08.10.2020 - 10:28 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Nach Bürgerentscheid: Planungsstopp für Schulhausneubau in Kirchenthumbach

Das deutliche "Ja" der Kirchenthumbacher zum Erhalt der in die Jahre gekommenen Schulgebäude zwingt zum Nachdenken. Eine Kompromisslösung für eine neue Schule muss her, heißt es am Mittwoch in der Ratssitzung. Doch wie soll sie aussehen?

Das Schulhaus-Thema brennt den Bürgern noch immer unter den Nägeln. Wenige Tage nach dem Bürgerentscheid interessieren sich viele Kirchenthumbacher bei der Gemeinderatsdebatte über das weitere Vorgehen.
von Robert DotzauerProfil

Schlange stehen, um einen Platz im Zuhörerbereich der Ratssitzung zu ergattern, das gab es in Kirchenthumbach schon lange nicht mehr. Das Schulhaus-Thema elektrisiert die Bürger noch immer. Die Marktgemeinderatssitzung glich einer Bürgerversammlung. Viele Besucher nahmen im Pfarrheim einen Stehplatz in Kauf, als Bürgermeister Jürgen Kürzinger den Tagesordnungspunkt aufrief und das Ergebnis des Bürgerentscheides beleuchtete. War es für den Rathauschef ein Gang nach Canossa? Mit nichten. Des Bürgers Meinung sei zu akzeptieren, stellte der Bürgermeister emotionslos fest. Kürzinger interpretierte den Bürgerentscheid zum Erhalt der alten Schulgebäude als große Zukunftsaufgabe, die allerdings weit darüber hinaus gehe. Immerhin gehe es um die dauerhafte Sicherung des Bildungsstandortes Kirchenthumbach.

Bürgerentscheid in Kirchenthumbach: Alte Schulgebäude bleiben erhalten

Kirchenthumbach

An den Bestandsgebäuden anzupacken, sei zu kurz gesprungen, betonte Kürzinger. Es warte für das Gremium mit dem Schulhausneubau eine weitaus größere Herausforderung. Die Frage der Finanzierung dieses Großprojekts werde einen ebenso hohen Stellenwert einnehmen wie die Interessen der Schulfamilie für einen zukunftsweisenden Unterrichtsstandort. Um diese Thematik anzugehen, schlug der Rathauschef einen "Runden Tisch" der Fraktionssprecher vor. Diesen Appell ergänzte Kürzinger mit der Bekanntgabe des amtlichen Wahlergebnisses des Bürgerentscheides. Von 2611 Wahlberechtigten nutzten 1519 Kirchenthumbacher (58,2 Prozent) ihr Wahlrecht. Für ein "Ja" zum Erhalt des alten Schulensembles stimmten bei insgesamt 1513 gültigen Stimmen 921 Bürger (60,9 Prozent). Auf 592 Stimmzetteln war "Nein" angekreuzt.

In der folgenden Debatte nannte dritter Bürgermeister Alexander Schatz die Entscheidung der Bürgerschaft als wegweisend. Nun müsse der Marktgemeinderat das Beste daraus machen und konsequent handeln. Während Winfried Sporrer vor einem Scherbenhaufen warnte und ein rasches „Miteinander reden“ empfahl, bezeichnete Jürgen Geyer die veränderte Situation als Auftrag für einen neuen Weg. Als erste Maßnahme müsse für den Schulhausneubau ein Planungsstopp veranlasst werden.

Dies sei bereits geschehen, betonte der Bürgermeister und verwies auf eine Anweisung an den Architekten, bis zur endgültigen Meinungsbildung des Gremiums alle weitere Planungen einzustellen. „Mündliche Mitteilungen an den Architekten genügen nicht“, bemängelte Daniel Götz. Der Planungsstopp müsse offiziell ausgesprochen werden, um weitere Leistungsabrechnungen zu verhindern. Für Dominik Brütting ein unrealistischer Denkansatz, da der Architekt seine Planungen längst abgeschlossen habe. Gleichzeitig äußerte der SPD-Fraktionssprecher die Hoffnung auf einen baldigen Kompromiss in kollegialer Zusammenarbeit und begrüßte den Vorschlag des Bürgermeisters zu gemeinsamen Beratungen der Fraktionssprecher.

Auch beim Planungsstopp gehe es um Vertrauen, urteilte Josef Schreglmann. In welcher Form dieser ausgesprochen werde, sei nebensächlich. Alles andere sei Wortglauberei. Zweiter Bürgermeister Ewald Plößner empfahl, nun rasch zu handeln und in die künftigen Überlegungen auch die Frage nach der besten Lösung für den Schulhausneubau einzubeziehen. In diesem Sinne wertete Plößner auch das Ergebnis des Bürgerentscheides. Der Wähler erwarte sinnvolle Optionen zur jetzigen Planung. Weitreichender war ein Vorschlag von Daniel Götz. „Die vielen Besucher hier im Saal und im Foyer erwarten eine klare Linie mit dem Ziel, den Schulhaus-Neubau in der geplanten Form zu den Akten zu legen“.

Stattdessen plädierte Dominik Brütting für eine Debatte ohne Beschlüsse. „Dieses Thema kann nicht an einem einzigen Abend geklärt werden“, urteilte der SPD-Mann und zeigte sich optimistisch, im Kreis der Fraktionssprecher Kompromisse zu finden. Diese Meinung teilte auch Georg Adelhardt. Rudi Stopfer versprach sich in einer interfraktionellen Zusammenarbeit ebenfalls eine Kompromisslösung. „Ein Beschluss hilft uns heute nicht weiter“, befand auch Josef Schreglmann. „Wir brauchen ein bezahlbares Konzept mit Hand und Fuß – das ist das Ergebnis des Bürgerentscheides“, sagte der CSU-Marktgemeinderat. Jürgen Geyer sehnte sich nach dem guten Willen der Marktgemeinderäte. Unter dieser Voraussetzung gelinge es auch, eine praktikable Lösung zum Erhalt des Gebäudeensembles und für den Schulhaus-Neubau zu finden. Die Debatte endete mit der Zusage des Bürgermeisters, umgehend zu einem "Runden Tisch" einzuladen.

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