16.06.2020 - 11:42 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Für alles ist ein Kraut gewachsen

Damals wie heute sind Gesundheit und Medizin wichtig. Wie Behandlungsmethoden und Anwendungen früher aussahen, gibt es aktuell am Kirchenthumbacher Marktplatz zu sehen.

So sieht das bestückte Schaufensterl für die Monate Juni, Juli und August aktuell aus. Zu bewundern ist die Ausstellung am Kirchenthumbacher Marktplatz.
von Fritz FürkProfil

"Medizin und Anwendungen aus alten Zeiten" ist das Motto des Schaufensterls am Marktplatz für die Monate Juni, Juli und August. Musealisch aufbereitet sind Exponate, die überwiegend aus dem Fundus des früheren Apothekers Ernst Folker stammen, dem Gründer der Marktapotheke Kirchenthumbach. Das erste Geschäft eröffnete Folker nach dem Zweiten Weltkrieg in Stacherl-Haus am Unteren Markt, ehe er den "Berggasthof" auf der Kreuzleite kaufte und in eine für die damalige Zeit moderne Apotheke umbaute.

Der Betrachter staunt nicht schlecht, wenn er vor dem Kleinstmuseum steht: Zu bestaunen sind eine illustrierte Kräuterkunde, die Herstellung von Tee, Medizinflaschen aus Glas und Ton, Tiegel für Salben, Mörser, Gefäße mit den Namen der Apostel, Heilsteine und ein Fläschchen Russischer Spiritus, (Spiritus russicus) ein altrussisches Heilmittel aus der Apotheke von Ernst Folker. Im Besitz von Martin Kohl befindet sich auch die "Maschinerie" zur Herstellung des Kirchenthumbacher Apothekerschnapses "16 Kräuter". Jeder Haushalt, der was auf sich hielt, hatte diesen Likör in der Hausbar stehen. Ein Stamperl nach dem Essen am Sonntag sorgte für Wohlbefinden und für eine geregelte Verdauung.

Zu lesen sind auch alte Volksweisheiten. Unter anderem ein Grippeheilspruch: "Drei Doch kummt's, drei Doch bleibt's und nach drei Doch vergeht's. Medizin hilft nix".

Martin Kohl hat sich zudem mit der Medizin vergangener Tage und natürlicher Heilung befasst. Seine Ausarbeitung trägt den Titel "Bleibts gsund –Erinnerungen an die Kindheit – Hausmittel und andere Bräuche".

Kohl machte seinen ersten Lebensschrei während des Krieges in Aicha. Aufgewachsen ist er in einer Großfamilie mit acht Geschwistern und Heimatvertriebenen. Er erinnert sich: Bei Fieber und Erkältung galt: die Füße mit einer Wärmflasche aus Metall oder heißen Backsteinen warm zu halten, Schwitzkuren im Bett, kalte Wickel, Holundertee, Kümmeltee und Pfefferminztee. Bei Husten empfahlen die Altvorderen Brustwickel mit Schweinefett und Zwiebelsaft mit Honig. Zur Immunabwehr kamen zur Anwendung: Früchte aus Wald, Garten und Flur, wie Brombeeren, Himbeeren, Preiselbeeren, wilde Kirschen, Holzäpfel und Haselnüsse. Die heilsamen Früchte in der Winterzeit bestanden aus Hutzl, getrocknete Birnen, eingemachtes Obst und Omas leckere Marmeladen.

Zur Desinfektion von Wunden bei Mensch und Tier wurden frischer Urin, Weinblätter und Milch eingesetzt. Wanzen, Läuse und Flöhe wurden mit einem speziellen Puder aus der Apotheke oder aus dem Lagerhaus der Garaus gemacht, während die Krätze mit sauren Fußbädern behandelt wurde. Gegen Durchfall wirkten Kartoffel oder selbst hergestellte Schokolade aus Kakaopulver. Melissengeist wurde bei vielen Krankheiten eingesetzt und war fast die einzige Medizin, die von den Menschen hierzulande gekauft wurde. Kohl erinnert sich: Wein war Medizin. Zur Steigerung der Muttermilchproduktion wurde den Wöchnerinnen reichlich Bier verabreicht. Kohls Fazit: "Wir hassten das Zeug, doch wir nahmen es trotzdem ein, denn vor Spritzen hatten wir Angst. Wir waren nicht krankenversichert. Ein Doktor (Arzt) wurde nur bei lebensbedrohlichen Situationen gerufen."

Stolz ist Martin Kohl auf seine Sammlung von Heilsteinen wie Rosenquarz, Flourit, Lapislazuli, Hämatit, Jade, Amethyst, Türkis, Citrin, Mondstein und Obsidian. Seine Favoriten sind Calzite für positives Denken, Quarze (Eigenkontrolle), Jade (Ewige Jugend), Carneol (Liebe und Wärme), Malachit /Entspannung), Obsidian (Stressabbau), Turmalin (Schönheit), Amethyst (Lunge/Corona), Topas (Hals), Rosenquarz (Herz), Achat (Fortpflanzung) und Mondstein (Geschlechtliches).

Ein Fläschchen "Spititus russicus" aus der Apotheke von Ernst Folker. Es war und ist ein russisches Allheilmittel.
Martin Kohl ist stolz auf seine Maschinerie, mit der der sehr wirkungsvollen Apothekerschnapses "16 Kräuter" hergestellt wird.
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