21.06.2021 - 15:06 Uhr
KemnathOberpfalz

Waldeck: Nahwärmenetz rechnet sich nicht

Jahrelange Bemühungen in Waldeck sind gescheitert

In Waldeck wird es kein großes Nahwärmenetz geben, die Wirtschaftlichkeit ist nicht gegeben.
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Idee nie so richtig Fahrt aufgenommen hatte", erklärt der Kemnather Bürgermeister Roman Schäffler zum Vorhaben, in Waldeck ein großes Nahwärmenetz zu realisieren. Es sei in der Vergangenheit ein "ständiges Auf und Ab" gewesen, bei dem man nun allerdings an dem Punkt angekommen sei, die Reißleine zu ziehen.

Jahrelang Stillstand

Erste Überlegungen für das Projekt hatte es schon 2010/2011 gegeben. Forciert worden war es immer wieder von der Stadt Kemnath und der Bürgerenergie Waldeck, die im Begriff war, sich als Genossenschaft zu gründen. Im Juni 2020, kurz nachdem Schäffler Bürgermeister geworden sei, habe man das Thema nochmals "ausgegraben", in den Jahren zuvor herrschte eigentlich Stillstand.

Doch warum ist in den Jahren seit 2011 nie so richtig etwas vorwärts gegangen? "Bei so einem Projekt, an dem sich viele beteiligen wollen und müssen, schauen viele auch verständlicherweise erst einmal auf den eigenen Geldbeutel", sagt Schäffler. Zwar hätte es bei dem Projekt, das von der Kommune in Vorleistung finanziert worden wäre, auch einen Zuschuss in Höhe von insgesamt etwa 35 Prozent gegeben, dennoch sei die Akzeptanz sehr zurückhaltend gewesen. Gesamtinvest wären etwa eine Million Euro gewesen. Den Betrieb des Netzes hätte man dann europaweit ausgeschrieben, die Stadt wäre nicht selbst Betreiberin, aber unter anderen mit dem ehemaligen Schulhaus Anschlussnehmerin gewesen.

Bei einer Abfrage im Oktober 2020 hatte es noch 56 Anwesen gewesen, dessen Eigentümer Interesse an dem Netz bekundet hatten. Nachdem dann die Preise berechnet worden seien, seien es nur noch 45 Anwesen gewesen. Dies hatte eine erneute Berechnung zur Folge, die Liegenschaften mit Interesse sind in der Folge auf 36 gesunken. Der Preis habe bei einer Grundgebühr von 52 Euro/Monat gelegen, die Kilowattstunde Wärme wäre auf 6,5 Cent netto gekommen. Die Anschlusspauschale hätte 4000 Euro betragen. Auf eine weitere Berechnung für die noch übrig gebliebenen 36 Anwesen habe man verzichtet, erläutert Schäffler, da die Preise logischerweise weiter nach oben gegangen wären.

Zwei kleinere Varianten

"Das Scheitern ist natürlich schade, aber ich kann es aufgrund der Höhe der Privatinvestitionen auch nachvollziehen. Es fehlen uns in Waldeck einfach die Großverbraucher für eine Wirtschaftlichkeit", sagt der Bürgermeister. Man könne mit Ideen und Projekten nicht immer gewinnen, auch wenn man - wie hier - das Bestmögliche getan habe, um es umzusetzen.

Seitens der Kommune werde man nun eine Nahwärmeversorgung für das ehemalige Schulhaus und das benachbarte Kinderhaus planen. Außerdem, so der Bürgermeister, soll auch von privater Seite ein kleines Nahwärmenetz realisiert werden.

Vor einem Jahr waren die Verantwortlichen noch optimistisch

Waldeck bei Kemnath

"Das Scheitern ist natürlich schade, aber ich kann es aufgrund der Höhe der Privatinvestitionen auch nachvollziehen. Es fehlen uns in Waldeck einfach die Großverbraucher für eine Wirtschaftlichkeit."

Bürgermeister Roman Schäffler

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.