20.09.2020 - 13:09 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Die beste Lösung ist ein Teilneubau der Schule"

Neue Schule bei gleichzeitigem Gebäudeerhalt: Es geht beides, sagen die Marktgemeinderäte der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG). In einer Sondersitzung stellen sie ihr Alternativkonzept vor.

Ein Teilneubau der Schule mit der Sanierung von Teilen des bestehenden Gebäudes löse alle Probleme, sagt die CWG und stellt eine Planskizze vor.
von Robert DotzauerProfil

Versöhnen statt spalten: Die Christliche Wählergemeinschaft Kirchenthumbach setzt bei ihrer Überzeugungsarbeit für ein "Ja" beim Bürgerentscheid am 27. September auf Vernunft und Logik. „Streiten ist nicht unser Ding“, betonte Vorsitzender Ewald Plößner bei einer Sondersitzung der CWG-Fraktion, um gleichzeitig einzuschränken: „Wenn es sein muss, kämpfen wir für eine gute Sache.“ Plößner und mit ihm die CWG-Fraktion befürchten, dass diese „gute Sache“ den Thumbach hinunterschwimmt. „Deshalb möchten wir den Bürgern klaren Wein einschenken und den vielen Falschmeldungen begegnen“, erklärte Daniel Götz.

Mit Blick auf das aktuelle Konzept für den Schulneubau lässt die Fraktion kein gutes Haar an den Gebäudeplänen: Zu teuer, zu monumental, zu unpraktisch, zu unüberlegt sei das "Kirchenthumbacher Millionengrab", kritisierte Ewald Plößner. Dem Vizechef der Gemeinde geht es darum, sachlich über die vielen Planungsfehler zu diskutieren. Zu diesem Sachlichkeitsgebot zählt er eine objektive Bewertung durch Experten.

Variante greift Vorschläge des Kreisbaumeisters auf

In Zweifel zog Plößner die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. Die Auftragserteilung für die Varianten Generalsanierung und Komplettneubau wertete er als "zu kurz gesprungen". Es sei versäumt worden, ergänzend dazu die Vorschläge von Kreisbaumeister und Architekt Werner Kraus aufzugreifen. Dieser habe bei einem Ortstermin als dritte Variante den Erhalt des neueren Teiles der Schule und einen Anbau vorgeschlagen. Leider sei der Marktgemeinderat über diese Alternative erst nach der Machbarkeitsstudie informiert und damit vor vollende Tatsachen gestellt worden.

Um diesen Fehler zu heilen, habe die CWG die Initiative zum Teilerhalt der Schule in Verbindung mit einem ergänzenden Anbau ergriffen. „Das wäre eigentlich eine Aufgabe der Gemeinde“, urteilte Richard Götz. Aus kommunaler Gesamtverantwortung präsentiere die CWG nun einen Planungsentwurf, der die Vernichtung von erhaltungswürdigen Nutzflächen vermeide und gleichzeitig Neues schaffe. Auch Philipp Kroher betonte: „Ein vollständiger Neubau ist nicht der allein selig machende Weg.“

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Richten soll es ein Alternativkonzept, das Ewald Plößner in der Fraktionssitzung vorstellte. Kernstücke der Planskizze sind die Sanierung des neueren Teilbereiches der Schule mit einem integrierten Teilneubau. Plößner bezog sich mit diesem Konzept auf gute Erfahrungen in der Nachbarvolksschule in Eschenbach. Dort bildeten der sanierte Altbau aus dem Jahr 1952 und der neue Anbau eine harmonische Einheit.

"Mit dem Abbruch des Schulensembles vernichten wir mutwillig Flächen zur Folgenutzung", sagt Ewald Plößner, CWG-Vorsitzender und zweiter Bürgermeister.

Als besondere Vorteile des CWG-Modells nannte er die Einrichtung von Klassenzimmern auf einer Geschossebene. Damit könne im Vergleich zu den Neubauplänen die Verteilung der Schüler auf drei Stockwerke vermieden werden. Zudem halte sich die kostenintensive und ortsbildfremde Höhenentwicklung in Grenzen. Die CWG-Planung beinhaltet im Erdgeschoss auch neue Sanitäreinrichtungen, den Aula- und Pausenbereich und Lerngruppenräume. Plößner hob dabei das offene und klare Raumkonzept hervor.

Schon im Untergeschoss mit seinen Sekundärräumen und der Technik beginnt der barrierefreie Zugang. Teile des Obergeschosses im alten Schulgebäude sollen als „indirekte Räume“ für die Schulleitung sowie für Lehrer- und Elternsprechzimmer genutzt werden. Das Dachgeschoss im Altbestand ist zur weiteren Verwendung als Musiksaal vorgesehen. Die Nutzung wird durch einen zweiten Fluchtweg gewährleistet. Auch ein barrierefreier Zugang ist sichergestellt.

Altes Schulhaus in "Bürgerhaus" umwandeln

Zu den Vorteilen des CWG-Vorschlages zählt Ewald Plößner zudem den Erhalt des vollständigen Raumprogrammes, um die Förderfähigkeit des Projekts sicherzustellen, die Einsparung von mehr als einer halben Million Euro Abrisskosten, spätere Aufstockungsmöglichkeiten bei unerwartet steigenden Kinderzahlen und einen vernünftigen Neubau der Offenen Ganztagsschule in hellen Räumlichkeiten. In der Summe seien die Vorschläge modern, neu und kostengünstig, fasste er zusammen: "Die beste Lösung ist ein Teilneubau der Schule."

Auf die Vermeidung von Containerlösungen durch zwei Bauabschnitte verwies dabei Richard Götz. Beim Neubaukonzept der Gemeinde müssten die Schüler "mindestens zwei bis drei Jahre den Baulärm aushalten“.

Zusammenfassend stellte Ewald Plößner klar: „Mit dieser Variante kann die Marktgemeinde gleichzeitig zwei weitere Gebäude zur Nutzung erhalten.“ Von deren sinnvollen Nachnutzung zeigte sich auch Daniel Götz überzeugt. „Es fehlen Räumlichkeiten der Gemeinde für gesellschaftliche Veranstaltungen“, bedauerte er. Deshalb empfahl er die Verwendung des alten Schulhauses für Vereins- und Gemeinschaftsveranstaltungen in der Funktion eines „Bürgerhauses“. Für solche Umnutzungen könne die Kommune auf einige staatliche Förderprogramme zugreifen. Für das Elisabethenheim sei die Einrichtung von Wohnungen vorstellbar.

„Der ortsbildprägende Ensembleerhalt und der Teilneubau der Schule sind Kompromisse zum Nachdenken“, formulierte Ewald Plößner abschließend. Darin seien sich auch alle Fachleute und Architekten einig. „Zeit nehmen, um die Planungen zu überdenken, denn die Schule läuft uns nicht weg“: Mit diesem Schlussappell wandte sich der zweite Bürgermeister an den Marktgemeinderat und an die gesamte Bürgerschaft und empfahl ein "Ja" zum Bürgerentscheid.

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