28.11.2019 - 11:58 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Alle Hoffnungen liegen auf einer Sonderförderung

Die Marktgemeinde steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die Investitionen in die Zukunftspläne gehen in zweistellige Millionenhöhen. Woher diese gewaltigen Summen nehmen, fragen sich in der Bürgerversammlung Bürgermeister und Besucher.

Fast 100 Besucher interessierten sich in der Bürgerversammlung im Katholischen Pfarrheim für die Berichte des Bürgermeisters und der Verwaltung über das kommunale Geschehen in der Marktgemeinde
von Robert DotzauerProfil

Deshalb prägte die Bürgerversammlung im Kirchenthumbacher Pfarrheim das Prinzip Hoffnung. Die Marktgemeinde geht schweren Zeiten entgegen, zeigte der Blick von Bürgermeister Jürgen Kürzinger auf den Investitionsstau. Auf eine Sanierung wartet die Trinkwasserversorgung, eine marode Kläranlage mit ungewöhnlich viel Fremdwasserzufluss erfüllt nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen und die mutige Entscheidung zum Schulhausneubau wirft Fragen zur Finanzierung auf. „Da kann uns nur noch eine hohe staatliche Förderung retten“, befand der Gemeindechef.

Die mit fast 100 Zuhörern gut besuchte Versammlung begann zunächst mit einer eher unspektakulären Jahresbilanz des Bürgermeisters. Kürzinger erläuterte zunächst die klassischen Gemeindedaten, um dann einige im Jahresverlauf verwirklichte „kleine Leuchttürme“ zu thematisieren. Er erwähnte Investitionen in die Kinderspielplätze in fast allen Ortsteilen und dankte vielen ehrenamtlichen Helfern für die Unterstützung, lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Kirche, zum Beispiel bei der Übernahme des Kostendefizits des kirchlichen Kindergartens und bei Baumaßnahmen in Thurndorf. Erwähnung fanden zudem Sanierungen im Feuerwehrgerätehaus, die Einführung der offenen Ganztagsschule und die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf energiesparende Leuchtstellen. Zum Jahresprogramm 2019 zählte Kürzinger auch Investitionen in die Wasserversorgung, den Kauf eines neuen Schulbusses und Kanalbauarbeiten rund um das Sportgelände.

Für größere Aufmerksamkeit sorgte der Ausblick des Rathauschefs. Kürzinger unterstrich die Anstrengungen der Marktgemeinde, mit dem Förderinstrument der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) den Ausbau des Kernwegenetzes zu forcieren, machte Hoffnung auf ein zweites Förderverfahren zum Breitbandausbau, kündigte eine neue Wasserversorgung in Lenkenreuth an und erinnerte an die Planungen für die Dorferneuerungsprojekte in Neuzirkendorf und Dammelsdorf. Gute Chancen hat die Freiwillige Feuerwehr Thurndorf, ein neues Löschfahrzeug zu bekommen. In der Haushaltsplanung sei die Anschaffung bereits verankert, so Kürzinger. Man müsse sich nur noch über den Fahrzeugtyp unterhalten.

Die Marktgemeinde steht in den nächsten Jahren vor riesigen Herausforderungen. Bürgermeister Jürgen Kürzinger ist vorsichtig optimistisch, die großen Aufgaben zu bewältigen. Er setzt besonders auf eine höhere staatliche Förderung. "Noch ist nichts in Stein gemeißelt", stellt er in der Bürgerversammlung fest

Zum Thema Schulhausneubau verwies der Bürgermeister auf das jüngst veröffentlichte Wettbewerbsergebnis mit einem klaren Bekenntnis der Gutachter zum Entwurf des Architekturbüros Reinhard Bauer aus München. Kürzinger begrüßte in diesem Zusammenhang das große Interesse der Bürgerschaft am Modell des Planers bei der öffentlichen Auslegung. Nun gelte es, Einzelheiten mit der Regierung der Oberpfalz zu besprechen.

