13.05.2020 - 14:24 Uhr
KemnathOberpfalz

Zahnarztbesuch nicht aufschieben

Trotz Kontaktbeschränkung sind die Zahnarztpraxen im Landkreis Tirschenreuth für ihre Patienten da. Nicht durchgeführte Behandlungen könnten schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

Zahnärztin Frieda Zeitler bittet die Patienten zu klingeln. Diese werden dann vom Praxispersonal kurz befragt und einzeln in die Praxis gebeten.
von C. & W. RupprechtProfil

Die Kontaktbeschränkungen und Verordnungen der bayerischen Staatsregierung führten zu großen Verunsicherungen, auch mit Blick auf Zahnarztbesuche. Dabei sind die Zahnärzte von offizieller Seite in ihrer Berufsausübung nicht eingeschränkt.

Aber viele Patienten hatten Sorge, sich mit dem neuen Covid-19-Virus anzustecken oder den Virus unbeabsichtigt in die Praxis zu tragen. Dabei sei dort die Infektionsgefahr für Patienten nahezu ausgeschlossen, denn die Hygiene- und Desinfektionsvorschriften der Zahnärzte seien schon immer so vollumfassend, dass eine Ansteckung unwahrscheinlich sei, beruhigt Dr. Franz-Gregor Schmid, Zahnarzt in Kemnath und Obmann der Zahnärzte im Landkreis Tirschenreuth.

Nicht einfach in Praxis kommen

Verschiedene Maßnahmen würden helfen, die Ansteckungsgefahr weiter zu verringern. Der Patient könne dazu beitragen, indem er stets vor dem Praxisbesuch einen Termin vereinbart. Auch Menschen mit akuten Zahnschmerzen sollten nicht einfach in die Praxis kommen, sondern vorher anrufen. Bei diesen Vorgesprächen werde dann auch gleich der allgemeine Gesundheitszustand geklärt und ob der Patient mit Covid-19-positiven Menschen Kontakt hatte.

Die Zahnarztpraxen würden ermöglichen, dass die Patienten einzeln im Wartebereich sitzen oder gleich in den Behandlungsraum geführt werden. "Notfalls bitten wir unsere Patienten, kurz im Auto vor der Praxis zu warten", informiert Frieda Zeitler, Zahnärztin aus Kastl. Und Dr. Daniel von Knippenberg aus Erbendorf erklärt: "Wir sorgen mit Markierungen am Boden für den nötigen Sicherheitsabstand."

"Nicht alles darf dem Corona-Geschehen untergeordnet werden", mahnt Schmid. Die Zahngesundheit beginne zwar im Mund, beschränke sich aber in den Folgen unbehandelter Zahnkrankheiten nicht nur auf den Mund, sondern könne sich in den ganzen Körper ausbreiten. So warnen auch Dr. Daniel Hösl aus Kemnath, Dr. Katrin Regler aus Immenreuth und Frieda Zeitler aus Kastl vor Folgeerkrankungen, die bis zum Zahnverlust oder im schlimmsten Falle sogar zum Tode führen können, wenn unbehandelte Infektionen sich im ganzen Körper ausbreiten können. "Diabetespatienten sind besonders gefährdet, sie haben ein höheres Risiko für Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis", erläutert Zeitler. Die Mediziner warnen auch vor bakterieller Streuung und Abszessbildung, die in der Folge das Herz angreifen und zur Blutvergiftung führen können.

"Keiner muss sich Sorgen machen"

Es gebe also in der Regel keinen Grund, die Behandlung aufzuschieben. "Alle Zahnbehandlungen und auch die professionelle Zahnreinigung sind grundsätzlich möglich", betonen Schmid und Regler. Manche Praxen setzen zusätzlich zur üblichen Desinfektion nach jeder Zahnbehandlung, die einen Sprühnebel, das sogenannte Aerosol, bildet, eine Kaltnebeldesinfektion ein: Nach einer Wartezeit ist das Aerosol unschädlich gemacht und der nächste Patient befindet sich wieder in einer hygienisch sauberen Umgebung. "Wir sind ganz nahe am Patienten, nur küssen ist näher", begründet Dr. Heidi Edl aus Erbendorf ihre Zusatzmaßnahmen.

Für Menschen, die sich in Quarantäne befinden, wurden extra sogenannte "Coronaschwerpunktpraxen" eingerichtet. Die nächste Schwerpunktpraxis befindet sich in Weidenberg bei Dr. Andreas Klinkisch. Doch auch die Uniklinik Regensburg kümmert sich um diese Patienten. Jeder Zahnarzt kann den betroffenen Patienten die nächste Schwerpunktpraxis nennen.

Seit Mai sind die meisten Zahnarztpraxen wieder zu ihren üblichen Öffnungszeiten erreichbar. "Niemand muss sich Sorgen machen - die Zahnärzte können die Patienten weiterhin behandeln", versichert Schmid.

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