feuer breitete sich rasch aus. Die Löschmaschine, die beim "Fahnenschmied" Zeitlmann untergestellt war, wurde in letzter Sekunde gerettet.

Bürgermeister war Ignaz Schiffmann, der im heutigen "Baderhaus" eine Färberei und einen Kaufmannsladen betrieb. Leinentücher hingen nach dem Färben auf einem Vorsprung des Giebels zum Trocknen. Der starke Wind trieb die Funken über die Straße, die Tücher fingen Feuer und lösten eine verheerende Kettenreaktion aus. Wohl deshalb wurden auch die Häuser dieser Straßenseite eingeäschert.

Die mutigen Männer der Feuerwehr waren überfordert und mussten zusehen, wie ein Haus nach dem anderen lichterloh in Flammen aufging. Hinzu kam, dass die Männer versuchten, ihr eigenes Heim zu retten oder wenigstens, so gut es ging, zu räumen. Die Flammen fraßen sich links und rechts der Straße Richtung Oberer Markt gierig weiter.

Vieh in Sicherheit

Dann kam von allen Seiten Hilfe herbei, voran die Bewohner der umliegenden Ortschaften, die seit jeher Freud und Leid mit den Bürgern des Marktes teilten. So schnell es ging, langten die benachbarten Feuerwehren aus Eschenbach, Thurndorf, Vilseck, Auerbach, Grafenwöhr und Creußen zu, und versuchten zu retten, was noch zu retten war. Die gewaltige Hitze entfachte den Wind noch stärker. Schließlich war man froh, das Vieh in Sicherheit zu bringen.

Gegen 23 Uhr lagen 53 Anwesen ganz und neun teilweise in Schutt und Asche. Auch brannten die acht Schweineställe nieder, und kurze Zeit später fiel der Treppenbau an den landwirtschaftlichen Gebäuden krachend in sich zusammen. Immerhin rettete die Thurndorfer Feuerwehr, die an diesem 25. Mai 1871 offiziell gegründet wurde, das Pfarrhaus. Auf der anderen Seite der Straße von Amberg nach Bayreuth bot sich ein trauriger Anblick.

Hoch oben in der Öffnung des Kuppelturmes der Pfarrkirche "Zur lieben Frau" fing es zu brennen an. Immer größer wurden die Flammen und schon fielen die glühenden Balken im Turminnern nieder. Noch einmal und zum letzten Mal läuteten die Glocken. Sie bewegten sich von selbst durch den heftigen Feuersturm, ehe sie in die Tiefe stürzten. Das Kirchendach ging gleichfalls in Flammen auf und bald darauf stürzte das Gebälk in sich hoch auflodernd zusammen. Das Gewölbe folgte und schlug die gesamte Inneneinrichtung des Gotteshauses zusammen.

Funkenflug bis in die Nachbarorte

Während einige Zeit vor dem 25. Mai in Auerbach, ebenfalls bei einem Großbrand, drei opfermutige Feuerwehrmänner von einem niederstürzenden und brennenden Glockenstuhl erschlagen worden waren, forderte das Unglück in Kirchenthumbach gottlob kein Menschenleben. Nach etwa zweieinhalb Stunden endete das Inferno. Das Feuer war so groß gewesen, dass die Bauern von Görglas und Asbach heimwärts rennen mussten, weil der Funkenflug ihre Dächer entzündet hatte. Zu einer größeren Katastrophe kam es dort allerdings nicht.

Am 26. Mai 1871 schien über den Markt Kirchenthumbach die Sonne und zeigte das ganze Ausmaß des Unglücks. Die Bürger sahen mit Wehmut und Angst vor der Zukunft auf ihre zerfallenen und noch immer rauchenden Brandstätten. Pfarrer Friedrich beweinte den Verlust seiner Pfarrkirche.

Unsagbare Not kam durch die Brandkatastrophe über die Einwohner von Kirchenthumbach. Nur das, was in der Eile aus den Häusern gerettet werden konnte, und das Vieh waren übriggeblieben. Eine lange Liste der Anwesen, die niederbrannten, gibt nur oberflächlich wieder, wie groß der Schaden war.