Kämmerer Michael Eisner war es vorbehalten, die Entwicklung des Gemeindehaushalts 2019 zu beleuchten. Sein Zahlenwerk beinhaltete die wichtigsten Einnahmen und Ausgaben und die im Haushaltswerk verankerten Investitionssummen. Unter anderem verwies er auf den Bau des Regenüberlaufbeckens in der Bachgasse, Beiträge für eigene Grundstücke, die Erschließung des Baugebietes Sandbrunnen, Abfinanzierungen, etwa zur Erschließung der „Weiherwiesen“, die Sanierung der Wasserleitung in der Eschenbacher Straße und auf die Kosten des Architektenwettbewerbes für das neue Schulgebäude. In seinem kurzen Ausblick erwähnte Eisner besonders die anstehenden Investitionen in die Trinkwasserversorgung und in die Abwasserentsorgung sowie in den Neubau der Schule.

Bauhofleiter Jörg Dollhopf stellte schließlich die Leistungen des Gemeindebauhofes vor. Unter anderem verwies er auf den Bau eines Buswartehäuschens in Burggrub, auf die Straßensanierung der Ortsdurchfahrt Ernstfeld in Zusammenarbeit mit einer Baufirma, die TÜV-Prüfung des Aussichtsturmes auf dem Thurndorfer Kalvarienberg, Gehweg-Sanierungen, Winterdienst, Mäharbeiten und Asphaltarbeiten mit dem gemeindeeigenen Thermo-Container. Auch Spielplatzsanierungen mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer fanden Erwähnung. Dollhopf dankte abschließend für die gute Zusammenarbeit aller Beteiligter.

Dann hatten die Bürger das Wort. Bürgermeister Kürzinger hatte zahlreiche kritische Fragen zu beantworten. Norbert Keil wollte Näheres über den Stand der Schulplanung erfahren. Kürzinger verwies auf das Siegermodell im Wettbewerbsverfahren, an dem weiter gefeilt werde. Als Zuschuss des Freistaates seien 5200 Euro je Quadratmeter Nutzfläche zu erwarten. Die genaue Fläche stehe allerdings noch nicht fest, bemerkte der Bürgermeister. Eine höhere Förderung erhofft er sich durch Nachverhandlungen. „Wir sind kein Schulstandort von der Stange“, so der Bürgermeister.

Unheimlich fand Armin Sobirey die Kosten für die bevorstehenden Groß-Investitionen in die Daseinsvorsorge. Wie viele Kosten kommen auf die Beitragszahler zu, wollte Sobirey wissen und gebe es Obergrenzen für kommunale Investitionen? Während Geschäftsleiter Alfred Rauch Obergrenzen verneinte, verwies der Bürgermeister auf große Versäumnisse in den Jahren vor 2014. „Leider wurde diese Hauptaufgabe in den letzten zwei Jahrzehnten nicht mit größerer Ernsthaftigkeit verfolgt. Jetzt kommen wir nicht mehr raus“, begründete Kürzinger die bevorstehende Schuldenfalle. Einen Hoffnungsschimmer auf staatliche Zuwendungen sieht er dennoch. Da sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Mitentscheidend werde die Höhe der Investitionskosten und das Überschreiten von Förderschwellen sein.

Für die Größe der künftigen Kläranlage interessierte sich Norbert Geyer. Diese orientiere sich an den sogenannten Einwohner-Gleichwerten, klärte der Geschäftsleiter auf. Heinz Vogel empfahl, an den schönen Begrüßungstafeln an den Ortseinfahrten Bügel für Blumenschmuck anzubringen. Auf ein großes Echo stieß die Anfrage von Josef Kellner. "Was wird aus dem Elisabethen-Heim im Zusammenhang mit dem Schulhausneubau?", wollte er wissen. Kellner wünschte sich zudem einen Bürgersaal. „Nicht geplant und nicht förderfähig“ nannte der Bürgermeister solche Überlegungen. Der Schulstandort Kirchenthumbach sei laut Regierung mit einer Grundschule und Teilmittelschule mit insgesamt sechs Klassen ausgereizt. Weitere bauliche Überlegungen seien nicht förderfähig. Kürzinger verwies auch auf die aktuelle Beschlusslage des Marktgemeinderates. Diese sieht den Abbruch des über 100 Jahre alten Elisabethen-Heimes und beider Schulgebäude vor.

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