25.09.2020 - 14:51 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Bürgerentscheid in Kirchenthumbach: Was wird aus den bestehenden Schulgebäuden?

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Kirchenthumbacher werden am Sonntag über die Zukunft der alten Schulgebäude entscheiden. Oberpfalz-Medien hat mit Befürwortern und Gegnern des eigentlich beschlossenen Abrisses gesprochen.

Mit einem Bürgerentscheid möchte eine Interessengemeinschaft den Abbruch der alten Schulgebäude und des Elisabethenheims verhindern
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Ein Bürgerentscheid wird am Sonntag, 27. September, über die alten Schulgebäude entscheiden. SPD und CSU sind weiter für einen Abriss. Die Interessensgemeinschaft (IG) und die CWG sprechen sich für einen Erhalt aus.

Warum sollen die alten Schulgebäude erhalten bleiben?

Die IG argumentiert vor allem mit dem "hohen Identifikationswert" der Gebäude für den Ort. "Sie sind unverwechselbares Kennzeichen von Kirchenthumbach. Zudem ist die Gebäudesubstanz gut. Selbst der Kreisbaumeister hat 2017 zumindest dem jüngeren Teil der Schule einen ausgezeichneten Zustand attestiert", sagt IG-Sprecher Hermann Hummler. Er verweist auf den Dringlichkeitsantrag der CWG-Fraktion im März 2019, der mit 7:8 Stimmen scheiterte. Auch sei es Aufgabe des Bürgermeisters, Gespräche mit angrenzenden Grundstückseigentümern zu führen. Dann ergäbe sich die Möglichkeit, den Neubau ein- oder zweigeschossig umzusetzen und die Altgebäude zu erhalten. "Ob der Bürgermeister zielorientierte Verkaufsgespräche hierzu geführt hat, möge er selbst beantworten", sagt Hummler.

"Der Abriss wäre eine gigantische und unnötige Vernichtung von Gemeindevermögen", sagt CWG-Vorsitzender Ewald Plößner. Aus Sicht der Fraktion müsse ein Kompromiss gefunden werden. "Gebäude sind schnell abgerissen und dann unwiederbringlich verloren." Plößner und die CWG haben deswegen ein Alternativkonzept entwickelt.

Bürgerentscheid über Abriss: Konzept für Schule ist entscheidend

Kirchenthumbach

Warum sollen die alten Schulgebäude abgerissen werden?

"Der Abbruch war jederzeit Bestand der Neubauplanungen", sagt Jan Wiltsch, SPD-Vorsitzender. Sowohl er als auch CSU-Vorsitzender Josef Schreglmann verweisen auf die Wirtschaftlichkeitsstudie. "Nach deren Ergebnis ist ein Erhalt der Gebäude nur durch eine aufwendige Kernsanierung möglich", erklärt Wiltsch. Unmöglich sei diese nicht, allerdings ist bei der "aufwendigen Altbausanierung" mit Kostensteigerungen zu rechnen. Laut der Studie sind für die Sanierung der alten Gebäude mit Investitionskosten von etwa 6,13 Millionen Euro zu rechnen. Für den Schulneubau wurden damals Kosten von 5,39 Millionen Euro berechnet. Wiltsch und Bürgermeister Jürgen Kürzinger weisen darauf hin, dass der Gemeinderat den Abriss beschlossen habe. "Die Differenz von 740 000 Euro ist ausschlaggebend für die Entscheidungen, die Gebäude zu entfernen", sagt Kürzinger. Mit Preissteigerungen sei zu rechnen, doch das betreffe auch eine Sanierung. Es brauche Modernisierung bei Statik, Brandschutz, Heizung, Barrierefreiheit, Strom- und Wasserversorgung. "Das sind Kosten, die keiner in unserer Marktgemeinde will", meint er.

Ein Bauchgefühl für den Erhalt ist das eine, Zahlen und Fakten zu ignorieren und auszublenden, bedeutet ein erhebliches finanzielles Risiko für die gesamte Marktgemeinde und ihre wichtigen Zukunftsprojekte. Ein Abriss der Gebäude ist unumgänglich.

Bürgermeister Jürgen Kürzinger

Bürgermeister Jürgen Kürzinger

Welche Nutzung ist bei einem Erhalt denkbar?

Die CWG hat bereits ein Alternativkonzept vorgestellt, das eine neue Schule und den Erhalt der alten Gebäude vorsieht. Es beinhaltet einen "günstigeren Neubau mit nur zwei Stockwerken und kaum Erdbewegungen", wie Plößner erklärt. Einer der größten Vorteil sei die "hohe Kostenersparnis durch einen günstigeren zweistöckigen Anbau, statt eines Glashochhauses mit einer im Untergeschoss geplanten Offenen Ganztagsschule". Die bestehenden Gebäude mit "relativ wenig Renovierungsbedarf" könnten weiterhin als Schule genutzt werden. Für die anderen schlägt er vor, diese für gemeindliche und kulturelle Zwecke oder als Wohnungen zu nutzen. "Die weiterhin zur Verfügung stehenden Flächen im Mittelteil, können über andere Fördertöpfe saniert oder teils verkauft werden", meint Plößner. Für das Elisabethenheim wäre ein Verkauf eine Option, der laut CWG sogar Geld bringen könnte. Auch Vereine könnten die Räume nutzen. Wünschenswert wäre ein Ortsmuseum oder Bürgerhaus. Selbst Büros wären denkbar.