Lange Liste der Feuerleider

"Gänzlich zerstört waren ferner die Anwesen des Metzgers Henfling, des Metzgers Held, des Kaufmannes Oberndorfer, des Bäckers Kißler, des Seilers Böhm, des Ökonomen Müller, des Wagners Troll, der Witwe Sichelstiel, des Gasthofbesitzers Eckert, des Kaufmannes Prunhuber, des Bäckers Pesch II, des Zimmermannes Schlicht, des Nagelschmiedes Ertl, des Gütlers Kraus, des Gütlers Heinlein, der Gebrüder Goß, des Schneiders Ertl II, des Postboten Lindner, des Hufschmiedes Zeitlmann, des Webers Schmidt, des Schuhmachers Kleber, des Schuhmachers Daucher, des Ökonomen Sporer (wo das Feuer aufging), des Webers Schlögl, des Schneiders Brand, des Mulzers Braun, des Melbers Förster, des Bürgermeisters Schiffmann, des Rotgerbers Kleber, des Wirtes Bayer, des Gütlers Nasler, des Schneiders Kroher, des Schmiedes Pesch, des Posthalters Friedl, des Bräuers Praun, des Okonomen Böhm, des Metzgers Rupprecht, des Maurers Biersack, des Bäcker Henfling, des Metzgers Lindner, des Wagners Troll II, und des Schuhmachers Daucher II. Ferner das gemeindliche Kommunbrauhaus und das Königliche Forstamtsgebäude.

Teilweise beschädigt wurden der Pfarrhof, der Drechsler Bernhardt, der Landarzt Uhl, der Weber Leipold II, der Schuhmacher Weber II, die Witwe Seemann und das Schulgebäude. Letzteres stand mitten in den brennenden Häusern neben der Kirche, aber die massive Bauart und die guten Ziegel (seit 1823 liegen sie auf dem Dache) trotzten den Flammen.

Die ausgezahlte Immobilien-Brandversicherungssumme (in einer Mobiliarversicherung waren nur wenige Bürger) betrug 113.210 Gulden und vier Kreuzer, eine hohe Summe zwar; aber bei der großen Zahl der Beschädigten traf doch wenig auf einen und bei der zwangsweise durchgeführten geschlossenen Baulinie mussten die meisten sogar die etwa noch stehenden Grundmauen verlassen, ganz frisch aufbauen und sich in Schulden stürzen.

Kollekte und Versicherung

Auch die Kirche erstand aus dem Schutte. Eine Allerhöchst genehmigte Kirchenkollekte ergab die Summe von 13.000 Gulden, die Brandversicherungssumme belief sich auf 6445 Gulden und 21.000 Gulden wurden leihweise aufgenommen. Der Rohbau allein verschlang all diese Summen, so dass zu aller inneren Einrichtung und Ausschmückung die Mildtätigkeit angerufen werden musste. Die Kirche selbst wurde ein imposanter, rein neuromanischer Bau; romanisch auch die Einrichtung."

Ein Bauplan aus dem Jahre 1871 ist noch im Besitz der Familie Zeitlmann-Schmidt. Den Plan hatte der Kirchenthumbacher Maurermeister Michael Müller auf reinem Pergamentpapier gezeichnet. Das königliche Bezirksamt Eschenbach genehmigte das Bauvorhaben mit folgenden Auflagen: "Genehmigt zur planmäßigen Ausführung der etwa die Bedingungen dass sämtliche Räumlichkeiten mit Ausnahme der Gewölbe, Weißdecken erhalten und mindestens acht Fuß lichte Höhe bekommen, dass die Kamine fundiert werden und dass zwischen der Schuppe des Hauses 28 und der Wohnhausmauer des Zeitlmann eine vorschriftsmäßige Brandmauer hergestellt wird. Dass die vorgeschriebene Baulinie eingehalten wird. An die Marktgemeinde Kirchenthumbach zur Planaushändigung und Baukontrolle."

Die Pest und andere Seuchen in Kirchenthumbach

Kirchenthumbach
Hintergrund:

Die Bilanz des Großfeuers

  • Gänzlich zerstörte Anwesen: mindestens 44
  • Kirche komplett in Schutt und Asche
  • Teilweise zerstörte Anwesen: mindestens 7

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