CWG stellt Alternativkonzept vor: "Die beste Lösung ist ein Teilneubau der Schule"

Kirchenthumbach

IG-Sprecher Hummler weiß, dass Sanierungsarbeiten notwendig sein werden. "Hierzu können aus unterschiedlichen Fördertöpfen Zuschüsse in Anspruch genommen werden", sagt er. Aber auch er schließt einen Teilverkauf nicht aus. "Klar ist allerdings, dass die Gemeinde finanziell gefordert ist, wenn Nutzung für den eigenen Bedarf besteht. Auf mehrere Jahre gestreckt, dürfte dies angesichts der Einsparmöglichkeiten bei einem Neubau in Flachbauweise und mit Zuschüssen kein Problem sein", meint er.

Aus Sicht der CWG-Fraktion muss ein vernünftiger Kompromiss her. Der Abriss wäre eine gigantische und unnötige Vernichtung von Gemeindevermögen. Wir haben daher eine alternative Planung beauftragt, um zu zeigen, dass es kompromissfähige Alternativen gibt.

Ewald Plößner, CWG-Ortsvorsitzender

Ewald Plößner, CWG-Ortsvorsitzender

Welche Nutzung ist bei einem Abriss denkbar?

Es sei eine einmalige Chance, den Mittelpunkt des Marktes neu kreieren zu dürfen, meint Kürzinger. Die derzeitigen Planungen enthalten bereits einen Pausenhof und einen Schulgarten, argumentiert Wiltsch. "Auch die Umgestaltung für neu erschlossenen Flächen mit Parkplätzen ist in der Kostenschätzung beinhaltet", fügt er an. Denkbar sei einen "modernen Treffpunkt" im Ortskern zu schaffen. Hier stimmen ihm Kürzinger und Schreglmann zu. Wiltsch könnte sich ein kleines "Amphietheater" für Veranstaltungen vorstellen. Er schließt auch nicht aus, dafür sogar Förderungen zu bekommen.

Interessensgemeinschaft stellt Pläne für alte Schulgebäude vor

Kirchenthumbach

Wie würde sich ein Erhalt auf die Neubaupläne auswirken?

Ein Erhalt der alten Gebäude würde die Planungen für den Neubau vorerst beenden. Hier stimmen alle Seiten überein. Kürzinger, Wiltsch und Schreglmann werden deutlich. "Die aktuelle Planung ist dann nicht mehr machbar. Es müsste ein neuer Standort her. Bisher getätigte, notwendige Ausgaben wären umsonst. Die Kosten lagen bisher bei etwa 400 000 Euro", erklärt der CSU-Ortsvorsitzende. Wiltsch ist sich sicher, dass bei einem Erhalt der alten Gebäude "vorerst nur ein Projekt realisiert werden könne". Die Schule sei eine kommunale Pflichtaufgabe, hier werde auch das Landratsamt ein Auge darauf haben. Kürzinger nennt Zahlen: "Eine Sanierung der alten Gebäude mit Anbau der Offenen Ganztagsschule (OGS) schätze ich mit weit über 9 Millionen Euro ein. Ein Neubau mit integrierter OGS wird geschätzt zwischen 7,5 und 8 Millionen Euro kosten. Eines der Gebäude wird sich die Gemeinde leisten können."

Dem jetzigen Beschluss liegen jahrelange Planungen, Diskussionen und Abwägungen zugrunde – das Ergebnis ist ein Neubau mit der Möglichkeit, Ideen auf der künftigen Freifläche zu entwickeln. Für die Kommune enormes Entwicklungspotenzial.“

Jan Wiltsch, SPD-Ortsvorsitzender

Jan Wiltsch, SPD-Ortsvorsitzender

Das sehen Plößner und Hummler nicht so. "Grundsätzlich schließen sich ein Teilneubau und ein Erhalt der Bestandsgebäude nicht aus, sondern lassen sich kombinieren", ist sich Plößner sicher und verweist auf das Alternativkonzept der CWG. Die OGS könnte gebaut werden, würde aber ebenerdig entstehen. Was die bisherigen Investitionen in die Planungen betrifft, ist Hummler der Meinung, dass deren Verlust akzeptabel wäre. Er verweist auf die "enormen Einsparungsmöglichkeiten" bei ein- oder zweigeschossiger Bauweise. Sie führen zudem an, dass der Gemeinderat den Neubau bisher nicht konkret beschlossen habe. Auch gebe es bisher kein Finanzierungskonzept für die "sicherlich notwendige Neuverschuldung in Millionenhöhe".

Kirchenthumbach: Planungen für Schulhausneubau beauftragt

Kirchenthumbach
Info:

Über 900 Briefwähler

Von 8 bis 18 Uhr sind am Sonntag die beiden Wahllokale in der Grundschule Kirchenthumbach geöffnet. Laut Angaben der Marktgemeinde sind bisher aber schon 934 Briefwahlunterlagen angefordert worden (Stand, Freitag 12 Uhr). „Bei 2611 Wahlberechtigten in der Marktgemeinde entspricht das rund 36 Prozent“, teilt ein Sprecher mit. Auch aufgrund der Corona-Pandemie war mit einem Anstieg von Briefwählern zu rechnen. Generell sei bei einem Bürgerentscheid allerdings mit einer geringeren Wahlbeteiligung zu rechnen als beispielsweise bei der Kommunalwahl. Die notwendigen 20 Prozent der Wahlberechtigten hat die Marktgemeinde aber bereits erreicht, wenn alle angeforderten Briefwahlunterlagen gültig zurückkommen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.